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Starnberg:Weit entfernt von schulischer Inklusion

Elternselbsthilfegruppe kritisiert die Stadt, weil diese den Besuch von Regelschulen durch Kinder mit Behinderungen verhindere. Das Rathaus weist dies zurück, will aber einen entsprechenden Antrag beim Freistaat stellen

Seit drei Jahren kämpft die Elternselbsthilfegruppe "Inklusionsbewegung Starnberg" um das Recht, dass Kinder mit Einschränkungen in einer Regelschule aufgenommen werden. Nach Erfahrung der Leiterin der Selbsthilfegruppe, Susann Dohm, werden Kinder, die nicht der bayerischen Schulnorm entsprechen, noch immer in Förderschulen untergebracht. Sie kritisiert, dass es in der Kreisstadt Starnberg bislang keine Grundschule mit Inklusionsprofil gibt. "Seit Jahren wird die schulische Inklusion in der Stadt Starnberg ganz gezielt nicht entwickelt, um das Schulsystem der Förderschulen zu erhalten", bemängelt Dohm in einem Schreiben an die Entscheidungsträger und die Presse.

Enttäuscht sind die betroffenen Eltern auch, dass sie bislang von keiner zuständigen Stelle Hilfe erhalten haben, nicht von der Stadt Starnberg, nicht vom Jugendamt oder Schulamt und auch nicht vom Bezirk oder vom Kultusministerium. "Wir haben alles selbst in die Hand nehmen müssen", betont Dohm. Nach zwei Jahren habe die Elternselbsthilfegruppe immerhin erreichen können, dass sie Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für Behindertenfragen (Arge) sei und auf der Web-Seite des Landratsamtes Starnberg aufgeführt ist.

Um ihre Ziele durchsetzen zu können, wollten betroffene Eltern in den Inklusionsbeirat der Stadt Starnberg aufgenommen werden. Doch sie wurden abgewiesen mit der Begründung, der Inklusionsbeirat sei nicht das geeignete Gremium, um spezielle Themen, wie die schulische Inklusion abzudecken. Die Stadt fungiere lediglich als Sachaufwandsträger und könne deshalb nicht selbst über die Einrichtung einer staatlichen Profilschule für Inklusion entscheiden, so Pressesprecherin Lena Choi. Bürgermeisterin Eva John biete aber an, einen entsprechenden Antrag an den Freistaat zu stellen.

Damit will sich die Inklusionsbewegung jedoch nicht zufriedengeben. Die Selbsthilfegruppe will jetzt ganz konkret wissen: Wenn der Inklusionsbeirat nicht für die schulische Inklusion in der Stadt Starnberg zuständig ist, wer ist es dann? Unter dem Motto "Inklusion an Schulen - ein Etikettenschwindel" kämpfen die betroffenen Eltern weiter. Ihrer Meinung nach soll die schulische Inklusion in der Stadt Starnberg verhindert werden, weil es keine finanziellen Mittel gibt und das alte Prinzip der Förderschulen bestehen bleiben soll. "In Bayern regiert die Selektion", schreibt Dohm. Solange es so viele Förderschulen gebe, müssten diese Plätze auch mit Förderschülern belegt werden.

Dass der Inklusionsbeirat Starnberg keine weiteren betroffenen Eltern aufnehmen möchte, ist für Dohm nur eine Episode, wie hier Menschen ferngehalten werden sollen, die die "Erhaltung der Behindertenstrukturen" nicht länger hinnehmen und sich zum Thema Inklusion einbringen wollen.

Wie die Stadt dazu erklärt, muss die Anzahl der Mitglieder im Inklusionsbeirat begrenzt werden, weil ansonsten kein sinnvoller Austausch mehr möglich sei. Zudem seien bereits jetzt Betroffene im Gremium vertreten. Wie Choi betont, hat der Inklusionsbeirat einen allgemeinen Bildungsauftrag. Spezielle Themen, wie etwa schulische Inklusion, würden an Fachgremien weitergeleitet, in denen Pädagogen mit entsprechender Fachkenntnis vertreten seien. Die Stadt verweist zudem auf ihre freiwilligen Leistungen. Bereits jetzt würden an allen Starnberger Schulen Inklusionskinder aufgenommen. In Söcking werden derzeit vier Kinder mit inklusiven Hintergrund bereut. Die Grundschulen an der Ferdinand-Maria-Straße und in Söcking sind laut Pressesprecherin Choi barrierefrei ausgebaut worden, und es gebe auch entsprechendes Fachpersonal.