Starnberg Traumhaftes Kinofest

Der kanadische Film "Chorus" holt den Filmpreis beim Fünfseen-Filmfestival. Mit dem Publikumspreis der SZ wird "Conducta - wir werden sein wie Che" geehrt. Erstmals gibt auch einen Preis für "Junges Kino", der an "Petting Zoo" geht

Von Blanche Mamer, Starnberg

Das Fünfseen-Filmfestival 2015 war ein Fest fürs Kino. "Nur im Kino kann man die Bilder dieser Filme richtig wirken lassen, und nur im Kino kann man sich von Angesicht zu Angesicht darüber unterhalten", sagte Matthias Helwig am Sonntagabend bei der Abschlussfeier des Fünfseen-Filmfestivals in der Schlossberghalle. Hellwig zog eine sehr erfreuliche Bilanz: Einen Besucherrekord von 19 000 Zuschauern, das hätte er sich nie träumen lassen - zumal er immer Sorge hat, dass keiner kommt, wie er noch etwas ungläubig feststellte. Doch selbst an den sehr heißen Tagen in der zweiten Hälfte des Filmfestivals waren viele Vorstellungen ausverkauft. Und es kamen nicht nur Starnberger, sondern auch Filmliebhaber aus der ganzen Region und aus München. Die Open Air-Vorstellungen in Starnberg, Wörthsee und Hochstadt waren in den vergangenen Tagen einfach der Renner.

Mit Spannung haben die Besucher beim Abschluss auf die Entscheidungen der verschiedenen Jurys gewartet - gespannt waren sie auch auf ihr eigenes Votum, den Publikumspreis, der von der SZ gesponsert wird. "Es war eine sehr enge Entscheidung", sagte Helwig dazu. An dritte Stelle in der Publikumsgunst kam "In the Crosswind" von Martti Helde, Zweiter wurde "Die Schüler der Madame Anne" (Marie-Castille Mention-Schaar) und als Sieger wurde "Conducta - wir werden sein wie Che" von Ernesto Daranas gekürt. "Der Film ist sozialkritisch, weise und voller Gefühle", sagte SZ-Redakteurin Christine Setzwein bei der Scheckübergabe. Der wichtigste Filmpreis des Festivals ging an den kanadischen Film "Chorus" von François Delisle. Die Jury begründete dies damit, dass der Film den Zuschauer erahnen lässt, wie endgültig sich der Schmerz über das Verschwinden des eigenen Kindes für Eltern anfühlt, er dennoch Hoffnung aufkeimen lässt, das Trauma zu überwinden. "Der Film hat uns tief berührt", sagte Jurymitglied Hanns Christian Müller. Schade nur, dass er sich vorher nicht kundig gemacht hatte, wie man den Namen des Regisseurs korrekt ausspricht. Ganz entspannt überreichte Landrat Karl Roth den 5000-Euro-Scheck des Landkreises.

Begossen wurden Preise und Premieren natürlich auch - mit eisgekühlten Kaltgetränken.

(Foto: Nila Thiel)

Mit einer Video-Botschaft bedankte sich Ella Manzheeva für die Auszeichnung ihres Films "The Gulls", für den sie den Drehbuchpreis bekam. "Mit sicherer Eleganz, atmosphärischer Dichte und psychologischer Genauigkeit zeichnet sie das Bild einer unerwartet modernen Frau buddhistischen Glaubens in der für uns exotischen Umgebung Zentralasiens", hieß es in der Begründung. Sehr erfreut über die Auszeichnung für "Drifter" zeigte sich Dokumentarfilmer Gábor Hörcher und bedankte sich für das Preisgeld der Kreissparkasse. "In perfekter Dramaturgie erzählt der Film die tragische Biografie seines Protagonisten, ohne dabei aber an Leichtigkeit zu verlieren. Der Regisseur vertraut vollkommen auf seine Bilder", befand die Jury. Der Horizonte-Filmpreis, den die Gemeinde Herrsching finanziert, ging an "My Name is Salt", eine Schweizer Produktion von Farid Pacha. Der sehr poetische Film schildere beispielhaft die Anpassungsbereitschaft des Menschen an die Natur, so die Jury in ihrer einstimmigen Entscheidung.

Der erstmals verliehene Filmpreis "Perspektive Junges Kino" wurde dem in Deutschland, USA und Griechenland produzierten Film "Petting Zoo" von Micah Magee verliehen. In einer selbstironischen Videobotschaft bedankte sich die Filmemacherin: Sie trete gerade ihre erste Festanstellung als Lehrerin an und könne unmöglich am ersten Tag fehlen. "Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal beim 10. Fünfseen-Filmfestival" verabschiedete sich Helwig vom Publikum. Der Termin steht bereits fest: 27. Juli bis 7. August 2016.