Vorbild: Südtirol Radeln royal

Neue Schilder wie hier in Percha weisen auf den Themenradweg hin.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Auf den Spuren von König Ludwig und Sisi oder "Rund um den Fürstensee": Mit Themenradwegen will der Landkreis den Fahrradtourismus im Fünfseenland stärken. Doch mit neuen Schildern allein ist es nicht getan

Von Otto Fritscher, Starnberg

"Es reicht nicht mehr, einfach mal ein paar Radwege auszuschildern, und zu hoffen, dass die Touristen schon kommen werden", sagt Klaus Götzl. Der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (Gwt) hat sich deswegen zusammen mit Susanne Münster, der Verkehrsmanagerin des Landkreises Starnberg, zusammengetan, um nicht nur für die einheimischen Alltagsradler ein vernünftiges Wegenetz zu schaffen. Ziel ist es, den Fahrradtourismus durch sogenannte "Themenradwege" zu fördern. Der erste ist bereits seit Anfang des Jahres komplett ausgeschildert: Es ist die rund 50 Kilometer lange Tour "Rund um den Fürstensee", womit logischerweise die Umrundung des Starnberger Sees gemeint ist.

In die landkreisweit einheitlichen, grünen Radwegschilder werden Hinweisschilder auf die Thementouren "eingehängt", wie Götzl erklärt. Es soll ein Flyer folgen, in dem touristische Höhepunkte der Seeumrundung beschrieben werden, und auch im Internet soll noch nachgelegt werden. Auch weitere Themenradwege haben Götzl, Münster und ihr Team in Planung. Klar, dass in nächster Zeit die Tour "Rund um den Bauernsee" folgen wird, eine Runde um den Ammersee. Aber auch eine Tour "Auf den Spuren Ludwig II." oder so - der genaue Name steht noch nicht fest - ist bereits in Planung. Klar, dass sie die Todesstelle des Märchenkönigs im Starnberger See vor der Votivkapelle bei Schloss Berg enthalten wird, und dass sie auch Ludwigs Cousine Sisi, die viele Sommer im Schloss Possenhofen verbrachte, mit einbeziehen wird. Und dann ist da noch die Planung für eine "Tour de Bier", die sicherlich Andechs als Mittelpunkt haben wird, aber auch zu den kleineren Privatbrauereien etwa in Mühlfeld bei Herrsching oder in Stegen am Nordende des Ammersees führen wird. "Fahrradtourismus ist im Kommen", ist Götzl überzeugt, und das liegt nicht nur an den Pedelecs und E-Bikes, auf denen beileibe nicht nur ältere Menschen fahren. "Da man mit E-Bikes an einem Tag locker größere Entfernungen bewältigen kann, müssen auch wir Touristiker über die Landkreis-Grenzen hinweg denken", ist Götzl überzeugt. Deswegen müssten die Landkreise im Alpenvorland auch bei neuen Themenradwegen zusammenarbeiten.

Neue Radwege anzulegen, ist aber alles andere als einfach, wie Landrat Karl Roth gegenüber der SZ verdeutlichte. "Es gibt im Landkreis ja keinen Quadratmeter Grund zu kaufen, der weniger als 50 Euro kostet", sagt er, was seine Landrats-Kollegen aus den umliegenden Landkreisen bei einer Pressekonferenz der "Arbeitsgemeinschafts Oberbayerisches Voralpenland" kopfschüttelnd zur Kenntnis nahmen. Ansonsten scheint Roth schon mit den Stadtradlern so seine Erfahrungen gemacht zu haben: "Die beschäftigen uns ja ganz gut und melden uns sofort, wenn irgendwo in einer Kurve Splitt liegt. Aber wir haben ja eine sehr rührige Verkehrsmanagerin."

Für Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis, ist es entscheidend, dass man, was den Ausbau des Radverkehrs im Fünfseenland betrifft, "systemisch denken" muss. "So, wie es in Südtirol gemacht wird", präzisiert Winkelkötter seinen Vorschlag. "In Südtirol gibt es quasi in jedem Hotel Fahrräder zu leihen, und dazu gehören inzwischen ganz normal auch E-Bikes." Was wohl heißen soll, dass die hiesige Hotellerie einigen Nachholbedarf bezüglich Fahrradtourismus hat. Und mit den Fahrrädern, ob elektrisch oder rein muskelbetrieben, ist es natürlich nicht getan. "Man braucht Kioske an den Radwegen, Reparaturmöglichkeiten und andere Serviceeinrichtungen." Winkelkötters Fazit: "Die in Südtirol machen es einfach super." Und Werner Schmid, bis zum Jahreswechsel Götzls Stellvertreter als Geschäftsführer des inzwischen aufgelösten und in der Gwt aufgegangenen Tourismusverbands, geht noch einen Schritt weiter: "Auch die Ausleihe muss man Menschen, die entweder im Urlaub oder auch bei einem Wochenendausflug ein Fahrrad mieten möchten, so einfach wie möglich machen. Und zwar mit einer App, mit der man auch vom Zug oder der S-Bahn aus noch schnell ein Rad buchen kann." Von so einem Service ist man im Landkreis noch ziemlich weit entfernt.

Immerhin, noch in diesem Frühjahr soll nach Ankündigung von Roth ein neuer Anlauf für den Radlbus gemacht werden, der von Tutzing nach Andechs und zurück verkehrt. Es wird ein neuer Anhänger angeschafft, auf dem die Räder leichter verstaut werden können. Beim bisherigen Anhänger mussten die über zwei Stufen hochgetragen und dann in eine Halterung gewuchtet werden. "Das war der ausrangierte Radanhänger vom Chiemsee", sagt Roth und lacht. Nun will man sich einen neuen leisten, damit es mehr werden als die 331 Kunden, die im vergangenen Jahr den Radanhänger benutzt haben.