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Starnberg:Gesund und gesellig

Kneippianer bei Trockenübungen

Kneippianer bei Trockenübungen Starnberg Wassertreten ohne Wasser: Die Mitglieder des Kneipp-Vereins Starnberg bei Trockenübungen auf ihrer Anlage.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Kneipp-Verein beschäftigt sich nicht nur mit Wasser

Von Otto Fritscher, Starnberg

Erkältung oder Grippe, das scheinen für die Mitglieder des Starnberger Kneipp-Vereins Fremdwörter zu sein. "Ich habe schon lange keine Erkältung mehr gehabt", sagt Renate Wagner, seit einer Woche die neue Vorsitzende des gut 100 Mitglieder zählenden Vereins. Der Grund ist für sie klar: "Wir bewegen uns gerne, viel und regelmäßig, und wir machen natürlich auch viele Anwendungen, die mit Wasser zu tun haben", sagt Wagner. Die umstehenden Kneipp-Anhänger, zumeist weiblich und über 50, nicken beifällig. Obwohl es wunderbar sonnig ist, müssen sie sich aber zur Saison-Eröffnung noch ein bisschen gedulden mit dem Wassertreten.

Denn im Fußbecken in der Kneippanlage am Mühlbergschlössl ist noch kein Wasser, die Betonwanne ist aber feinsäuberlich schon von Blättern und Ästen gesäubert. "Die Nächte waren noch zu frostig", erklärt Renate Wagner. Das Wasser für das Fußbecken wird nämlich direkt dem Georgenbach entnommen, der neben der Anlage dahinfließt; das Wasser zirkuliert durch zwei Becken und fließt dann in den Bach zurück. "Umweltschonend und sauber", sagt die Vorsitzende.

Kneippkuren beruhen auf dem Prinzip, dass Reize gesetzt werden, die den Organismus und die Durchblutung anregen. Oft wird die Wasseranwendung mit viel Bewegung und einer achtsamen Ernährung ergänzt. Das Verfahren geht auf den Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) zurück. Kneipp-Kuren wird sowohl eine regenerative als auch eine präventive Wirkung zugeschrieben. "Sie tun einfach gut", sagt Renate Wagner.

Wer aber nun glaubt, die Starnberger Kneippianer seien angesichts der Trockenheit in den Becken zur Untätigkeit verdammt, der täuscht sich. "Wir haben sechs Walking- und Lauf-Gruppen, die das ganze Jahr über bei jedem Wetter unterwegs sind", erklärt die Vorsitzende. Die Walking-Gruppen treffen sich am Ende des Moritz-von-Schwind-Wegs in Niederpöcking und gehen dann in flottem Tempo durch den Wald bis zum ersten Steg im Erholungsgelände Paradies in Possenhofen, wo - natürlich - Wassertreten angesagt ist. Dann geht es wieder zurück durch den Forst. Es gibt aber auch eine spezielle Gruppe, bei der das Wassertreten mit einem "Denksportspaziergang" kombiniert ist, um auch den Geist im Alter beweglich zu halten.

Dann gibt es noch ein sanftes Bewegungstraining und - als besondere Spezialität - Vollmond-Wanderungen, die Margit Hofstetter organisiert. Mit Stirnlampen ausgerüstet, erkunden die Kneippianer dann etwa das Leutstettener Moos oder suchen nach einer Wiese mit seltenen Enzianen bei Feldafing. Beliebt sind auch das Stockschießen, das ganzjährig auf der Anlage des SV Söcking stattfindet, und das Eisstockschießen auf dem Weiher in Gut Rieden im Winter. Wem das noch nicht reicht, der kann einmal im Monat zum Kegeln ins Maxhof-Kasino der Bundeswehr gehen. Und als Höhepunkt im Jahreslauf gilt vielen das "Nudel-Aqua-Joggen" vom Seeufer aus hinüber zur Roseninsel. Wobei natürlich Schwimmnudeln als Auftriebshilfe gemeint sind. Wagner: "Wenn wir auf der Insel sind, kommt ein Boot, das uns nicht nur die Klamotten, sondern auch ein gescheites Frühstück bringt."

"Wir sind ein Verein, bei dem keiner lange allein bleibt", sagt die Vorsitzende und ihre Vorgängerin im Amt, Gisela Maggg, bestätigt das. "Bei uns stehen Gesundheit und Geselligkeit im Mittelpunkt", erklärt Wagner, deren Mann Chef der Starnberger "Tafel" ist. So bleibe ihm wenig Zeit, auch noch bei den Kneippianern mitzumachen. Aber sie verwendet einen Großteil ihrer Zeit aufs Organisieren der Vereinsaktivitäten.

Gesund und gesellig also - wenn man bei der Saisoneröffnung dieser Tage vorbeigeschaut hat, glaubt man dies gerne. Einige Mitglieder haben Kuchen mitgebracht, viele plaudern angeregt, andere planen schon die ersten Ausflüge. Und alle sind froh, dass der Winter nun endlich vorbei ist.

Und dann gibt Renate Wagner dem Unkundigen noch ein paar wichtige Ratschläge mit auf den Weg: Niemals sollte man kurz hintereinander zuerst im Storchengang durch das Fußbecken waten und dann gleich anschließend den Arm in das spezielle Armbecken legen. Nicht sinnvoll, weil die eine Prozedur anregt, und die andere beruhigt. Gleichfalls gilt: Nie mit kalten Füßen ins kalte Wasser! Und ein Handtuch könne man, sagt Renate Wagner, getrost zu Hause lassen, denn das Wasser wird von der Haut nur mit den Händen abgestreift. Dann heißt es: rein in die Klamotten und weiter bewegen.

Und ganz zum Schluss verrät sie noch ein Geheimnis: "Wir kneippen und walken nicht nur, wir tanzen auch." Wie, Kneippianer im Walzer-Schritt? "Nein", sagt Renate Wagner und lacht. "Wir haben eine eigene Salsa-Gruppe, die sich regelmäßig trifft. Getanzt wird allerdings nicht auf der Kneipp-Anlage, sondern daheim in einem Wohnzimmer."

© SZ vom 11.04.2015
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