Afrika-Festival in Starnberg Trommelklänge vom Seeufer

Bei der zweiten Auflage des Afrika-Festivals hoffen die Veranstalter auf besseres Wetter als im Vorjahr. Auf der Open-Air-Bühne ist ein attraktives Musikprogramm geboten

Von Armin Greune, Starnberg

Wer am vergangenen Wochenende das gigantische Africa-Festival in Würzburg besucht hat, fühlt sich auf dem Afrika-Karibik-Kulturfestival in Starnberg in eine ganz andere Welt versetzt. Gerade einmal drei Tische sind am Donnerstagnachmittag im idyllischen Biergarten an der südlichen Seepromenade besetzt, relaxte Afrobeats und heitere Songs vom Band erklingen. Auch an den Verkaufsständen entlang des Sees ist nichts von der Hektik und dem Gedränge zu spüren, die auf Europas größtem Festival für afrikanische Musik und Kultur am Main geherrscht haben.

Aber natürlich hoffen Veranstalter, Musiker und Aussteller in Starnberg, dass der ein wenig schleppende Auftakt nur die Ruhe vor dem großen Ansturm ist und bis zum Pfingstmontag noch viele Besucher den Weg zum Festival finden. Schließlich gibt es an diesem Wochenende bei freiem Eintritt Trommel- und Tanzworkshops, Clown Sophia Sunshine unterhält die Kinder, Modeschauen und Konzerte runden das Bühnenprogramm ab. Zumindest die Main-Acts können sich durchaus hören lassen: Am Freitag spielen um 20 Uhr Kim Azas & Friends klassischen Reggae, Samstagabend sind die Rootz Radicals mit Roots Music und Dancehall zu erleben, am Sonntag legt Foray DJ Lion mit seiner Band auf und los. Und zum Abschluss am Pfingstmontag wird authentischer Latin-Sound mit Julio Sanchez Quialas aus Havanna und seinem mitreißenden Trio Fretless erwartet.

Niang Mamabou und Amadou Sow aus dem Senegal trommeln für die Besucher des Afriak-Karibik Festivals an der Starnberger Seepromenade.

(Foto: Arlet Ulfers)

Am Donnerstag aber geht es noch sehr viel ruhiger zu. Ein gutes Dutzend Verkaufsstände ist entlang des Seeufers aufgereiht, um 15 Uhr sind zwei noch immer im Aufbau begriffen. Das Angebot des Bazars umfasst Schmuck und Accessoires, Bob-Marley-T-Shirts und bunte Kleider, Souvenirs und afrikanische Kunst. Ibra Sow beispielsweise hat Sand aus der Sahara mitgebracht - nicht in Haufen, sondern in Bildern, die der senegalesische Maler aus den verschiedenfarbigen Körnern fertigt. Sein Bruder Mbaye ist aus Italien mit angereist, er sei ein versierter Djembe-Trommler aber gerade auf dem Gelände unterwegs, sagt Sow. Im Gegensatz zu ihm spricht Solange Spangler-Koukou perfekt deutsch: Die Designerin lebt mit ihrer Familie seit 1994 in Gelting. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt die gebürtige Ivorerin: Sie verarbeitet traditionelle Baumwollstoffe von der Elfenbeinküste zu Schuhen und Taschen und hat die Techniken dazu - nähen, bekleben und bespannen - selbst entwickelt. Nun vertreibt Spangler-Koukou ihr Kunsthandwerk unter dem Label "Saccessoire".

Der hochgewachsene Mann, der sich nur "Baba" nennt, wiederum bietet Kuhhäute, Masken, Schnitzereien und Bronzefiguren aus Mali, Guinea oder Kamerun an; teils Antiquitäten, teils Werke zeitgenössischer westafrikanischer Künstler, die der Senegalese Baba direkt bei ihnen kauft. "Mama Africa" sticht aus dem vielseitigen Sortiment heraus, weil sie besonders farbenprächtig und gleich sechs Mal vertreten ist: Die aus Samba-Holz geschnitzte Figur zeigt ihre runden Formen stolz und fröhlich in verschiedenen bunten Wickelkleidern oder auch im Leoparden-Bikini.

"Mama Africa", die fröhliche Holzstatue aus Kamerun, zählt zum bunten Sortiment von "Baba" aus dem Senegal.

(Foto: Arlet Ulfers)

Eine andere Mama Africa findet man in einem der Gastrozelte: Unter diesem Namen kocht Leah Müller auf, Filet vom Süßwasserfisch in pikanter Erdnusssauce mit Vollkornreis etwa. Die Regensburgerin ist längst nicht mehr nur auf die Rezepte ihrer Mutter aus Ghana angewiesen. Sie führt einen afrikanischen Lebensmittelladen und leitet Kochkurse, sechs Monate hat sie sich an den Töpfen in verschiedenen westafrikanischen Ländern weitergebildet. "Mit einem Probierteller von mir kann man die Küchen von Togo, Nigeria, Guinea, Elfenbeinküste und Ghana kennenlernen," empfiehlt die Köchin. Dazu bietet die Bar unter anderem afrikanisches Bier, "Star" aus Nigeria und "Tusker" aus Kenia. Mag sein, dass in Starnberg nur ein kleiner Querschnitt der kulinarischen und kulturellen Vielfalt Afrikas präsentiert wird, ein Besuch lohnt sich dennoch auf jeden Fall.