Corona:Die Unsicherheit fährt mit auf Streife

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Starnberg, Polizei

Isabell Wastian und ihr Kollege Michal Link von der Starnberger Polizeiwache kennen genau die Regeln beim Schutz vor Coronainfektionen. Dazu gehört auch, im Streifenwagen eine FFP2-Maske zu tragen.

(Foto: Georgine Treybal)

Laut Innenministerium sind fast 20 Prozent der bayerischen Polizisten nicht geimpft. Aktionen wie Kontrollen in Lokalen sollen zwar nur immunisierte Beamte übernehmen, sagt der Chef der Inspektion Herrsching. Aber wie es bei nicht planbaren Einsätzen aussieht, ist unklar.

Von Christian Deussing

Polizisten eilen zu Unfällen, sprechen mit Bürgern und kontrollieren in Lokalen, ob die Gäste nach der 2-G-Regel geimpft oder genesen sind. Allerdings: Fast 20 Prozent der Ordnungshüter in Bayern sind selbst nicht geimpft. Das ergab eine Abfrage der 3-G-Regelungen bei Inspektionen durch das Innenministerium. Man habe das Problem nun erkannt und setze mit Impfaufrufen alles daran, dass sich möglichst viele Polizisten immunisieren lassen, erklärt dazu ein Sprecher des Ministeriums. Seit dem 22. November würden an sechs Standorten auch Auffrischungsimpfungen angeboten. Das Thema ist aber offenbar heikel.

Zur Impfquote auf ihren Wachen dürfen die Polizeichefs in der Region um Starnberg - wohl auch wegen des Vertrauensschutzes - jedenfalls nichts sagen. Er wolle das Impfthema derzeit nicht kommentieren, sagt auf Anfrage Andreas Ruch, Inspektionsleiter in Gauting. Genauso reserviert äußern sich Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek und Jürgen Dreiocker, der die Germeringer Polizeiwache führt, zu deren Revier Gilching gehört. Etwas offener äußert sich Alfred Ziegler, der die Dienststelle in Dießen leitet. "Ich bin schon geboostert, auch zum Schutz meiner Familie und anderer." Zudem wolle er nicht wegen einer Coronainfektion im Dienst ausfallen, sagt Ziegler. Geimpft ist auch Erich Schilling, Amtskollege in Herrsching. Er habe schließlich eine Vorbildfunktion und schaue auch immer darauf, dass nur geimpfte Beamte etwa bei Kontrollen in Gaststätten eingesetzt würden. Das werde in den Dienstplänen berücksichtigt, berichtet der Erste Polizeihauptkommissar. Dieses Vorgehen kommt dem Innenministerium entgegen: Es geht nämlich davon aus, dass bei planbaren Einsätzen der Impf- beziehungsweise Genesenenstatus möglichst berücksichtigt werde. Soweit er bekannt ist.

Natürlich ist das Impfen auch unter den Polizisten in ihren Schichten ein Thema. Also auch die Frage, ob zum Beispiel der Kollege oder die Kollegin im Streifenwagen immunisiert ist. "Wir versuchen sie zu überzeugen, sich impfen zu lassen, um das Ansteckungsrisiko zu verringern", sagt Stefan Kemptner, Bezirksvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Verband Oberbayern Nord. Im Kontakt zu den Bürgern müssten die Beamten vorbildlich sein und sich bei 2-G-Kontrollen auch selbst an diese Regel halten. Kemptner geht nach Rückmeldungen davon aus, dass im Bezirk Oberbayern Nord, zu dem die Starnberger Region und das Ammerseegebiet gehören, schon etwa 90 Prozent der Polizisten geimpft seien. Daher sei die Quote von 81 Prozent zumindest in diesem Bezirk zu niedrig geschätzt, glaubt Stefan Kemptner.

Die Transparenz beim Impfstatus in den Wachen und jeweiligen Schichten sei unterschiedlich, sagt Sebastian Pinta, Leiter des Präsidialbüros im Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Es gehe auch um Vertrauen, zudem seien die Angaben von Beamten freiwillig. Sie müssten aber vor Dienstbeginn einen negativen Coronatest vorweisen, wenn sie sich nicht als Geimpfter legitimierten, so Pinta. Man sei im regen Austausch mit den Dienststellenleitern, die sich mit der Frage befassen müssten: "Wer hat welchen Status, und wie kann man den Beamten einsetzen?"

In der selben Schicht der Starnberger Wache sind zum Beispiel Isabell Wastian und Michael Link eingeteilt. Die 28-jährige Polizeioberkommissarin und der 24 Jahre alte Polizeiobermeister fahren gemeinsam auf Streife. Auch sie dürfen zu ihrem Impfstatus keine Auskunft geben. Die beiden Beamten und auch ihre Kollegen sind dazu angehalten, im Streifenwagen FFP2-Masken zu tragen. Es sei denn, es stehe dienstlich etwas dagegen, um zum Beispiel bei einem körperlichen Einsatz "leistungsfähig zu bleiben", wie Sebastian Pinta erläutert, der früher auch stellvertretender Inspektionsleiter in Starnberg gewesen war.

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