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Unterrichtsbeginn:Am schönsten sind die Pausen

Fast 1500 Kinder gehen am Dienstag zum ersten Mal in die Schule. Dort sollen sie das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Aber es gibt auch Wichtigeres.

Von Marcella Rau, Starnberg

Die Schultüten sind gebastelt, die Ranzen besorgt. 1454 Buben und Mädchen, die am Dienstag an den 29 Grund- und Mittelschulen im Landkreis eingeschult werden, fiebern ihrem ersten Schultag entgegen. Das sind 35 mehr als noch im Vorjahr. Unter ihnen sind auch Hanna aus Söcking und Hannah aus Frieding.

Hanna tut zwar so, als ließe sie der Rummel kalt, dabei ist auch sie ganz schön nervös, wie ihre Mutter verrät. Auf die Frage, worauf sie sich am meisten freue, antwortet das Mädchen: die Pausen, in denen sie mit ihrer Freundin spielen kann. Auf Rechnen, Schreiben und Lesen hat sie keine so große Lust. Da hat Hanna wahrscheinlich schon einiges von ihren Geschwistern mitbekommen, denn sie ist schon das siebte Kind der großen Familie, das nun die Schule besuchen wird. Ihre Mutter sieht das ganze deshalb relativ gelassen. Sie freue sich aber darauf, dieses Mal nicht wieder die immer gleichen Aufgaben korrigieren zu müssen. Denn Hanna ist die erste ihrer Geschwister, die die Fünfseen-Schule in Starnberg besuchen wird.

Dass sie nicht gerne das Lesen und Schreiben lernen möchte, kann man nur wenige Minuten später kaum noch glauben. Kaum hält sie Stift und Schreibblock in der Hand, ist Hanna nicht mehr zu bremsen und zeigt stolz, dass ihr Name, und auch der ihrer besten Freundin schon fast perfekt sitzen - wenn auch in Spiegelschrift. Auch die Zahlen klappen bereits prima, und gerechnet wird bei Hanna gar nicht erst drei plus drei, sondern gleich dreihundert plus dreihundert. Ob sie den Kindergarten vermissen wird? Doofe Frage, da holt sie doch weiter mit ihrer Mutter den kleinen Bruder ab.

Großer Tag für kleine Kinder; Großer Tag für kleine Kinder

Hannah Bauer aus Frieding kann es gar nicht erwarten, bis es losgeht mit dem Lesen und Schreiben.

(Foto: Fotos: Franz Xaver Fuchs)

Ganz besonders stolz sind Hanna aus Söcking und Hannah aus Frieding auf ihre selbstgebastelten Schultüten. Hannas ist gelb und voll mit bunten Mustern, von denen sie genau weiß, in welcher Reihenfolge sie sie gemalt hat. Rein sollen auf jeden Fall Süßigkeiten und vielleicht ein Kuscheltier. Ach ja, dann hat sie ja auch noch diese Spielsachen im Laden gesehen. Hannah aus Frieding hat eine blaue Schultüte gebastelt, die übersäht ist mit allerlei Zauberdingen. Hannah wäre schließlich nichts lieber als eine Hexe. Hexensachen sollten deshalb am besten auch rein in die Tüte. Ein Zauberstab oder ein Besen wären gut. Einen Hut braucht es eigentlich gar nicht mehr, dafür eignet sich die Schultüte selbst ganz hervorragend, wie sich bald herausstellt. Damit die Ungeduld nicht gar so schlimm wird, hat Hannahs Mutter die Schultüte extra oben auf den Schrank gelegt, denn das Mädchen hält es kaum noch aus, bis es endlich los geht mit dem Lesen und Schreiben lernen. Nachdem sie im Februar zusammen mit ihrer Kindergartengruppe schon einmal ihre künftige Grundschule in Andechs besuchen und sogar Schulbus fahren konnte, wollte sie gar nicht mehr heim und bat ihre Mutter, doch bitte dort anzurufen und zu fragen, ob sie nicht früher kommen könne.

Die Schulen im Landkreis jedenfalls sind auf das neue Schuljahr vorbereitet. Der Bedarf an Lehrern konnte in allen Grundschulen im Landkreis gedeckt werden und auch mobile Reserven, die dann zum Einsatz kommen, wenn Lehrkräfte durch Schwangerschaft oder längere Krankheit ausfallen, stünden zur Verfügung, berichtet Elisabeth Hirschnagl-Pöllmann, die Direktorin des staatlichen Schulamts in Starnberg. Für die Schulanfänger dürfte das aber erst einmal eine nachrangige Rolle spielen. Ganz egal, wo im Landkreis sie das erste mal Schulluft schnuppern, wichtig sind wahrscheinlich die gleichen Fragen: Wo und neben wem werde ich sitzen, etwa. Am besten ganz vorne. Das steht für beide Hanna(h)s fest.

Großer Tag für kleine Kinder; Großer Tag für kleine Kinder

Hanna Horn aus Söcking freut sich auf die Pausen, in denen sie mit ihrer Freundin spielen kann.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Wirklich wichtig ist am Ende aber nur eines: alles nicht so schwer nehmen. Sätze wie "Heute beginnt der Ernst des Lebens" sollten Eltern dringend vermeiden, rät der bayerische Lehrerinnen und Lehrerverband. Dadurch würden die Schüler und Schülerinnen nur unnötig belastet.

© SZ vom 11.09.2017

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