Starnberg Wundersame Parkplatz-Rochade

Seit gut einem Jahr darf in der Ludwigstraße vor der Filiale der Starnberger Kreissparkasse nur noch auf der rechten Seite geparkt werden.

(Foto: Georgine Treybal)

Verlegung der Stellflächen an der oberen Ludwigstraße gibt Rätsel auf

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Anwohner waren überrascht, Kunden reagierten verwundert, und auch die Angestellten der Starnberger Kreissparkasse (KSK) fragten sich, welchen Sinn die Aktion der Stadtverwaltung in der oberen Ludwigstraße wohl haben könnte: Überraschend wurden im April 2018 fünf Stellplätze - darunter zwei Behindertenparkplätze - in der Einbahnstraße vor der Bankfiliale von der linken auf die rechte Seite verlegt. Auf der linken Seite gilt seither absolutes Halteverbot. Bürgermeisterin Eva John erklärte dazu später im Haupt- und Finanzausschuss, Hintergrund für die Änderung sei ein Brandschutzkonzept der Kreissparkasse, das auch mit der Feuerwehr abgestimmt sei.

Die Feuerwehr ließ die Aussage seinerzeit unkommentiert. Und auch die Sparkasse, in der es in den vergangenen Monaten immer wieder mal zu Fehlalarmen gekommen ist, äußerte sich damals nicht: Womöglich wollte man die Nutzungsänderungspläne für die Filiale, die im Vorjahr ebenfalls zur Diskussion im Stadtrat anstanden, nicht belasten. Doch an der Darstellung der Bürgermeisterin, warum es notwendig gewesen sei, die Parkplätze zu verlegen, gibt es mittlerweile Zweifel. Zumal die verkehrsrechtliche Neuordnung weiterhin massiv in der Kritik steht.

So forderten CSU und Bürgerliste unlängst die Rückverlegung der Parkplätze auf die südlich gelegene Seite der Ludwigstraße; den Antrag hatte Stefan Frey (CSU) gestellt. Sechs unterzeichnende Stadträte monieren, dass es durch die Neuordnung der Stellplätze zeitweise zu diversen Unzulänglichkeiten gekommen sei: Demnach sei der Einbiegebereich in die Hauptstraße extrem verkürzt und erschwere somit das Abbiegen nach rechts; durch die Verengung der Fahrbahn erhöhe sich die Rückstaugefahr. Auch sei die Ausfahrt aus der Tiefgarage erschwert, zudem sei die Lebensqualität der Eigentümer des Wohnhauses Ludwigstraße 1 erheblich beeinträchtigt, hieß es.

Das wohl wichtigste Argument aber lautet: Die Parkplätze vor den Geschäften seien "widersinnig und keinesfalls behindertengerecht". Parkende sind seither gezwungen, in ihr Auto zur Fahrbahnseite hin einzusteigen und laufen dabei Gefahr, vom nachfolgenden Verkehr erfasst zu werden.

Unklar ist derweil, weshalb die Parkplätze tatsächlich verlegt wurden. Mit Verwunderung reagierte auf SZ-Anfrage etwa das betroffene Bankinstitut: "Die Verlagerung der Parkplätze geht nicht auf eine Initiative der Kreissparkasse zurück", teilte eine KSK-Pressesprecherin mit. "Unser Haus hatte vorab auch keine Kenntnis über diese Pläne. Am Brandschutzkonzept der Starnberger Hauptstelle gab es keine Veränderungen." Bezüglich der Stellflächen für Einsatzkräfte verweist die Pressesprecherin darauf, dass diese Information der Baugenehmigung des Gebäudes leider nicht zu entnehmen sei. "Hierbei kommt es laut unserer Abteilung Liegenschaften auch immer auf die Art des Einsatzes an".

Doch auch bei der Starnberger Feuerwehr weiß niemand etwas von einem Einsatzkonzept. "Ich kann das nicht beurteilen", sagt Erster Kommandant Markus Grasl, der überrascht ist von der Aussage der Starnberger Bürgermeisterin, die Feuerwehr habe eine Verlegung der Parkplätze in der Ludwigstraße gefordert. "Das stimmt so nicht", sagt er, "wir waren zu keiner Zeit an dem Verfahren beteiligt".

Wenig erhellend in diesem Zusammenhang ist die Antwort der Stadtverwaltung auf die Frage, warum und auf wessen Initiative hin die Parkplätze denn nun verlegt wurden, welche Vor- und Nachteile sich dadurch ergeben hätten und ob es zu Beschwerden aus der Bevölkerung gekommen sei. Rathaus-Sprecherin Lena Choi teilt dazu mit, dass die Verwaltung erst "nach Vorbereitung des Vorgangs für die Beratung im Stadtrat" Auskunft erteilen werde. Dies dürfte aller Voraussicht nach am Mittwoch, 26. Juni, in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Mobilität der Fall sein, wenn sich das Gremium mit der Situation in der Ludwigstraße befassen wird.