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Utting:Mietwohnungen für 200 Bürger

Architekturwettbewerb zum Schmucker-Areal

Auch architektonisch beeindruckend: Der preisgekrönte Entwurf des Münchner Büros "Wwa Wöhr Heugenhauser" sieht eine "Perlenkette" aus 25 dreigeschossigen Baukörpern mit versetzten Pultdächern vor. Repro: Franz-Xaver Fuchs

Gemeinde will das Schmucker-Gelände für Menschen mit niedrigem und mittleren Einkommen bebauen - und wird sich dafür enorm neu verschulden

Als er vor zweieinhalb Jahren bekannt gab, nicht mehr fürs Bürgermeisteramt zu kandidieren, war es der erklärte Herzenswunsch von Josef Lutzenberger, "dieses Vorzeigeprojekt noch entscheidend weiterentwickeln zu können". Dass er in seiner 12-jährigen Amtszeit noch den ersten Spaten im Schmucker-Gelände für den Bau von 88 kommunalen Mietwohnungen in die Erde stechen könne, war nicht zu erwarten. Aber das Kunststück gelang, bis zum Wechsel auf dem Chefsessel im Rathaus die Planung komplett abzuschließen: In Lutzenbergers letzter Gemeinderatssitzung war es ihm noch vergönnt, den konkreten Bauantrag für die Wohnsiedlung mit einstimmigem Votum des Ferienausschusses zu verabschieden.

Dafür waren nach dem Kauf des Grundstücks 2016 viele Abstimmungen zwischen Planern, Förderbehörden, Gemeinderäten und künftigen Nachbarn nötig - ebenso wie ein europaweiter Architektenwettbewerb und die Gründung eines Kommunalunternehmens, das Bau, Vergabe und Vermietung der Wohnungen regelt. Nun soll zügig der Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern eingereicht werden. Der kaufmännischer KU-Vorstand Florian Zarbo rechnet damit, dass "spätestens im Herbst die ersten Bauarbeiten ausgeschrieben werden können". In den folgenden zwei Jahren sollen dann auf der 12 700 Quadratmeter großen Fläche im Uttinger Zentrum sechs dreistöckige Hausgruppen errichtet werden. Zum Einsatz kommt hochwertige, auch ökologisch vorteilhafte Holzhybridbauweise. Obwohl die Gemeinde die Wohnungen an Bürger mit niedrigem oder mittleren Einkommen günstig vermieten will, wird an der Ausstattung nicht gespart: Alle Einheiten sind barrierefrei und verfügen über Terrasse oder Balkon.

Auch gestalterisch können die Pläne des Münchner Büros "Wwa Wöhr Heugenhauser" überzeugen: Sie sehen zwischen Landsberger und Hechenwanger Straße eine "Perlenkette" aus 25 Baukörpern vor, die jeweils zum Nachbarn versetzt sind, um die Wohnungen optimal zu belichten. Die Elemente unterscheiden sich durch differenzierte Höhen, Längen und Fassaden; die gegeneinander versetzten Pultdächer beeindruckten seinerzeit die Wettbewerbsjury durch "poetische Leichtigkeit".

Die Siedlung soll mehr als 200 Bewohner beherbergen, angeboten werden elf Ein- und 32 Zwei-Zimmer-Wohnungen, 22 Drei-Zimmer-Wohnungen (davon zwei rollstuhlgerecht), 19 Vier-Zimmer-Wohnungen (zwei davon für Wohngemeinschaften etwa von Azubis konzipiert) und vier Fünf-Zimmer-Wohnungen. Eine Tiefgarage soll 92 Fahrzeuge aufnehmen, 35 weitere Parkplätze für Autos entstehen ebenerdig, sowie 120 Fahrradabstellplätze. Außerdem werden im Erdgeschoss des Hauses an der Schondorfer Straße zwei Gemeinschaftsräume eingerichtet, die mit einer Faltwand getrennt sind und zu einem Saal für bis zu 100 Personen vereinigt werden können. Dazu werden Garderobe, Büro, WC und Küche geschaffen. Das gesamte Projekt wird etwa 25 Millionen Euro kosten, die Gemeinde erwartet Zuschüsse vom Freistaat in Höhe 11,5 Millionen. Dennoch könnte Uttings Schuldenstand bis Ende 2022 26 Millionen Euro erreichen - 5700 Euro pro Bürger.

© SZ vom 03.06.2020

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