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Starnberg:Die alte Buche in der Innenstadt ist weg

Starnberg, Baumfällaktion

Job in luftiger Höhe: Ein Baumkletterer entfernt Äste an der mehr als hundert Jahre alten Buche in der Ludwigstraße, die sich nicht mehr als standfest erwies: Der Baumkrustenpilz hatte ihr bereits schwer zugesetzt.

(Foto: Georgine Treybal)

Der mehr als hundert Jahre alte Baum war vom Brandkrustenpilz befallen und muss einem Neubau weichen. Passanten bitten um ein Erinnerungsstück.

"Abschied ist ein bisschen wie Sterben, ist wie alles verlieren, weil es dich nicht mehr gibt", sang einst Katja Ebstein. Freilich hatte sie in ihrem Lied nicht etwa einen Baum, sondern einen Ex-Partner im Sinn. Dennoch dürfte manchen Starnberger ein Hauch von Wehmut befallen haben, als am Freitagmorgen ein Baumpflegekommando in der Innenstadt anrückte, um eine mehr als hundert Jahre alte Buche an der Ludwigstraße zu fällen.

Starnberg, Baumfällaktion

Anstelle des alten Hauses soll ein dreistöckiges Wohngebäude entstehen.

(Foto: Georgine Treybal)

Um den prachtvollen Baum hatte es viel Aufregung gegeben, nachdem bekanntgeworden war, dass er wegen eines geplanten Neubaus an gleicher Stelle fallen soll. Der CSU-Stadtrat Ludwig Jägerhuber entdeckte sein Herz für Bäume und versuchte am Faschingsdienstag, die Aktion per Dringlichkeitsantrag zugunsten einer letzten Prüfung zu stoppen. Die Eigentümer, eine Starnberger Familie, zeigten Einsehen und verschoben die Fällung.

Doch am Ergebnis - das bestätigte auch eine aktuelle Expertise eines Baumspezialisten im Auftrag der Stadt - war nicht zu rütteln: Abgesehen davon, dass die betagte Buche den geplanten Neubau wohl ohnehin kaum überstanden hätte, war der Baum vom Brandkrustenpilz befallen. Sozusagen das Todesurteil für die Buche, denn damit wurde sie als Gefahrenquelle eingestuft: Ohne jegliche Vorwarnung können am Brandkrustenpilz erkrankte Bäume umstürzen und dabei erheblichen Schaden anrichten. In einer mehrstündiger Aktion wurde die Buche mittels eines Krans stückchenweise gekürzt und war am Nachmittag ganz verschwunden.

Anstelle der Bestandsgebäude, die allesamt nicht unter Denkmalschutz stehen, ist nun der Bau eines dreistöckigen Wohngebäudes nebst Nachpflanzungen geplant. Über die Details herrscht noch Unklarheit, der Bauausschuss beschloss erst diese Woche die Aufstellung eines Bebauungsplans. Einige Starnberger aber, die emotionalen Anteil nahmen am Schicksal des Baumes, verabschiedeten sich auf ganz besondere Weise: Sie baten um eine Holzscheibe als Erinnerung an ihren alten Freund, den Baum, die sie als Brotzeitbrettl verwenden wollen.

© SZ vom 27.02.2021 / phaa
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