Starnberg:Schmalzhof wird zum kleinen Gewerbegebiet

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Gut Schmalzhof

Eine kleine Idylle zwischen Starnberg und Pöcking - das ist der Schmalzhof. Jetzt schafft der Kreistag die Voraussetzung für Gewerbe auf dem Gelände.

(Foto: Franz X. Fuchs)

Kreistag gibt Mittelständlern die Möglichkeit, in Pöcking zu bleiben, und nimmt das Areal aus dem Landschaftsschutz

Von Wolfgang Prochaska, Starnberg

Für den Starnberger Kreistag ist die Sache auf jeden Fall erledigt. Das Gremium hat am Montag in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien das Areal um den Schmalzhof zwischen Pöcking und Starnberg aus dem Landschaftsschutz herausgenommen. 17 Kreisräte stimmten dagegen, darunter auch Ferdinand Pfaffinger (Freie Wähler), der frühere Starnberger Bürgermeister.

Bekanntlich plant Pöcking an diesem Standort in unmittelbarer Nähe der Starnberger Flurgrenze ein kleines Gewerbegebiet für seine einheimischen Betriebe und Handwerker, wie Albert Luppart, Vizebürgermeister von Pöcking, und Rainer Schnitzler, Chef der Gemeinde, mehrmals in der Sitzung betonten. Deren Entwicklungsmöglichkeiten seien in der Gemeinde nicht mehr gegeben. Das Vorhaben, das eine Fläche von 6,5 Hektar umfasst, ist dennoch heftig umstritten; eine Bürgerinitiative setzte sich für den Erhalt des Schmalzhofes ein und auch die Kreisstadt lief Sturm gegen das Projekt, da Starnberg in diesem Bereich ein Einheimischenmodell anstrebt. Die Anwohner unterhalb des Schmalzhofes befürchten wiederum mehr Verkehr. Daher stimmten nicht nur die Grünen gegen die Herausnahme aus dem Landschaftsschutz, sondern auch Starnberger Kommunalpolitiker wie eben Pfaffinger. Die Grünen allerdings kritisierten das Vorhaben besonders heftig. Grünen-Fraktionschef Anton Maier sprach von einer "schleichenden Bebauung der Landschaft", die immer mehr im Fünfseenland um sich greife. Er befürchtet, dass das Gewerbegebiet den Anfang für eine weitere Bebauung zwischen Pöcking und Starnberg bedeute. "Wenn wir eine Qualitätsmarke werden wollen, müssen wir mehr die Landschaft betonen."

Tatsächlich ging man über die Einwendungen und Argumente etwa des Naturschutzbeirates, der Stadt Starnberg oder des Bunds Naturschutz sehr schnell hinweg. Zwar ließ Landrat Karl Roth über die jeweiligen Punkte einzeln abstimmen, aber man gewann doch den Eindruck, dass für das Gremium die Sache eindeutig war. Die Grünen-Kreisrätin Martina Neubauer bemängelte deshalb das Prozedere: "Ich finde es ganz spannend, was heute passiert: Ich habe bisher kein Argument gehört, warum wir das Gebiet aus dem Landschaftsschutz herausnehmen sollen außer aus Wirtschaftsinteressen." Sie appellierte zwar an ihre Kollegen, die "Steuerungsaufgaben" des Kreistags wahrzunehmen, aber da unterschätzte sie den Willen der Mehrheit, die Verständnis für die Pöckinger Probleme hatte. Albert Luppart verteidigte das Projekt auch mit den Worten: "Wir schauen nicht auf die Gewerbesteuer, sondern dass unsere einheimischen Betriebe die Möglichkeit haben, Arbeitsplätze zu schaffen und die Zukunft zu sichern." Und Ute Nicolaisen-März (CSU) wies darauf hin, dass es beim Schmalzhof nicht um die Ansiedlung von Großbetrieben ging, sondern um Mittelständler und Betriebe.

Ein gewichtiges Argument können die Pöckinger schon hervorbringen: Sie haben mehrere andere Standorte wie in Maising oder im nordwestlichen Bereich der Gemeinde prüfen lassen, und mussten feststellen, dass die Grundstücke entweder nicht verfügbar waren oder als Sonderfläche ausgewiesen waren. Da der Schmalzhof in der Nähe der Bundesstraße 2 liegt und über den Kreisel angebunden werden kann, sah die Mehrheit des Gremiums den Eingriff in die Landschaft weniger signifikant.

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