Starnberg Kirche, Politik und Frauenrechte

Vor 100 Jahren gründen 23 Starnbergerinnen den Ortsverband des Katholischen Frauenbunds. Für die Gleichberechtigung kämpfen die Mitglieder immer noch. Aber es gibt Nachwuchssorgen

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Gleichstellung von Frauen, Gleichberechtigung und Chancengleichheit in Kirche, Politik und Gesellschaft: Das waren die Ziele der 23 Starnbergerinnen, die den Ortsverband des Katholischen Frauenbunds 1918 gegründet haben. Die drei Säulen Kirche, Politik und Frauenrechte gelten auch heute noch. Auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung des Ortsverbands haben die Mitglieder Jubiläum gefeiert. Stadtpfarrer Andreas Jall rief dazu auf, auch in Zukunft mutig "Flagge zu zeigen" und sich einzumischen.

Die Geselligkeit hat beim Frauenbund immer eine Rolle gespielt, wie 1957 bei der Theateraufführung von "Die Wunder des heiligen Florian".

(Foto: Nila Thiel)

Als der Starnberger Ortsverband gegründet wurde, war der Erste Weltkrieg zu Ende, Kurt Eisner hatte den Freistaat Bayern ausgerufen, und in Starnberg hatte die Revolution nach blutigen Kämpfen Spuren hinterlassen. Nie wieder einen Weltkrieg, nie wieder Revolution, nie wieder eine Hungerblockade: Dafür wollten sich die Gründerinnen des katholischen Frauenbundes einsetzen. Ellen Ammann hatte sich damals für die Gründung zahlreicher Ortsverbände in Bayern eingesetzt. 1919 wurde Ammann, die in den Sommermonaten mit ihrer Familie in Niederpöcking wohnte, sogar in den Landtag gewählt. Die Starnberger Frauen riefen eine Suppenküche ins Leben, die Vorläuferin der heutigen Starnberger Tafel, wie Schriftführerin Angelica Reisböck in ihrem Rückblick ausführte. Es wurden darüber hinaus Kurse für Hauswirtschaft, Nähen, Handarbeit, Erziehung, Säuglingspflege und Glaubensarbeit angeboten. 1920 sei die ambulante Krankenpflege hinzugekommen, die später in den Verein "Seestern" übergegangen ist. Lange Zeit habe es zudem Eltern-Kind-Gruppen gegeben. In letzter Zeit seien sie aber nicht mehr in Anspruch genommen worden, bedauerte Reisböck. Dennoch engagieren sich die Frauen heute noch. Sie basteln zum Beispiel Osterkerzen oder binden Kräuterbuschen und verkaufen sie. Der Erlös, immerhin bis zu 3000 Euro im Jahr, wird für karitative Zwecke gespendet. Darüber hinaus kümmern sich die Frauen um Kaffee und Kuchen bei Kirchenfesten. Zudem werden Weiterbildung, Vorträge und Ausflüge angeboten. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der Verband hat Nachwuchssorgen. Die Mitgliederzahl ist von 230 in den 1980er und 1990er Jahren auf nun 74 zurückgegangen. Die Führungsriege unter dem Vorsitz von Traudl Bauer wünscht sich daher, dass sich mehr Frauen melden, die sich engagieren wollen.

Heute kümmern sich (von links) Angelica Reisböck, Diözesanvorsitzende Mechthild Lagleder, Traudl Bauer, Rita Heinisch und Renate Hartmann um den Verband

(Foto: Nila Thiel)

Wie die Diözesanvorsitzende Mechthild Lagleder betonte, ist der Frauenbund auch nach 100 Jahren noch auf die Zukunft ausgerichtet. Für den 8. März 2019 ist eine große Imagekampagne geplant, um neue Mitglieder zu gewinnen. "Der Frauenbund Starnberg hat Geschichte geschrieben", lobte Lagleder. Und noch heute gebe der Verband den Frauen in der Kirche eine Stimme oder trete für gleichen Lohn von Mann und Frau ein. Das generationenübergreifende Miteinander, das den Frauenbund über ein Jahrhundert ausgezeichnet habe, müsse weitergehen, erklärte Lagleder.

Davon zeigte sich auch die Bezirksvorsitzende und Ortsvorsitzende von Söcking, Renate Hartmann, überzeugt. In Zeiten von Anonymität und Hektik "leben wir nicht nebeneinander, sondern miteinander", sagte sie. "Die Hoffnung geben wir nicht auf, dass der Frauenbund weiterlebt."

Bürgermeisterin Eva John lobte die starken Frauen, "die das Herz am rechten Fleck haben". Mit Blick auf ein Zitat von Mutter Theresa "Lasst uns täglich geben: ein gutes Wort, ein Lächeln, eine tatkräftige Hilfe", das sich der Frauenbund als Motto auf die Fahne geschrieben hat, sagte sie, das sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich.