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Waldfriedhof Starnberg:Wer hat das Grabbäumchen zerstört?

Unbekannte beschädigen eine Muschelzypresse im Waldfriedhof Starnberg - schon im vierten Jahr, immer vor Allerheiligen. Die Besitzerinnen der Grabstätte wollen nun Anzeige erstatten.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Ingrid Grabrucker ist entsetzt. Wieder einmal wurde an der Muschelzypresse am Grab ihrer Eltern auf dem Starnberger Waldfriedhof mutwillig herumgeschnitten. Die dichte, satt-grüne Konifere wurde massiv in der Höhe gekappt. Jetzt fehlen etwa 30 Zentimeter und in der Mitte klafft ein riesiges Loch. Dort wurden neun Hauptzweige entfernt und dabei tief ins Altholz hineingeschnitten.

Grabrucker zeigt auf die frischen Schnittstellen. Da könne nichts mehr nachwachsen, meint sie traurig. "Was ist das für ein Mensch, der so etwas verursacht?" Dieser Mensch habe keinerlei Empathie und Einfühlungsvermögen. "Ich bin tief gekränkt." Nun wollen Grabrucker und ihre Schwester Rita Jenninger Anzeige erstatten. Sie hoffen, dass sie dadurch andere potenzielle Täter von der Zerstörungswut an Gräbern abhalten können.

Verunstaltetes Grab auf dem Waldfriedhof

Rita Janninger (links) und Ingrid Grabrucker sind entsetzt und traurig: Am Grab der Eltern auf dem Starnberger Waldfriedhof haben Unbekannte die Konifere zerstört, die ihr Vater vor 30 Jahren gepflanzt hat.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)

Immer an Allerheiligen und an Weihnachten werden Zweige von der Muschelzypresse herausgeschnitten, seit nunmehr vier Jahren. Bislang seien aber lediglich einzelne Zweige entfernt worden. "Auch wenn wir uns geärgert haben, das konnten wir noch verschmerzen", erklärt Jenninger.

Weil sie die Grabverwüstung dennoch nicht hinnehmen wollte, hat Grabrucker im vergangenen Jahr einen Zettel ans Grab geklebt. "Das ist Grabfrevel. Schande dem Dieb", stand darauf. Doch die beiden Schwestern haben damit offenbar das Gegenteil erreicht. Noch nie sei die Verwüstung so dreist gewesen, wie dieses Mal. Jetzt sei die Pflanze wohl endgültig zerstört worden und müsse ersetzt werden.

Mit dem Auto in den Friedhof

Auch in der Gemeinde Inning haben sich seit geraumer Zeit ungewöhnliche Sitten breit gemacht. So scheinen manche Bürger dazu übergegangen zu sein, es sich beim Bepflanzen ihrer Gräber besonders bequem zu machen. Sie fuhren einfach in den Friedhof hinein, parkten auf aufgelassenen Gräbern oder gleich direkt vor der eigenen Grabstätte. Dabei, so war vor kurzem in der Gemeinderatssitzung zu hören, seien mehrere Grabumfriedungen beschädigt worden. Für Rathauschef Walter Bleimaier eine Ungeheuerlichkeit: "Darauf wäre ich nie gekommen, dass das jemand macht", sagte er. Und: "Die fahren durch den ganzen Friedhof, das ist Störung der Totenruhe."

Bleimaier war am Ende der Sitzung am vergangenen Dienstag von der CSU-Gemeinderätin Anna Herrmann angesprochen worden, warum der Friedhof nicht mehr frei befahrbar sei und wer dafür verantwortlich sei. "Das war ich", sagte er. Er selbst habe den Bauhof angewiesen, den Friedhof in der Salzstraße mit einem Pfosten abzuriegeln.

Davor hatte sich der Rat noch mit einem anderen Friedhofsthema befasst: Hinterbliebene müssen sich nun selbst ein Bestattungsunternehmen suchen. Bis Ende 2019 hatte die Gemeinde einen Dienstleistungsvertrag mit der Trauerhilfe Denk, der aber gekündigt wurde. Daher verlangt die Gemeinde künftig zwar alle anderen bei Beerdigungen anfallenden Gebühren, aber keine mehr explizit für Bestattungen. ABEC

Den Starnbergerinnen geht es nicht nur um den materiellen Schaden von etwa 200 Euro für eine neue Muschelzypresse in dieser Größe sowie die Folgekosten für das Ausgraben der alten, tief verwurzelten Konifere und die Neuanlage des Grabes. Viel schlimmer ist für die beiden Schwestern der ideelle Schaden. Der Vater habe die Muschelzypresse nach dem Tod der Mutter vor mehr als 30 Jahren für das Grab gekauft. Dieses Andenken sei nun zerstört worden.

Nach Angaben von Hans Schneider, dem Friedhofswärter am Waldfriedhof, handelt es sich um einen Einzelfall. "Es ist kein Massenphänomen", sagt auch Kai Motschmann von der Polizeiinspektion Starnberg. In den vergangenen zwei Jahren sei in der Kreisstadt lediglich eine Grabbeschädigung gemeldet worden. Und das sei die Beziehungstat eines Angehörigen gewesen, so Motschmann. Die Polizei kann nur tätig werden, wenn ein materieller Schaden entstanden ist. Dann sollte man laut Motschmann jedoch Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten, damit die Polizei einen Zeugenaufruf starten kann. "Vielleicht hat ja jemand etwas gesehen."

© SZ vom 30.10.2020

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