Neue Buslinien Im Osten was Neues

Die Linie 961 verkehrt künftig im Stundentakt zwischen Ammerland und dem Bahnhof Starnberg Nord. Der Stadtrat hat sich eine Stärkung des Nordbahnhofs als zentralen Haltepunkt gewünscht.

(Foto: Georgine Treybal; .)

Mit dem MVV-Fahrplanwechsel am Sonntag pendeln die Busse zwischen Starnberg und Wolfratshausen direkter und schneller. Zudem gibt es zwei neue Linien

Von Sabine Bader, Starnberg

Susanne Münster weiß, was sie will. Das merkt man sofort: Rücken gestrafft, hoch aufgerichtet, die blonden Haare aus dem Gesicht gestrichen. Nahezu druckreif erläutert die Verkehrsmanagerin im Gespräch mit der SZ, was sich zum MVV-Fahrplanwechsel am Sonntag im Öffentlichen Personennahverkehr des Landkreises ändern wird. Und das lässt sich so prägnant wie knapp in dem Satz zusammenfassen: Das Ostufer steht im Mittelpunkt. Denn diesmal haben sich die Verkehrsexperten hauptsächlich mit dem östlichen Bereich des Starnberger Sees zwischen Starnberg, Berg, Münsing, Wolfratshausen und Schäftlarn befasst. Dort gibt es enorme Verbesserungen. Münster nennt es fast liebevoll das "Ostuferbündel". "Wir haben es komplett umgekrempelt", sagt sie. Die Devise heißt: schneller, direkter, klarer. Die beiden Linien, die jetzt schon Pendler, Ausflügler und Schüler befördern, bleiben erhalten und behalten auch ihre angestammten Nummern. Nur ihre Routen werden verändert, so dass die Fahrten nicht mehr so lange dauern. Zudem gibt es zwei neue Linien. Das gesamte Busbündel kostet ohne Einnahmen und Zuschüsse künftig rund 1,4 Millionen Euro im Jahr. 800 000 Euro davon bleiben in etwa am Landkreis, der Stadt Starnberg und der Gemeinde Berg hängen. Der Rest kommt über Fahrgelder und Staatszuschüsse wieder herein.

Linie 961

Da ist als erstes die Linie 961. Sie verkehrt zwischen Ammerland und dem Bahnhof Nord in Starnberg. Und das künftig im Stundentakt und auf direktem Weg. Dass dies schneller geht, liegt mit unter daran, dass der Bus künftig nicht mehr die Schleife nach Aufkirchen fahren wird, sondern von Ammerland aus über Münsing und dann entlang der Ostuferstraße über Berg, Kempfenhausen und Percha nach Starnberg Nord. Zum Bahnhof See geht die Linie nicht mehr. Das hatte sich der Stadtrat gewünscht, um den Nordbahnhof in seiner Bedeutung als zentralen Haltepunkt zu stärken. Und noch eine Neuerung: Wer täglich an der selben Haltestelle einsteigt, der braucht sich nur eine einzige Abfahrtszeit zu merken und kann dann auf die Minute genau zu dieser Zeit jede Stunde den Bus besteigen. "Es war uns wichtig, dass alles auch zeitlich einfacher gestaltet wird", sagt Münster.

Linie 975

Die Buslinie zwischen Starnberg und Wolfratshausen verbindet zwei S-Bahnen mit einander - die S 6 und die S 7. Sie ist damit eine sogenannte Tangentialverbindung, wie es bislang viel zu wenige im S-Bahnnetz rund um die Landeshauptstadt gibt. Während die Linie 961 immer am Bahnhof Nord hält, steuern die Busse der Linie 975 auch den Seebahnhof an. "Das konnten wir dem Starnberger Stadtrat abtrotzen", sagt Münster. Denn sie weiß, dass der Haltepunkt am See bei Fahrgästen noch immer sehr beliebt ist. Wer mit dem 975er von Wolfratshausen über Dorfen, Höhenrain, Aufhausen, Aufkirchen, Berg und Percha nach Starnberg fährt, der braucht von Bahnhof zu Bahnhof ziemlich genau eine halbe Sunde. In der Hauptverkehrszeit fährt der Bus nicht nur stündlich, sondern teils sogar halbstündlich. Münsters erklärtes mittelfristiges Ziel ist nämlich, Bürger in großer Zahl zum Umsteigen vom Auto auf die S-Bahn zu bewegen. Und so erwischen die Pendler aus Berg und Percha künftig zur Hauptverkehrszeit jede S-Bahn, die vom Bahnhof Nord nach München fährt. "Das ist phänomenal", findet Münster und wirkt, während sie dies sagt, zurecht ein wenig stolz. "Es gibt damit keinen wirklichen Grund mehr, mit dem Auto nach München oder zum Einkaufen nach Starnberg zu fahren", sagt die Verkehrsmanagerin.

Linie 974

Mit der Umgestaltung der bisherigen Linien wären aber die Berger Ortsteile Farchach, Mörlbach und Bachhausen vom Öffentlichen Personennahverkehr abgehängt. "Das darf natürlich nicht passieren", findet Münster und hat noch einmal schwer nachgedacht. Das Ergebnis der Überlegungen ist eine neue Buslinie, die 974. Sie versorgt allerdings nicht nur besagte Berger Ortsteile, sondern fährt auch in den Nachbarlandkreis Bad Tölz/Wolfratshausen nach Icking, Irschenhausen, Ebenhausen und bis zum Kloster Schäftlarn. Der Bus passiert die Haltestellen auf dieser Strecke im Zweistundentakt und klappert in dieser Zeit insgesamt 26 Haltepunkte ab. Eine stattliche Anzahl.

Linie 904

Wer in Wangen und Leutstetten wohnt, der kennt sie längst, die Linie 943. Aus ihr wird jetzt die Linie mit Nummer 904. Nach dem Fahrplanwechsel wird sie über Fercha, Neufahrn und Schäftlarn bis zum Kloster Schäftlarn verlängert. Münster weiß, dass die Strecke nicht nur wochentags von Pendlern frequentiert wird, sondern auch interessant für Ausflügler an den Wochenenden ist. Darum verkehren die Busse hier nicht nur werktags, sondern auch an Sonn- und Feiertagen stündlich.

Schulbusse

Von den Bussen der vier Linien werden insgesamt sieben weiterführende Schulen in den Landkreisen Starnberg und Bad Tölz/Wolfratshausen angesteuert: Landschulheim Kempfenhausen, Mittelschule und Gymnasium Starnberg, Gymnasium Icking, das Günter-Stöhr-Gymnasium in Irschenhausen, das Gymnasium Schäftlarn und die Realschule in Wolfratshausen. Obwohl bislang noch zusätzliche Schulbusse verkehren, hat man den Fahrplan laut Münster schon jetzt "speziell auf die Schüler" zugeschnitten. Denn vom neuen Schuljahr im September 2017 an, wird es für die Absolventen weiterführender Schulen am Ostufer keine Schulbusse mehr geben. "Die Schulbusse fahren für sie nur noch bis Ende Juli", erklärt Münster. Ein halbes Jahr wird jetzt doppelt gefahren." Quasi als Übergangsregelung. "Da können sich die Schüler schon mal dran gewöhnen." Damit ihnen dies leicht fällt, haben die Verantwortlichen für sie auch spezielle Hefte konzipiert. Daraus können sie sowohl optisch als auch in Tabellenform ersehen, wann genau der von ihnen gewünschte Bus startet und welche Haltestellen auf seiner Route liegen. Die druckfrischen Broschüren sind dieser Tage an die sieben Schulen ausgeliefert worden.

Fahrpläne

Doch nicht nur für Schüler gibt es neue Fahrpläne. Auch andere Fahrgäste werden die neuen Broschüren zum Fahrplanwechsel in den öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern und Banken vorfinden. Und sie sind nicht immer echte Wälzer, die man kaum in einer Handtasche unterbringt. Darum gibt es für jede der vier Linien auch Mini-Fahrpläne. So haben Busreisende die Abfahrtszeiten stets bei sich. Und weil es auch eingefleischten MVV-Nutzern nicht immer leicht fällt, herauszufinden, bis zu welcher Haltestelle man mit einem Streifen (Kurzstrecke) fahren darf, ist auch dies auf den neuen Mini-Plänen genau vermerkt. "Ein kleines Schmankerl, um Licht in den Tarifdschungel zu bringen", wie Münster es nennt.

Der neue Fahrplan ist auch Online auf den Homepages von MVV und Landratsamt zu finden sowie auf der MVV-App.