bedeckt München 15°
vgwortpixel

Nepomuk:Nur a bisserl schmusen

Von wegen Wahlkampf: Die Kandidaten im Landkreis sind sich vielerorts so vertraut und einig, als wollten sie eher schmusen als streiten

Jetzt leb' ich schon so viele Jahrhunderte am Starnberger See und glaubt mir, hier sieht und hört man Einiges. Als politikinteressierter Wassergeist hat es mich immer zu den ganz großen Nummern der Zeitgeschichte hingezogen. Meine Verbindung zum Kini Ludwig II. muss ich ja eigentlich nicht erwähnen, Ihr wisst ja, wie nahe wir uns standen. Viele Stunden saß ich bei ihm in Berg und habe seinen Selbstgesprächen gelauscht. Zugegeben, die waren etwas verwirrend, aber in Sachen Kriegstaktik macht mir heutzutage keiner was vor! Hach, die guten alten Zeiten, da waren alle auf Konfrontationskurs. Und momentan? Da sollte der kommunale Wahlkampf im Landkreis in vollem Gange sein, ich aber komm' aus dem Staunen nicht mehr raus.

Meine Lieblings-Gautingerin, die Kössinger Brigitte von der CSU, hält Kaffeeklatsch statt Regierungserklärungen. Ihr Konkurrent in der Bürgermeisterwahl, der Jürgen Sklarek, geht da noch weiter. Erst verlässt er das sinkende Schiff der SPD, dann gründet er eine Gruppierung mit Namen "Miteinander Füreinander". Wenn ich "MiFü" nur höre, gruschtl' ich meine Kuschelrock-CDs hervor. Zu Beginn dacht' ich noch, vielleicht ist das eine der Taktiken à la Kini, wo dem Feind solange die Hand gereicht wird, bis er einem überraschend an vorderster Front gegenüber steht. Wär' ja schön, würde der Jürgen seine Gegner mit usurpatorischer Raffinesse im Wahlkampf überrumpeln. Stattdessen lädt der Chirurg zum gemeinsamen Spaziergang ein, bei dem man "Wünsche und Kritik vorbringen dürfe".

Wer denkt, Landratskandidaten wären da kampffreudiger, der hat nicht mit dem diplomatischen Frey und der grünen Neubauerin gerechnet. Wenn ich sie gerade nicht bei einem ihrer geheimen Joggingabenteuer erwische, dann stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne. Jeder, der jetzt mit Diskussionen rechnet, hat sich geirrt: Grad, dass die beiden nicht Händchen halten, während sie sich in ihren Meinungen zustimmen. Der Martina muss man aber Eines zugute halten: Sie geht ganz offen mit ihrer Kuschelneigung um, neulich hat sie sogar zum Speed-Dating eingeladen. Als großer Fan ihrer grünen Janker und eisgrauen Haare wär' ich ja gern hingegangen. Aber Nepomuka hat meine Schwärmerei natürlich gekränkt, da bin ich doch lieber daheim geblieben. Bei der ganzen Kuschelei und Einigkeit bin ich ja gespannt, wie die Wähler am 15. März entscheiden. Ganz nach dem Motto "Hauptsache einer gewinnt", wird's die Kandidaten sowieso nicht jucken, wer's am Ende wird. Ich für meinen Teil fühl' mich nun selbst ganz kuschelbedürftig und werd' erst mal die Nepomuka busseln, verspricht euer Nepomuk.

© SZ vom 15.02.2020
Zur SZ-Startseite