Stadtradel-Aktion Der Sieger heißt Inning

Das Kilometersammeln ist vorbei. Das Fünfseenland hat Platz eins in Bayern erobert, obwohl sich weniger Radler als 2015 an der Aktion beteiligt haben.

(Foto: Treybal)

Dank der Vizebürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka liegt der Gemeinderat am Ende der Stadtradel-Aktion vorne

Von Christiane Bracht, Starnberg

Gut 600 000 Kilometer haben die Stadtradler im Landkreis Starnberg heuer innerhalb von drei Wochen zurückgelegt. Am Samstag haben die letzten ihre Kilometer eingetragen. Seither rangiert das Fünfseenland bundesweit auf Platz vier. Kein Wunder, dass Umweltberater Herbert Schwarz "zufrieden" ist mit dem Ergebnis. "Es kann sich sehen lassen, wenn man es auch mit den Nachbarlandkreisen vergleicht, die etwa zur gleichen Zeit bei gleich schlechtem Wetter gefahren sind" triumphiert er. Bayernweit steht der Landkreis weiter auf Platz eins, allerdings radeln sehr aktive Städte wie München und Erlangen noch.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das Ergebnis aber eher mager: Nicht nur, dass die Stadtradler damals 100 000 Kilometer mehr zusammenbrachten, es nahmen auch deutlich weniger an der Aktion teil. Etwa 4400 Radler haben sich heuer engagiert. Schwarz führt das vor allem auf eine Schule zurück, die sich aus Sicherheitsgründen diesmal nicht am Kilometersammeln beteiligt hat. "An der James-Krüss-Grundschule wird gerade umgebaut", erklärt der Gilchinger Koordinator Jan Haas. Die Rektorin fand es deshalb zu gefährlich die Kinder mit dem Rad zum Unterricht kommen zu lassen, wenn dort Baumaschinen herumfahren. "Die Absage ist das falsche Signal", moniert indes Stadtradel-Organisator Gerhard Sailer. "Man müsste sich vielmehr darum kümmern, dass an der Baustelle gefahrlos geradelt werden kann." Schließlich sei das Fünfseenland als fahrradfreundlicher Landkreis ausgezeichnet worden und das müsse man als Radler auch erleben, sagt er. Stattdessen gebe es Baustellen im Landkreis, an die einfach ein Schild genagelt werde, Radfahrer absteigen ohne passable Alternativrouten anzugeben. "Da ist die Politik gefordert", sagt Sailer. "Man will als Radfahrer ernst genommen werden." Anders als Schwarz glaubt Sailer nicht, dass allein die Schüler für den Rückgang der Teilnehmer bei der Aktion Stadtradeln verantwortlich sind. Die Teamkapitäne klagten schon länger, dass es immer schwieriger sei, die Leute zu motivieren, weiß der Organisator. "Es müsste mehr passieren." Aber weniger Stadtradler bedeute nicht, dass insgesamt weniger Radler unterwegs seien, da ist sich Sailer sicher. Im Gegenteil: "Der Anteil ist gut und groß."

Das Preisgeld von 2000 Euro für das radaktivste Kommunalparlament im Landkreis war allerdings nicht für alle Gemeinderäte ein Ansporn. So konnten sich im normalerweise recht fahrradaffinen Gilching nur zwei von 25 Gemeinderäten dazu durchringen, auf ihr Rad zu steigen. Koordinator Jan Haas zeigte sich etwas enttäuscht: "Die Gemeinderäte sind zwar wohlwollend, aber sie tun sich schwer aus der Sicht der Radler zu entscheiden. Ihnen fehlt die Perspektive", weiß er.

In Inning dagegen konnte Vizebürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka und Stadtradel-Koordinator Thomas Dahmen das gesamte Gremium auf den Sattel locken. Die Gemeinderäte schaffte sogar mit Abstand die meisten Kilometer (130). Die aktivste war Schüßler-Kafka selbst. Sie erklärte allen Kollegen, dass sie für eine Ladestation für E-Bikes strampeln sollen. "Wir haben alle Gemeinderäte persönlich angesprochen und auch per E-Mail angeschrieben", erklärt Dahmen das Erfolgsrezept. Keiner habe sich geweigert, alle seien mit Enthusiasmus dabei gewesen, sagt er. Einer hatte nicht einmal ein Rad, versprach aber, sofort sich eins zu leihen. Offenbar hat er Wort gehalten. Dass sie es ernst meint, stellte die Vizebürgermeisterin sofort unter Beweis: Sie hat sogar schon Kontakt zu einem Energieversorger aufgenommen, um ihr Projekt schnellst möglich umsetzen zu können. Nicht ganz so viel Rückenwind hatte Thomas Allner-Kiehling, der die Herrschinger Gemeinderäte zum Radeln animierte. Immerhin 17 von 25 haben dort mitgemacht. Die Preisverleihung für die Stadtradler ist am kommenden Donnerstag, 28. Juli, um 18 Uhr im Gautinger Rathaus-Foyer.