Rudern in Starnberg:Erfolgreiche Kooperation

Seit 50 Jahren trainieren die Starnberger Gymnasiasten schon auf dem Gelände des MRSV, gewinnen regelmäßig und gelten als Nummer eins in Bayern. Zum Jubiläum taufte Bürgermeisterin John jetzt einen neuen Gig-Vierer

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Seit 50 Jahren gibt es eine Kooperation zwischen dem Münchner- Ruder und Segelverein (MRSV) und dem Gymnasium Starnberg. Diese Zusammenarbeit kann sich mit vielen Superlativen schmücken: Die Schüler rudern sich nicht nur regelmäßig an die Spitze bei Landeswettbewerben, sie sind durchaus auch deutschlandweit erfolgreich. Es profitiert aber nicht nur die Schule, auch der Verein hat Vorteile, denn durch die Kooperation ist immer Nachwuchs da. Grund genug das Jubiläum mit einem neuen Schulsport-Ruderboot zu feiern. Im Rahmen der Internationalen Roseninsel-Regatta am Samstag taufte Starnbergs Bürgermeisterin Eva John den neuen Gig-Vierer auf den Namen "Gymnasium Starnberg".

Bootstaufe durch Eva John; Bootstaufe beim MRSV

Bürgermeisterin Eva John tauft beim MRSV Bayern in Starnberg den neuen Gig-Vierer auf den Namen "Gymnasium Starnberg".

(Foto: STA Franz X. Fuchs)

Seit 25 Jahren ist die Schule im Rudern die erfolgreichste in Bayern, verkündete Sportreferent Winfried Wobbe. Denn die Gymnasiasten stehen seither bei Landeswettbewerben immer auf dem Siegertreppchen. Ebenso lange nehmen die Gymnasiasten auch am Bundeswettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" in Berlin teil. Seit 1972 sind nach Angaben von Schulleiter Josef Parsch mehr als 150 Schüler auf dem Siegerpodest gestanden.

Klar nicht jede Schule in Bayern bietet die Sportart überhaupt an. Wobbe schätzt, dass es in Bayern bis zu 20 Schulen gibt, die Rudern als Sportart anbieten. Sie liegen im Main-Donau-Gebiet sowie an den bayerischen Seen. In Starnberg sind die Schüler so begeistert von dem Sport, dass sie auch dem Verein beitreten. Und darüber freut sich wiederum der MRSV-Vorsitzende Thomas Bör. "Es haben sich viele Talente aus der Kooperation ergeben", lobte er. Rudern ist laut Parsch die beliebteste Sportart am Gymnasium. Manchmal melden sich so viele Schüler an, dass sich die einzelnen Jahrgangsgruppen abwechseln müssten. Fast täglich findet daher Schulsport im MRSV statt. Derzeit trainieren rund 100 Schüler auf dem Vereins-Gelände. "Für sie ist es eine große Attraktion", sagte Parsch.

Roseninsel-Achter

Majestätisch gleiten die Ruder-Achter über den Starnberger See. Die Roseninsel-Regatta ist jedes Jahr der krönende Abschluss der Rudersaison des Münchener Ruder- und Segelvereins (MRSV). Der 12 Kilometer lange Wettbewerb ist Deutschlands größte Langstrecken-Regatta. Sie fand am Samstag zum 31. Mal statt. Insgesamt 76 Mannschaften aus dem In- und Ausland hatten sich angemeldet, davon stellte alleine der MRSV sechs Boote. "Dieses Mal hatten wir das drittbeste Meldeergebnis", freute sich der Vorsitzende Thomas Bör. Neben den deutschen Mannschaften starteten auch Ruderer aus Österreich, Italien und England. Das Alter der Teilnehmer liegt zwischen 16 und 70 Jahren. Damit gilt die Roseninsel-Regatta auch als eine der größten Breitensport-Veranstaltungen in Deutschland. In den 30 Jahren ihres Bestehens lag der Streckenrekord für die 12 Kilometer-Regatta bei genau 39,07 Minuten. Er wurde 2004 von der dänischen Nationalmannschaft erreicht.

Normalerweise benötigen die meisten Boote zwischen 40 und 50 Minuten. Die Roseninsel darf übrigens aus Naturschutzgründen nicht umfahren werden, der Wendepunkt liegt deshalb davor. SBH

Beim Training gelten sehr hohe Sicherheitsstandards, versicherte Parsch. Angesprochen auf den tragischen Unfall im April, bei dem ein Jugendlicher im See ertrank, erklärte er, dass seine Schule nie ein Jugendlichen alleine im Boot erlaube, denn die "Einer" könnten leichter kentern als beispielsweise "Vierer". Schwerpunkt des Schultrainings sei daher der gesteuerte Gig-Vierer.

Das alte Übungsboot ist nach 35 Jahren nun in die Jahre gekommen und wird von der neuen "Gymnasium Starnberg" ersetzt. Bei jedem Training sind laut Parsch stets zwei Lehrer sowie zusätzlich ein Übungsleiter des Vereins anwesend. Auf Seiten der Schule aber gibt es unterdessen Probleme, Sportlehrer zu finden, die auch eine Rudertrainerlizenz haben. Seit den 1980-er Jahren hatte der Gymnasiallehrer Georg Kendl Generationen von Schülern das Rudern beigebracht. Als dieser in den Ruhestand ging, hatte sich Parsch dafür eingesetzt, dass er weiter beschäftigt werden konnte. Auch die MRSV-Trainerlegende Tom Thamllair sei von der Schule angestellt. Nun müssten jedoch junge Sportlehrer gesucht werden, die das Training weiterführen. Die 50-jährige Zusammenarbeit ist übrigens in Bayern einmalig. Nach Angaben des Schulleiters haben in dieser Zeit mehr als 3000 Schüler am Rudern teilgenommen.

© SZ vom 28.09.2015
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