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Umweltschutz:Ein Haus wie ein Kraftwerk

Das Heim von Hans-Wilhelm Knape in Gauting produziert mehr Energie, als es an Strom und Wärme verbraucht

Auf dem Hügelbeet blühen Sonnenblumen und Lavendel zwischen Erdbeerpflanzen, der Badeweiher direkt daneben sprudelt, auf der angrenzenden Wiese picken vier weiße Hühner Körner aus dem Gras: die Idylle im Hausgarten von Hans-Wilhelm Knape, Bürgermeister-Kandidat der Gautinger Grünen, wirkt perfekt. Es ist noch nicht ganz zehn Jahre her, dass Knapes Energie-Plus-Haus im Gautinger Dörfchen Hausen fertig wurde. Die Energiebilanz könnte besser nicht sein, es ist ein Vorzeigeprojekt in der Gemeinde und im Landkreis. Das Landratsamt hat das Haus bereits 2010 beim Energiepreis gewürdigt und ihm den zweiten Preis zugesprochen. Das Konzept, das Wohnen und Gewerbe verbindet, hatte die Juroren beeindruckt. Sie hatten neben der hervorragenden Gesamtenergiebilanz, die "optisch sehr gelungene Realisierung" und die "sehr gute Übertragbarkeit auf zukünftige Neubauten" hervorgehoben.

Hans-Wilhelm Knape, Bürgermeisterkandidat der Gautinger Grünen, stellt sein Energie-Plus-Haus am Mühltalerweg 22 im Gautinger Ortsteil Hausen vor sowie seine Ideen für zukunftsweisende Bau- und Energieformen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Am weltweiten Klimatag hat Knape das Haus öffentlich vorgestellt. Das große Zweifamilienhaus, das sich optisch an die benachbarten Bauernhöfe anlehnt, hat Knape, der kein Architekt ist, selbst entworfen und geplant. "Einen Architekten für dieses Haus hätte ich mir gar nicht leisten können. Ich musste mich erst mal einarbeiten", meint er und lacht. Er ist Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und hat viele Jahre als Entwickler und Manager in der Automobilbranche in Amerika und Korea gearbeitet. In den Straßenschluchten von Seoul seien ihm bereits erste Zweifel gekommen, sagt er. Wenn das Öl in Saudiarabien nicht mehr fließe, es zu nationalen Engpässen komme, sei es vorbei mit dem unbeschwerten Leben. Hinzu kamen die Erkenntnisse vom "Club of Rome". Das sei wie ein Erweckungserlebnis gewesen, erzählt er. "Ich habe mich verändert und bin der festen Überzeugung, dass man, wenn man wirklich etwas ändern will, bei sich selbst anfangen muss."

Das Landratsamt hat das Haus bereits 2010 beim Energiepreis gewürdigt und ihm den zweiten Preis zugesprochen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Sein Haus übertrifft die energetischen Standards eines Passivhauses, es produziert mehr Energie, als für Wärme und Strom verbraucht werden. Knape hat es mit Handwerkern aus der Region, vor allem mit einem Schreinermeister aus Dietramszell gebaut, mit heimischen Hölzern wie Lärche, Ulme und Ahorn, wann immer es ging, in Holzständerbauweise. Das Haus bietet nicht nur Lebensraum für die Familie, sondern auch Platz für die Hebammenpraxis von Sabine Knape sowie eine Großtagespflege für zehn Kinder. Es sei ihm wichtig gewesen, ein gutes Raumklima herzustellen, sagt Knape. So habe er den goldenen Schnitt auf den großen ebenerdigen nach Süden ausgerichteten Seminarraum der Praxis angewandt. Die etwa ein Dutzend Bürger lauschen interessiert den Details. Eine 60 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage auf dem Dach liefert umweltfreundlichen Strom, der ins Netz eingespeist wird. Sonnenkollektoren für Warmwasser und Heizung sind senkrecht an die Südfassade montiert - um gerade auch im Winter, wenn die Sonne tief steht, den höchsten Wirkungsgrad zu erzielen. Der Badeweiher reflektiert die Sonneneinstrahlung auf die Kollektoren und trägt zusätzlich zum Plus bei. Die Solaranlage ist an eine integrierte Luft- Wasser-Wärmepumpe gekoppelt. Durch eine drei Meter tiefe Grube, die mit Kies gefüllt ist, wird die angesaugte Luft bereits vorgewärmt. Es gibt große Südfenster und eine kontrollierte Be- und Entlüftung, die stündlich die Luft austauscht. Die Terrassentüren dürfen trotzdem geöffnet werden.

Für Knape, der Gründungs- und Vorstandsmitglied im Energiewendeverein und aktiv in der Energiegenossenschaft Fünfseenland war, ist Energiesparen wichtig, aber nicht das Einzige. Die Bewohner sollen sich wohlfühlen. Als Bürgermeister wolle er die Möglichkeiten für nachhaltiges Bauen für alle Bürger verbessern, eine gute Beratung etablieren und auch über Modelle für Mieter informieren. Er wolle das Würmtalregionalwerk dazu bringen, Dächer für Fotovoltaikanlagen zu mieten und die Energieerzeugung genossenschaftlich zu organisieren. Bisher erreiche nur die Gemeinde Berg ihr Soll an erneuerbarer Energie. Und auch nur, weil Bürgermeister Monn von den Windrädern überzeugt war, so Grünen-Sprecher Jürgen Schade. Da sich die Jugend so explizit für den Klimaschutz einsetze, sei die Grundstimmung gut, etwas zu verändern.