SZ-Kolumne Nepomuk:Ute und die grüne Sau

SZ-Kolumne Nepomuk: Schafkopf ist eines der beliebtesten und verbreitetsten Kartenspiele Bayerns.

Schafkopf ist eines der beliebtesten und verbreitetsten Kartenspiele Bayerns.

(Foto: dpa)

Warum der Wassergeist Kommunalpolitikern Schafkopfen zur Entspannung empfiehlt und sich eine nordwestdeutsche Landtagsabgeordnete dazu warm anziehen sollte.

Von Eurem Nepomuk, Starnberg

Leute, ich muss euch beichten, dass ich der Gattung Homo ludens angehöre. Oder, wie es hier bei uns heißt: Ich bin "a echte Spuiratz". Mit meiner werten Gattin zock' ich gern Canasta, bis die Köpfe rauchen. Am allerliebsten aber ist mir ein zünftiger Schafkopf. Doch seitdem mein guter alter Kartl-Kumpel Kasimir das Zeitliche gesegnet hat, kommt keine Runde mehr zustande, weil man zum Schafkopf halt immer mindestens vier Leute unter einen Hut oder besser an einen Tisch bringen muss.

Da hat es sich diese Woche gut getroffen, dass gleich sechs Fraktionschefs am Starnberger Dampfersteg versammelt waren, um sich gemeinsam gegen Rechtsradikalismus zu positionieren. Am Rande tauchte dort der Gedanke auf, sich der parteiübergreifenden Gaudi und Befriedung wegen mal zu einer Schafkopfrunde zu treffen oder gar ein regelrechtes Turnier unter Politikern zu veranstalten.

SZ-Kolumne Nepomuk: Der Starnberger Wassergeist spielt gern - vor allem Schafkopf.

Der Starnberger Wassergeist spielt gern - vor allem Schafkopf.

(Foto: Bernd Schifferdecker)

Klar, der Vorschlag kam natürlich von den Grünen: Die sind ja auch mit acht Karten im Schafkopfblatt vertreten. Und selbst der Schwärzeste unter den Schwarzen muss sich klammheimlich freuen, wenn er am Spieltisch "Grün sticht!" ausrufen kann. Noch mehr wird er dann anschließend strahlen, wenn er sein Gras-Solo auch gewonnen hat.

Jedenfalls die Ute Eiling-Hütig war von der Idee gleich begeistert und hat bekundet, das Schafkopfspiel gerade zu lernen. Rein regeltechnisch und taktisch dürfte sie damit wenig Probleme haben, schließlich beherrscht die CSU-Landtagsabgeordnete aus Westfalen bereits Doppelkopf. Was im Prinzip nicht anderes ist als Schafkopfen mit 48 statt 32 Karten und einer schier unendlichen Anzahl von Sonderwertungen.

Bei der sprachlichen Verständigung im Spiel sehe ich die Münsterländerin freilich noch vor hohen Hürden. Ich sag' bloß: "Oide huif" (Unterstütze mich, gereifte Dame); "der Hund stopft sie" (was das bedeutet, verbietet mir meine gute Erziehung detaillierter auszuführen), oder "die Blaue, die genaue, mit der Mannschaftsaufstellung" (damit suchen "Löwen"-Anhänger nach dem Grün-As und spielen gleichzeitig auf die Stadionzeitung des TSV 1860 an).

Es gilt "die Sau abzustechen"

Mit den Farben ist es überhaupt unter Schafkopfern längst nicht so simpel wie in der Politik: Da werden der oder die "Grüne" gern auch als "Blaue" bezeichnet. Es gibt auch einen "Roten" im Blatt, aber keine Rote, denn die heißt Herz-Sau. Und Schwarze kommen gar nicht vor, so leid mir das für die Ute tut. Nicht einmal als "Spatzen", wie beim CSU-nahen Schafkopfen die in CDU-Kreisen als Luschen bekannten wertlosen Karten heißen.

Für das Verständnis unter den Kreispolitikern wäre es freilich förderlich, dass beim Schaf- wie beim Doppelkopf die Parteilager im Minutentakt wechseln und ständig neue Koalitionen geschmiedet werden müssen. Im Vergleich zur zahmen, norddeutschen Variante ist Schafkopfen allerdings ein richtig blutiger Kampfsport, der Name deutet es ja schon an. Selbst wenn es nicht - wie bei Turnieren üblich - um Fleischpreise geht, gilt es, "die Sau abzustechen" oder dem Gegner "ein Solo zu zerreißen". Während Doppelkopfer "den Fuchs einfangen" und "das Mäxchen" bewahren wollen. Sogar eine romantische "Hochzeit" sehen die Spielregeln vor. Zum bayerischen Kartenspiel wiederum gehören ein frisches Weißbier, abgestandene Altherrenwitze und direkter Aggressionsabbau. Da wird sich die gute Ute warm anziehen müssen - aber das ist sie ja gewohnt: Schließlich muss man sich gerade in der CSU als Politikerin gegen männlichen Chauvinismus behaupten.

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