Starnberg Bildung hat ihren Preis

Der Direktor der Munich International School, Timothy Thomas, in der ersten Klasse. Die Klassenstärken variieren zwischen 18 und 21 Schülern.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Munich International School in Buchhof zeigt am Tag der offenen Tür, was sie zu bieten hat.

Von Berthold Schindler

Percha - Bio-Rohrohrzucker zum Tee, Bio-Kaffeesahne zum Kaffee, Bio-Obst zum Essen: In der Munich International School (MIS) auf dem Gelände von Schloss Buchhof werden Gäste, Schüler und Lehrer gut versorgt. Eine Handvoll interessierter Eltern verlor sich im Rund der hellen Plenumsaula im Grundschulgebäude, wo Schulrektor Timothy Thomas beim "Open Day" zwischen Klavier, Projektor und Snacktisch ein kurzes Überblicksreferat über die Erfolge und Ziele der MIS hielt.

Das Wort "stolz" fällt im Vortrag einige Male. Zum Beispiel, als Thomas zwei Abiturienten des vergangenen Schuljahres erwähnt, die zum exklusiven Kreis derer zählen, die in den Abschlussprüfungen einen "perfect score", also die Höchstpunktzahl erzielt haben. Stolz antwortet der studierte Germanist auch, als die Frage kommt, nach welchen Gesichtspunkten die Schule ihre Lehrer aussucht: Jedes Jahr im Januar und Februar geht der Chef persönlich weltweit unter anderem in Boston, London oder Bangkok bei Karrieremessen auf Kandidatenschau, die Auswahl sei also stets "handverlesen", wie er es nennt. Apropos Lehrer: Die männlichen laufen gerade alle mit Oberlippenbart herum. Es läuft nämlich diesen Monat die aus Australien stammende Fundraising-Aktion "Movember", die vor allem im englischsprachigen Raum geläufig ist. Der Bart soll auf die Prostatakrebsforschung aufmerksam machen und zum Spenden animieren. Und im besten Fall beglückt der Anblick des haarigen Lippenschmucks auch noch den gerade entgegenkommenden Schüler.

Man muss also schon genauer hinsehen, wenn man unbedingt etwas bemängeln möchte. Für den Kaffee im Gebäude der Schulleitung, die passenderweise im Schloss selbst ihre Büros hat, werden die wegen ihrer Aluminiumhülle in der Kritik stehenden Nespresso-Kapseln verwendet - Komfort geht hier ausnahmsweise mal vor Nachhaltigkeit. Die angestrebte Klassenstärke von 18 bis 21 kann auch nicht immer eingehalten werden: Im Englischunterricht der 3A waren es der Kinder 27, die allerdings nicht den Eindruck erweckten, sich an der höheren Anzahl der Klassenkameraden zu stören.

Nicht zuletzt ist es für Eltern eine kostspielige Angelegenheit, wenn man sein Kind zur MIS schicken möchte: Zwischen 13 520 und 17 290 Euro pro Jahr und Kind, gestaffelt je nach Schulart und Jahrgangsstufe, müssen Eltern aufbringen; Gebühren für Verpflegung oder die Nutzung von IT-Geräten sind darin nicht inbegriffen. Was selbst für ein Haus mit diesem Format einen außerordentlich hohen Betrag darstellt, vergleicht man die MIS beispielsweise mit anderen Privatschulen in München. Es sollte jedoch auch erwähnt werden, dass die MIS besonders einkommensschwachen Familien, die ansonsten die hohen Anforderungskriterien der Schule erfüllen, unter einer Bedingung finanziell stark entgegenkommt: Erklären sich die Eltern bereit, ihre Bezüge offenzulegen - womit sich vor allem deutsche Familien "schwer tun", wie Thomas lächelnd anmerkt -, kann die Gebühr auf bis zu 3000 Euro reduziert werden. Am Geld solle es jedenfalls nicht scheitern, versichert er.

Und wenn man sieht, wie die Zweitklässler voller Vorfreude auf ihren kleinen Alpentripp beim Verlassen der Grundschulaula in die Präsentation des Schulleiters platzen, die Schüler der fünften Klasse sichtlich konzentriert an den Lippen der Englischlehrerin hängen oder Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen während der Pause im weitflächigen Grün Ball und wegrennenden Klassenkameraden nachjagen, dann gewinnt man schon den Eindruck, dass die Munich International School ein guter Ort für begabte Kinder aus weltoffenen Familien ist - oder, um es mit den Worten einer interessierten Mutter zu sagen, die bei der Führung durch das Gebäude dabei war: "Ich habe ein gutes Gefühl hier."