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Stickstoffdioxid-Messungen:Münchner Luft ist besser als gedacht

Stau am Mittleren Ring in München, 2018

Der Verkehr läuft oft zäh in München, immer mehr Autos schieben sich durch die Stadt. Offenbar ist die Luftverschmutzung aber nicht so schlimm wie gedacht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die Luft in der Landeshauptstadt ist besser als bislang gedacht. An 16 von 20 Messstationen ist der gesetzliche Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO₂) eingehalten worden.
  • Modellrechnungen hatten bislang prophezeit, dass die Stickoxid-Grenzwerte an 17 von 19 Punkten überschritten werden.

Flächendeckende Fahrverbote sind in München "weder verhältnismäßig noch notwendig". Diesen Schluss zieht Oberbürgermeister Dieter Reiter aus dem nun vorliegenden Jahresergebnis der Stickstoffdioxid-Messungen, die die Stadt in Eigenregie an 21 Adressen vornimmt. Demnach wurde 2018 das gesetzliche Jahreslimit von durchschnittlich 40 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter Luft lediglich an vier Stellen überschritten: an der Tegernseer Landstraße (57 µg), an der Chiemgaustraße (58 µg), an der Frauenstraße (49 µg) und an der Steinsdorfstraße (44 µg). Dazu kommen noch die Landshuter Allee (66 µg) und der Stachus (48 µg), die allerdings zum Messstellennetz des Landesamts für Umwelt gehören.

An weiteren 17 Standorten, an denen das städtische Umweltreferat sogenannte Passivsammler aufgestellt hat, bewegt sich die Luftbelastung im grünen Bereich.

"Das ist eine gute Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger", so Reiter - in den Wohngegenden gebe es so gut wie keine Überschreitungen. Prognosen hatten anderes erwarten lassen: Modellrechnungen hatten Überschreitungen des Grenzwerts an 17 von 19 Messpunkten prophezeit (zwei Standorte liegen nicht an Hauptstraßen und waren daher von den Experten des Freistaats nicht in die Berechnungen einbezogen worden).

"Die jetzt vorliegenden Messwerte zeigen deutlich, dass die Berechnungen des Freistaats offensichtlich unzutreffend waren", resümiert Reiter. Allerdings gebe es durchaus noch Handlungsbedarf an den großen Einfallstraßen. Der OB kann sich beispielsweise großflächige Begrünungen vorstellen. Welche Maßnahmen geeignet seien, müssten nun die städtischen Fachleute überprüfen. "Es war der richtige Weg, eigene städtische Messstellen einzurichten und sich nicht nur auf Berechnungen zu verlassen." Noch in diesem Jahr würden 20 weitere Stationen aufgebaut.

Eine erneute Absage erteilte Reiter streckenbezogenen Fahrverboten wie in Hamburg, also der Sperrung einzelner Straßenabschnitte für Dieselautos. Damit würde kein Problem gelöst, sondern der Verkehr nur in die benachbarten Wohngebiete verlagert. Dies sei weder verkehrspolitisch noch ökologisch sinnvoll.

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