Schauspiel Königsetappe im Schlossgarten

Von Station zu Station führt mit zunehmender Dunkelheit die Starnberger Theatergruppe Tragaudion - hier mit (v.li.) Urte Müller (Beeston), Smaranda Dancu (Horatio) und Claudia Wittmaack (Hemmings) - im Schlossgarten in die düsteren Gefilde von Shakespeares Tragödie "Hamlet", bei der es aber auch komische Szenen gibt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Starnberger Theatergruppe Tragaudion brilliert bei der Premiere mit einer hinreißenden Interpretation von Shakespeares Drama "Hamlet", die aber auch ihre heitere Seiten hat

Von Katja Sebald, Starnberg

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es wäre ganz egal, wie und was im Schlossgarten gespielt wird. Die sommerlichen Theaterabende gehören auf jeden Fall zum Stimmungsvollsten und Bezauberndsten, was das Kulturleben rund um den See zu bieten hat. Dass die Theatergruppe "Tragaudion" dort mittlerweile im fünften Jahr in Folge unter freiem Himmel Shakespeare-Stücke als witziges Stationentheater zur Aufführung bringt und außerdem auch noch leidenschaftliche Schauspielerei zu bieten hat, macht das Ganze allerdings perfekt.

"Tragaudion" ist eine semiprofessionelle Theatergruppe, die vor 25 Jahren am Starnberger Gymnasium gegründet wurde und deren Mitglieder auch nach dem Abitur nicht aufgehört haben, miteinander Theater zu spielen. Der Schlossgarten ist sozusagen Geburtsort von "Tragaudion", denn mit einer Open-Air-Aufführung von Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" im Schlossgarten begann 1993 die Geschichte dieses Ensembles. Nach langer Pause wurde 2014 erstmals wieder im Schlossgarten gespielt. Mit "Hamlet" haben sich die Schauspieler zum Jubiläum die Königsetappe vorgenommen und mit Bravour gemeistert. Regie führte Jan Björn Potthast, Urgestein der aus Laien und Profis bestehenden Truppe.

Zur blauen Stunde werden die Besucher von Gauklern mit Musik empfangen und, während sich langsam die Nacht herabsenkt, von Station zu Station in die düsteren Gefilde der Tragödie geführt: Aus einer Mauernische erscheint in waberndem Bühnennebel der Geist von Hamlets Vater, der Aussichtsplatz auf der Mauer wird zum schwankenden Schiff auf hoher See und an der Südseite des Gartens ist schon Ophelias Grab ausgehoben, als diese noch geistig umnachtet im weißen Hemd unter Bäumen dahin huscht. Beim finalen Duell drängen sich die Zuschauer in völliger Finsternis unter einen Baum.

Statistisch gesehen beginnt in jeder Minute des Tages irgendwo auf der Welt eine "Hamlet"-Aufführung. Den "Hamlet" besser zu spielen, als er an den großen Theatern der Welt gespielt wurde und wird, das versucht diese Inszenierung erst gar nicht: Potthast hat den Klassiker vielmehr ausgesprochen pikant mit einer Portion absurdes Theater gewürzt, wobei er sich von Tom Stoppards Stück "Rosenkranz und Güldenstern" inspirieren ließ. Marcus Meyer in der Hauptrolle spielt sich durchaus fulminant in den Wahnsinn. Melanie Scheytt, die über eine Schauspielausbildung verfügt, hält mit großer Souveränität als Königin weite Teile des Bühnengeschehens zusammen; davon profitiert auch Jürgen Huber als Claudius. Ophelia wird von Pauline Winkler gespielt, Polonius von Thomas Blasig und Laertes von Tobias Malangré. Und nicht zuletzt ist es die derbe Gauklertruppe, die zwischen Slapstick und einer heißen Strip-Nummer zu Höchstleistungen aufläuft.

Erwähnenswert sind auch Amara Palacios und Lena-Charlotte Hedemann, die als ziemlich verplantes Freundinnen-Duo in Rosa und Gold dahertippeln und Hamlets "alte Schulfreunde" Rosenkranz und Güldenstern spielen. "Onkel krallt sich Thron und Bett und Sie schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge", lässt Potthast die beiden furiosen Randfiguren die 4042 Textzeilen und mehr als vier Stunden Aufführungsdauer, die "Hamlet" im Original hat, prägnant zusammenfassen. Im Schlossgarten dauert es drei Stunden, bis alle tot sind. Es gibt ein paar Längen, vor allem aber wirklich komische Szenen, die dem schweren Gang der Dinge unerhörte Leichtigkeit verleihen. Gesangseinlagen wie "All the Lonely People" bis "Dänen lügen nicht" gehören ebenfalls dazu.

Aufführungstermine sind am 19., 20.,21., 22., 26. und 27. Juli sowie am 3. und 4. August (jeweils 20 Uhr). Bei Regen wird die Vorstellung abgesagt, unter 0162/1698065 ist eine Wetter-Hotline eingerichtet; Kartenreservierung per E-Mail unter info@tragaudion.de. Der Eintritt kostet 15 Euro (ermäßigt 10 Euro). Infos: www.tragaudion.de