Spendentransport Aus ein paar Möbel werden 20 Tonnen

Jetzt sind die alten Gautinger Tafeln in der Ukraine montiert: Elvira Zechalo (hinten, Mitte) überzeugt sich davon, dass die Hilfsgüter angekommen sind.

(Foto: Privat)

Die Gautingerin Elvira Zechalo sammelt Hilfsgüter für ihre ukrainische Heimatstadt Reni - darunter Kreidetafeln und Bänke aus der Josef-Dosch-Grundschule.

Von Sabina Zollner

Eine Tafel, die sich ohne ohrenbetäubendes Quietschen rauf und runter sowie aufklappen lässt: Das ist für deutsche Schüler selbstverständlich - und sogar fast schon wieder altmodisch. Statt Tafeln gibt es heute fast überall Whiteboards. Für Lehrer und Kinder in der Ukraine ist eine Kreidetafel immer noch eine Besonderheit. So war die Begeisterung groß, als die Gautinger Büroangestellte Elvira Zechalo über 18 Tafeln an sechs verschiedene Schulen in ihre ukrainische Heimatstadt Reni lieferte. Ermöglicht wurde das Projekt von der Gemeinde Gauting, der gemeinnützigen Organisation Engagement Global der Bundesregierung sowie zahlreichen lokalen Institutionen in Gauting und Reni.

Anfangs war es nur geplant, alte Schulmöbel der Josef-Dosch-Schule nach Reni zu transportieren. Mit Hilfe des Gautinger Bauhofs wurden alle gut erhaltenen Schultafeln, Lampen, Schulbänke und Möbel abmontiert und für den Transport vorbereitet. Schon bald entwickelte sich ein größeres Projekt. Der Kindergarten Sonnenschein steuerte Möbel und Spielzeug bei. Das Münchner Kulturzentrum Gorod spendete Schulbänke. Die Asklepios-Fachklinik schenkte zahlreiche Krankenhausbetten, medizinische Geräte sowie Bettwäsche. Privatpersonen aus München und dem Umland brachten Kleidung und andere Alltagsgegenstände. So entstand eine 20 Tonnen schwere Ladung.

Doch bis die Güter in die Ukraine transportiert werden konnten, dauerte es eine Weile. Zum Glück stellte Asklepios zwei Räume als Lager bereit. Denn der gebürtigen Ukrainerin Zechalo wurden politische und bürokratische Hürden in den Weg gelegt. Für alle Hilfsgüter muss in der Ukraine eine Bedarfsbescheinigung von Landkreis und Stadt eingeholt werden. Der Bürgermeister von Reni unterstützte das Projekt, doch die Landkreischefin weigerte sich. Warum, ist unklar. Doch die 42-Jährige ließ sich nicht unterkriegen. Mit Hilfe der Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger wendete sich Zechalo an das Ministerium für Sozialpolitik in Kiew. Schließlich gab das Ministerium grünes Licht.

Doch auch bei der Planung des Transports gab es Schwierigkeiten. Normalerweise werden Hilfsgüter über Polen und die ukrainische Grenzstadt Lemberg transportiert. Doch in dem von Korruption geplagten Land werden Hilfsgüter aufgehalten oder verschwinden spurlos. Um dies zu verhindern, wollte Zechalo über Rumänien einreisen. "Wir suchten die politisch beste Route", erklärt Wilhem Rodrian, der für die partnerschaftlichen Beziehungen der Gemeinde Gauting zuständig ist. Engagement Global wollte die Unkosten, die durch die alternative Route entstanden sind, nicht zusätzlich stemmen. So griff die Gemeinde Gauting Zechalo unter die Arme und übernahm 3 100 der insgesamt 13 100 Euro für den Transport. "Es war für mich eine große Ehre, dass die Gemeinde mir diese schwere Aufgabe anvertraute und mich bei der Aktion komplett unterstützte", sagt Zechalo. Im September 2017 war es dann endlich so weit. Die ersten beiden Sattelzügen legten die über 2000 Kilometer lange Strecke nach Reni zurück. Für Zechalo war das Projekt ein voller Erfolg: Neben einer Auszeichnung für ihre freiwillige Arbeit für die Stadt Reni konnte die Gautingerin ihrer Heimat ein Stück Wohlstand schenken.