Taucherunglücke am Starnberger See:Der Reiz der Tiefe

Die Steilwand bei Allmannshausen ist das Lieblingsrevier vieler Taucher im Starnberger See - und ein besonders gefährliches dazu. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Was treibt die Taucher immer wieder an diese Stelle?

Christiane Bracht

Sie ist faszinierend und gefährlich zugleich: die Steilwand, die vor Allmannshausen 80 Meter tief in den Starnberger See abfällt. Der 42-jährige Tauchlehrer, der am Sonntagvormittag bei einem Tauchgang hier ums Leben kam, hat dies gewusst. Dennoch kam es zu dem tragischen Unglücksfall.

Allmannshausen See

Immer wieder kommt es am Starnberger See zu Taucherunglücken.

(Foto: Georgine Treybal)

Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist er offenbar zu schnell aufgetaucht. Das hat die Obduktion der Leiche am Montag ergeben. Warum es jedoch zur Luftembolie kam, will die Kriminalpolizei durch eine Untersuchung der Tauchgeräte herausfinden. Möglicherweise habe der Kollege das Auftriebsventil nicht mehr zudrehen können, mutmaßt der Präsident des Bayerischen Landestauchsportverbandes, Dieter Popel. Ein technischer Defekt könne der Grund sein. Das Ergebnis des Gutachtens wird wohl noch einige Wochen auf sich warten lassen. Ein Fremdverschulden schloss die Polizei aus.

Der 42-Jährige, der in Peiting eine Tauchschule betrieben hat, war sehr erfahren. Mehr als 2000 Tauchgänge hatte er bereits hinter sich, bevor der Unfall geschah, bestätigte die Polizei. Jedes Jahr passieren Unfälle an der Steilwand, die bei Tauchern ebenso beliebt ist wie der Walchensee. Mindestens 35 Schwerverletzte musste die Wasserwacht in den vergangenen 17 Jahren schon aus dem Starnberger See bergen, und insgesamt 13 Taucher starben; im Walchensee sind es seit 2006 drei Tote - eine düstere Bilanz.

Angesichts dieser Zahlen mag sich mancher fragen, worin eigentlich der Reiz liegt, sich dieser Gefahr auszusetzen, zumal man in einer Tiefe von 60 Metern nicht besonders viel sieht, weil das Wasser besonders im Sommer sehr trüb ist. Tauchfans schwärmen hingegen: "Es ist einfach spektakulär", sagt Popel. "Wenn man die steile Wand unter der Seeburg heruntergleitet - ja man schwebt geradezu - kann man mit der Lampe in die Spalten hineinleuchten, um dort Fische, Krebse und Muscheln zu beobachten. Es ist ein wunderbares Tauchen - wie im Meer." Nicht jeder darf so tief hinunter.

Nur mit besonderer Ausrüstung und spezieller Lizenz ist es überhaupt erlaubt, mehr als 40 Meter hinabzutauchen. "Aus medizinischen Gründen", erklärt Popel. Denn dort unten könne man leicht einen Tiefenrausch bekommen. Aber wenn es so gefährlich ist, warum muss man so tief hinunter? "Es ist der Reiz der Tiefe", sagt Popel.

© SZ vom 21.06.2011/tob
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB