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Projekt am Gymnasium:Mit Schlossallee und Dampfersteg: Monopoly für Starnberg

Starnberg: Katharina Pillmann 'Pressesprecherin' vom P-Seminar 'Monopoly Starnberg'

Noch ist das Monopoly, das Katharina Pillmann präsentiert, eine Whitebox, eine Schachtel ohne Inhalt also. Doch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft im November soll das spezielle Spiel mit Straßennamen aus Starnberg und Umgebung im Handel sein.

(Foto: Nila Thiel)

Ein Schüler-Unternehmen bringt das Spiel mit umbenannten Straßen heraus. Um die Produktionskosten von 40 000 Euro zu erwirtschaften, verkaufen die Elftklässler Aktien und Namensrechte.

Es geht um Immobilien und Geld, zwei Themen also, die im Landkreis Starnberg eine große Rolle spielen - die sich aber auch hervorragend für ein Spiel eignen, das sich um Geld und Immobilien dreht: Monopoly natürlich, das es mittlerweile in einer Vielzahl regionaler Varianten mit umbenannten Straßen gibt. Aber eben noch nicht für Starnberg. Das will nun ein Unternehmen ändern, das 13 Schüler der elften Jahrgangsstufe am Starnberger Gymnasium gegründet haben, im Rahmes ihres Praxisseminars "Wirtschaft und Recht". Dabei handelt es sich keineswegs um eine Schnapsidee, die junge Leute mal spontan eben haben können, sondern um ein professionell organisiertes Unternehmen mit dem Namen "STA-Spieler".

Die jungen Leute, alle im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, haben zunächst wenig spannende Ideen für ihr Unternehmen gehabt, wie etwa das Schullogo auf irgendwelche Klamotten oder Taschen zu drucken. "Dann hatte eine Schülerin ein Monopoly aus Kitzbühel dabei, und sofort haben wir uns gedacht, dass so etwas zu Starnberg passt, aber noch fehlt", erzählt Katharina Pillmann, die Sprecherin des Startups. Zunächst mussten die Lizenzverhandlungen mit dem Herausgeber des Spiels geführt werden, es ging um die Veränderung der Spielstraßen, aber - natürlich - vor allem ums Geld. Denn die Produktion des Spiels im Originaldesign ist teuer, kann bis zu 40 000 Euro kosten. Diese Summe und etwas mehr wollen die Jungunternehmer finanzieren, indem sie die Straßen auf dem Spielplan an Unternehmen und Einrichtungen aus Orten rund um den Starnberger See verkaufen. "Es hat sich ganz gut angelassen", sagt Pillmann.

So hat etwa die Stadt Starnberg gleich drei Straßen plus einen Bahnhof gekauft - "da sind wir der Stadt beim Preis natürlich entgegengekommen", sagt Pillmann und lacht. Jetzt sind die drei orangefarbenen Straßen, die auf dem Spielplan die zweitbilligsten bei der Miete sind, zu Seebad, Schlossberghalle und Heimatmuseum umbenannt, dazu hat die Stadt einen Bahnhof in eine Dampferanlegestelle umgewidmet. "Das passt doch gut zum See", sagt Pillmann. Noch sei die Gruppe in Verhandlungen mit Tutzing, Seeshaupt und einem Ort am Ostufer des Sees, damit die Bahnhöfe allesamt in Dampferstege umgewandelt werden können.

Im November soll das Spiel in den Handel kommen, in lokalen Spielzeuggeschäften, aber auch in Supermärkten und in einem noch einzurichtenden Online-Shop. Der Preis soll 44,95 Euro betragen. "Wir wollen ja nicht nur unsere Unkosten decken", erklärt Pillmann, die Startup-Truppe will gleich bei ihrem ersten Deal ordentlich Gewinn erwirtschaften. Und die 90 Aktionäre, die für je zehn Euro eine Anteilsschein am STA-Spieler-Unternehmen gekauft haben, wollen schließlich eine hübsche Dividende sehen. Auch Bürgermeisterin Eva John hat sich eine Aktie gekauft, wie Freunde, die Familie und Klassenkameraden. "Wir sind uns aber einig, dass wir einen Großteil des Gewinns für ein soziales Projekt spenden", sagt Pillmann.

Beim Junior-Projekt gründen Schüler auf ein Jahr befristet eine Schülerfirma und lernen so wirtschaftliche Zusammenhänge praxisnah kennen. Förderer in Bayern ist die staatliche Spezialbank zur Wirtschaftsförderung, die LfA Förderbank Bayern. Realisiert wird das Projekt aber vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, das zur Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft gehört.

Bleibt noch eine Frage: Wer sichert sich die teuerste Straße, die Schlossallee? "Das ist noch offen", sagt Pillmann. Wie man hört, ist das Hotel La Villa in Niederpöcking im Gespräch.