Umweltschutz:Ein Klimamanager für drei Landkreise

Agentur soll Kommunen in Starnberg, Fürstenfeldbruck und Landsberg beraten

Von Sabine Bader, Starnberg

Klima- und Energiefragen spielen eine immer größere Rolle bei Entscheidungen der Kommunen. Wer sich mit ihnen befasst, stellt jedoch fest, dass man schnell an den Punkt kommt, wo Fachwissen gefragt ist. Um den Zukunftsfragen kompetent begegnet zu können, will der Landkreis Starnberg jetzt gemeinsam mit den beiden Nachbarlandkreisen Fürstenfeldbruck und Landsberg am Lech eine Klima- und Energie-Agentur gründen. Kurz: Man will die Kräfte bündeln und erhofft sich so auch wirtschaftliche Vorteile. Das wurde am Mittwoch im Umweltausschuss des Landkreises deutlich, wo der Beschluss zur Gründung der Agentur einstimmig fiel.

In den Umweltschutz müsse "Schwung reinkommen", fordert Adrienne Akontz, die der Grünen-Fraktion des Kreistags angehört. Wie wichtig Fachkompetenz heute ist, machte Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald deutlich. Eben weil ihre Gemeinde dringend fachlichen Rat benötigt, habe sie sich "aus Verzweiflung" schon dem Energieeffizienz-Netzwerk für Kommunen im Oberland angeschlossen. "Wir wollten bewusst etwas Neues machen, etwas, das auf uns zugeschnitten ist", sagte Landrat Stefan Frey (CSU). Das sei ein zukunftsorientiertes Projekt. Dafür habe man sich mit den Experten des Energie- und Umweltzentrums im Allgäu, kurz EZA, beraten, die bereits erfolgreich eine solche Gesellschaft betreiben.

Die Idee der drei Landkreise ist, eine zentrale Beratungsstelle einzurichten, die ihre Gemeinden dann nutzen können. Weil eben nicht jede Kommune kompetente und gut vernetzte Fachkräfte für Klima- und Energiefragen vorhalten könne. "Da muss man sich im Marktgeschehen auskennen", sagte Frey zur SZ.

Die Klima- und Energie-Agentur will in der Hauptsache eine kompetente Rundumberatung anbieten und keine eigenen Projekte stemmen. Sie will also nicht in Konkurrenz zu örtlichen Unternehmen treten. So wolle man beispielsweise Kommunen bei Vergabeverfahren unterstützen und beim kommunalen Energiemanagement. Man wolle zu Fragen der Klimaneutralität ebenso Stellung beziehen wie zum Klimaschutz und die Kommunen bei Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und der Motivierung der Bürger beraten.

Die geplante Agentur geht auf einen Prüfauftrag aus dem Jahr 2009 zurück, den Frey jetzt umsetzt. Das zukünftige Unternehmen ist als GmbH angedacht. Durch die Beteiligung der drei Landkreise steht es zwangsläufig auf einer breiteren finanziellen Basis. Laut Wirtschafts- und Finanzierungsplan muss der Landkreis Starnberg mit einer einmaligen Anschubfinanzierung in Höhe von 16 700 Euro rechnen, in den ersten Jahren würden dann je 124 500 Euro für den laufenden Betrieb fällig. Letztere Summe errechnet sich aus der Einwohnerzahl des jeweiligen Landkreises. Die Agentur solle aber kein Zuschussbetrieb bleiben und "den Landkreisen auf der Tasche liegen", so Frey, sondern durch ihre Beratungsarbeit selbst Erträge erwirtschaften. Starten will man recht übersichtlich mit einem Geschäftsführer plus einer Verwaltungskraft. Wo das neue Unternehmen seinen Sitz haben wird, ist noch offen. Wohl an einem Schnittpunkt der beteiligten Landkreise. "Vielleicht in der Grafrather Gegend", meint Frey. Für das Projekt kann der Landkreis übrigens beim bayerischen Wirtschaftsministerium Fördermittel beantragen.

© SZ vom 09.07.2021
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