TSV 1880 Starnberg Aufschlag für den Investor

Dunkle Schatten über den Tennisplätzen: Wie lange geht es beim TSV Starnberg weiter mit diesem Sport?

(Foto: AFP/Vincenzo PINTO)

Die Tennisabteilung bangt weiterhin um ihre Existenz. Der Pachtvertrag ist Ende August ausgelaufen, die Verlängerung keine Option. Und Grundstückseigentümer Ullmann beharrt auf seinen Bauplänen

Von Peter Haacke, Starnberg

Wie geht es weiter mit der Tennisabteilung des TSV 1880 Starnberg? Seit 31. August ist der Pachtvertrag zwischen dem Sportverein und Michael Ullmann, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Responsibility GmbH, für einen Teilbereich des Sportgeländes ausgelaufen, fünf der bislang insgesamt neun Tennisplätze können nicht mehr genutzt werden. Ein Bauzaun teilt das Areal am Riedener Weg, die etwa 250 TSV-Aktiven bangen um die Existenz ihrer Abteilung. Eine außerordentliche Abteilungsversammlung am Freitagabend, die zirka 70 Mitglieder besuchten, warf zwar viele Fragen auf. Doch schlüssige Antworten gab es keine.

Der Verkauf der etwa 10 000 Quadratmeter großen Fläche, die Ullmann 2015 von der Bayerischen Hausbau GmbH erworben hat, stellt für die Tennisabteilung ein Riesenproblem dar. Der Starnberger Geschäftsmann möchte hier das Wohnbauprojekt "Riedener Park" realisieren, nach Angaben des Investors sollen kleinere Häuser und bezahlbare Mietwohnungen entstehen. Allerdings lehnte der Bauausschuss Ende Juni den Antrag zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Projekt am Riedener Weg einhellig ab. Sowohl Mitglieder der Tennisabteilung als auch Anwohner hatten zuvor insgesamt mehr als 1500 Unterschriften gegen das Bauvorhaben gesammelt. Doch seither ist der Sachstand unverändert, die Situation scheint festgefahren.

Vor allem Alternativen und Perspektiven der TSV-Tennisabteilung standen daher am Freitag im Mittelpunkt der Debatte. Dabei verdeutlichte Vize-Präsident Hans Michael Jungwirth: "Wir können die Situation nicht allein lösen, wir brauchen die Unterstützung der Politik." Um wenigstens kurzfristig den sportlichen Bedarf für die insgesamt 16 TSV-Tennismannschaften decken zu können, erwägen die Verantwortlichen im größten Starnberger Sportverein für die Spielzeiten 2017 und 2018 die Anmietung von Plätzen in Percha; die Verhandlungen laufen laut Jungwirth derzeit noch. Allerdings gilt diese Variante bestenfalls als Übergangslösung. TSV-Verwaltungsratsvorsitzender Georg Kendl brachte die Möglichkeit ins Spiel, die Stadt solle sich auf der Anlage des Tennisparks an der Gautinger Straße engagieren, zumal die Tennishalle auf städtischem Grund steht. Dagegen sprechen jedoch finanzielle Aspekte, zumal das übrige Gelände des Tennisparks mit acht Sandplätzen sich im Besitz der Bayerischen Hausbau GmbH - ein Unternehmen der Schörghuber Gruppe - befindet, die aber vornehmlich gewerbliche Nutzungen anstrebt.

Nach Ansicht von Stadtrat Jürgen Busse sollte die Stadt ein Zeichen setzen und für das Areal am Riedener Weg einen Bebauungsplan aufstellen, um den Bodenwert festzuschreiben und die bestehende Tennisanlage langfristig zu erhalten. Der Neubau einer Anlage im Außenbereich der Stadt gilt als problematisch. Bürgermeisterin Eva John unterstrich, dass die Stadt dem TSV zwar wohlgesonnen sei und den Sport weiterhin unterstützen wolle. Aber eine konkrete Lösung hatte sie nach Meinung vieler Beobachter auch nicht parat.

TSV-Präsidium und Abteilungsleitung haben nun den Auftrag, mit der Responsibility GmbH ein weiteres Mal über eine Erneuerung des Pachtvertrags zu verhandeln, solange für das im Flächennutzungsplan als Grünland und Sportgelände ausgewiesene Areal weiterhin kein Baurecht besteht. Eine Pachtforderung in Höhe von 100 000 Euro pro Jahr, die Abteilungsleiter Matthias Wörsching nannte, gilt jedoch als utopisch. Doch für Ullmann ist eine weitere Verpachtung an den TSV kein Thema. Er will sich zwar für Gespräche offen halten, glaubt aber weiterhin an sein Projekt und will daher seine Bebauungspläne keinesfalls aufgeben, wie er sagt.