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Neubau der Seeanlagen:Kiosk im Kupfergewand

Der Entwurf der Wettbewerbssieger für den Neubau in den Dießener Seeanlagen hält sich gestalterisch zurück, sieht aber eine mit Metall verkleidete Fassade vor. 163 Architekturbüros hatten Entwürfe und Modelle eingereicht.

Von Armin Greune, Dießen

Von wegen bloß ein Kiosk. Der Neubau in den Seeanlagen ist nicht nur ein Politikum geworden, das beim Bürgerentscheid 2926 Dießener mobilisierte. Auch bei den Planern fand das Vorhaben großes Interesse: 163 Architekten beteiligten sich am Wettbewerb. Den ersten Preis sprach die Jury einem Entwurf zu, der eine Fassade aus verwittertem Kupferblech vorsieht und sich ansonsten gestalterisch zurückhält, um dem nahen Pavillon der Arbeitsgemeinschaft Dießener Künstler (ADK) nicht die Schau zu stehlen.

Dießen Treidkasten Wettbewerb

Der erste Wettbewerbspreis für den Kiosk ging an Christian Weinmann und Maximilian Koch.

(Foto: Georgine Treybal)

Im Dezember, als der Gemeinderat die recht eng gefassten Vorgaben für den offenen Architektenwettbewerb festlegte, hate Stadtplanerin Barbara Hummel noch mit etwa 40 Teilnehmern gerechnet. Das tatsächliche Echo war mehr als viermal so laut, wenngleich sich nicht alle Beiträge an die Vorgaben hielten. So war am Freitag bei der öffentlichen Präsentation aller Entwürfe auch Erstaunliches zu sehen: Ein, im Modell aus Speckstein gefertigter, höher als breiter Monolith auf asymmetrischen Grundriss etwa, der den täglichen Kioskbetrieb bestimmt recht abwechslungsreich gestaltet hätte. Ausgeschieden sind auch Entwürfe, die einen ovalen Grundriss vorsahen oder einer, der mit vier geschwungenen Trägern und ausladenden Dächern wirkte, wie ein schüsselförmiges, am Seeufer gestrandetes UFO.

Dießen Treidkasten Wettbewerb

Der Siegerentwurf passt zum ADK-Pavillon und bietet ein auskragendes Vordach.

(Foto: Georgine Treybal)

Die realitätsnäheren Entwürfe reagierten auf die geforderte Rücksicht auf den architekturgeschichtlich bedeutsamen ADK-Pavillon mit zwei entgegengesetzten Strategien: Entweder sollte sich der Kiosk vom Baudenkmal deutlich abheben oder daran anpassen. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte im Vorfeld des Wettbewerbs geäußert, der Neubau sollte mit Blick auf den flachen Holzständerbau von 1939 "einfühlsam und respektvoll in Kubatur, Form und Material" ausfallen.

Dießen Treidkasten Wettbewerb

Der zweite Preisträger im Wettbewerb, Torsten Kiefer, sieht eine Fassade aus gelochtem Blech und ein nach innen geneigtes, diagonal geteiltes Dach vor.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Sieger nehmen nun ausdrücklich Dachform und Proportionen des ADK-Pavillons auf. Christian Weinmann vom Büro "Schoen und Gut" aus Maxhütte-Haidhof und Maximilian Koch aus Regensburg haben ein niedriges Gebäude mit flachem Walmdach entworfen, das nur nach vorne auskragt. Darunter ist zur Seeseite hin ein breites Bandfenster für Warenausgabe und -präsentation vorgesehen. Auf einem Stahlbetonsockel wird eine Holzkonstruktion errichtet, die mit einer hinterlüfteten Fassade aus vorbewittertem Kupferblech verkleidet werden soll. Auch das Dach soll in Anlehnung an den mit Stahlblech gedeckten Pavillon aus Kupfer gefertigt werden. Alle Öffnungen und Faltläden vor dem Schaufenster werden aus Streckmetall in der Fassadenfarbe konstruiert. Die Patina sei erwünscht, betonen die Planer, so trete das Gebäude vor dem Hintergrund zurück und eventuelle Hochwasserstände könnten als Markierung an der Fassade zurückbleiben. "Dieser Kiosk ist ein Kiosk" fassten Weinmann und Koch ihr Credo zusammen. Ihr erster Preis ist mit 6400 Euro dotiert, die bei Auftragserteilung auf das Honorar angerechnet werden.

Mit dem zweiten Preis und 4000 Euro wurde das Büro von Torsten Kiefer in Radolfzell belohnt: Auch dieser Architekt hatte eine hinterlüftete Metallfassade vorgesehen: Auf einer Massivholzkonstruktion sollten perforierte Corten-Bleche angebracht werden. Das Dach ist im Entwurf entlang einer Diagonale flach nach innen geneigt. Der mit 2400 Euro dotierte dritte Preis ging an einen Dießener: Das Büro von Sebastian Murr hatte auf einen quadratischen Baukörper mit Lärchenfassade ein ganz niedriges Pyramidendach gesetzt. Außerdem wurden zwei Anerkennungspreise von je 1600 Euro vergeben. Diese Arbeiten sind gemeinsam mit denen der drei Preisträger vom 27. Juli an im Rathaus ausgestellt - im Anschluss an die offizielle Preisverleihung. Der alte Kiosk war 2014 abgebrannt. Nachdem sich der Gemeinderat auf einen Entwurf für den Neubau geeinigt hatte, brachte ein Bürgerentscheid diese Entscheidung zu Fall. Fast 80 Prozent votierten stattdessen für einen Architektenwettbewerb.

© SZ vom 22.07.2017
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