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Verkehr:Gauting macht's kürzer

Autofahrer sollen ihre Wagen auf vielen öffentlichen Parkplätzen nur noch für eine Stunde abstellen dürfen

Autofahrer, die ihren Wagen auf einem Parkplatz an der Bahnhofstraße oder der Ortsdurchfahrt von Gauting abstellen, haben künftig etwas weniger Zeit zum Einkaufen, für einen Arzttermin oder den Besuch beim Friseur. Eine Stunde sollte reichen, meinen viele Geschäftsleute im Ort und haben sich erfolgreich bei der Gemeinde dafür eingesetzt, die mit Parkscheibe bisher erlaubte Zeit von zwei Stunden auf die Hälfte zu verkürzen. Nun wird sich die Rathausverwaltung an das Starnberger Landratsamt wenden, um das neue Limit zunächst für eine Probephase von einem Jahr anzuordnen. Dafür hat sich der Verkehrsausschuss am Donnerstag trotz Bedenken einiger Gemeinderäten mit knapper Mehrheit ausgesprochen.

Vorausgegangen war im Februar eine Umfrage eines Einzelhändlers aus der Bahnhofstraße bei Ladeninhabern, Dienstleistern und Ärzten. Insgesamt 111 Antworten seien eingegangen, berichtete Ordnungsamtsleiter Maximilian Donner im Ausschuss. Zwei Drittel hätten sich demnach für eine Parkdauer von einer Stunde ausgesprochen, ein Drittel hätte lieber die bisher gültigen zwei Stunden beibehalten.

Die von der Verwaltung vorgeschlagene Verkürzung , für die sich auch Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) eingesetzt hat, soll für die öffentlichen Gratis-Parkplätze an Staatsstraßen gelten, also für Bahnhofstraße, Münchner Straße und Starnberger Straße sowie den Hauptplatz. Wer länger braucht, kann sein Auto immer noch auf dem Rottenfußer Platz oder in der Tiefgarage des Rathauses abstellen, wo bis zu drei Stunden erlaubt sind.

Interessant war das Abstimmungsverhalten. Alle Vertreter der CSU sowie Britta Hundesrügge (FDP) stimmten gegen den Verwaltungsvorschlag, dafür votierten außer der Bürgermeisterin auch sechs Vertreter verschiedener Fraktionen von der Piratenpartei bis zu den Grünen. CSU-Gemeinderat Maximilian Platzer äußerte in der Sitzung Bedenken: Eine kürzere Parkdauer habe zur Folge, "dass die Leute mit dem Auto von Geschäft zu Geschäft fahren" sagte er. Auch sein Fraktionskollege Franz Jaquet befürchtet, dass die "Gefahr des Hoppings" sehr hoch ist.

Wer länger als erlaubt parkt, riskiert einen Strafzettel, denn die Kontrolleurinnen des Zweckverbands Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland sind auch in Gauting unterwegs. Im vergangenen Jahr waren sie für jeweils 35 Stunden pro Monat gebucht, um Falschparker aufzuschreiben oder Temposünder zu blitzen. Die erwischten Autofahrer bezahlen zwar eine Menge Bußgeld, die Ausgaben für die Kontrollen sind aber so hoch, dass für die Gemeinde kaum etwas davon übrig bleibt. Auf Antrag der FDP wurden im Ausschuss Zahlen vorgelegt. So blieben im vergangenen Jahr beim ruhenden Verkehr bei Einnahmen von knapp 16 000 Euro nur gut 500 Euro übrig; beim fließenden Verkehr ergab sich ein Minus von 3000 Euro bei Einnahmen von fast 55 000 Euro. In früheren Jahren sah die Bilanz ganz anders aus. Nach den Zahlen, die Ordnungsamtsleiter Donner im Ausschuss vorlegte, verblieb der Gemeinde 2016 noch ein Anteil von mehr als 40 000 Euro. Offenbar zeigen die Kontrollen Wirkung. "Das hat einen Effekt", ist Bürgermeisterin Kössinger überzeugt.