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Starnberg:Ehrengast Verhoeven

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Michael Verhoeven kommt zum Filmfestival nach Starnberg, allerdings ohne seine Frau Senta Berger.

(Foto: Johannes Simon)

Der politische Regisseur kommt zum Fünfseen-Filmfestival

Die Filmbranche feiert gern, und natürlich entstehen auf derlei Events auch Bekanntschaften, die über bloßes Partygeplänkel hinausgehen. Ein gutes Beispiel dafür dürften der Regisseur und Drehbuchautor Michael Verhoeven und der Kinomogul Mathias Helwig sein. Letzterer ist nicht nur Inhaber der Breitwand-Kinos im Landkreis, sondern hat hier auch das renommierte Fünfseen-Filmfestival ins Leben gerufen, das heuer vom 29. Juli bis 9. August stattfindet. Helwig ist es nun gelungen, mit Verhoeven einen der wichtigsten politischen Filmregisseure des Landes als Ehrengast nach Starnberg zum diesjährigen Cineasten-Spektakel zu holen.

Für Helwig geht damit offenbar ein langjähriger Wunsch in Erfüllung. Denn der Kinobetreiber und Leiter des Filmfestivals kennt Verhoeven schon lange persönlich, aber dessen Oeuvre noch weitaus länger. Immerhin hatte der 76-Jährige vor 45 Jahren bei der Berlinale mit seinem Anti-Vietnamkriegsfilm "o.k" Aufruhr erzeugt und sich dann auch später wegen seiner filmischen Auseinandersetzung mit politischen Themen, vor allem mit der Geschichte des Dritten Reiches, einen Namen gemacht. Verhoeven, der auch Medizin studiert hat, wurde seither in jedem Jahrzehnt seines Schaffens mit Preisen überhäuft. Dass er nun an den Starnberger See kommen wird, ist jedoch einem Zufall zu verdanken. Denn ganz so einfach, Regisseure als Gäste gewinnen zu können, ist es nicht: Meist sind sie gerade in den Sommermonaten mit Dreharbeiten beschäftigt. In diesem Jahr jedoch habe er ein kleines Zeitfenster frei und daher die Anfrage Helwigs mit großer Freude entgegengenommen, so die Festivalleitung. "Ich fühle mich sehr stolz", sagt Helwig: "Er legt mit seinen Filmen den Finger in die Wunde, versucht uns an unsere geschichtliche, aber auch soziale Verantwortung zu erinnern und scheut sich nicht, mit viel Engagement für die Wahrheit einzustehen."

Verhoeven wird am 2. und 3. August den Vorführungen seiner Filme "Die weiße Rose", dem sogar mit einem Oscar nominierten "Das schreckliche Mädchen" und seiner neuesten Produktion "Let's go" über das Schicksal einer jüdischen Familie in München in der Nachkriegszeit beiwohnen und Fragen aus dem Publikum beantworten. Zudem wird er am 2. August um 13.30 Uhr beim "Filmgespräch am See" in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing über Realität und Fiktion verfilmter Zeitgeschichte diskutieren. Seine Ehefrau, die Schauspielerin Senta Berger, wird ihn allerdings diesmal nicht begleiten: Sie tourt um diese Zeit mit Lesungen in Österreich.

© SZ vom 02.07.2015
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