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Nepomuk:Begeisterter Vize

Wenn Matthias Vilsmayer den urlaubenden Landrat vertreten darf, wirkt er richtig glücklich

Kolumne von Eurem Nepomuk

Von drunt' vom See, da komm' ich her - und ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr. Ja, liebe Leut', jetzt werdet Ihr wieder denken, der spinnt doch, dieser Nepomuk. Also ich. Ist aber falsch. Ich spinne nicht, ich sticke. Fürs Fest. Lauter Tannenbäumchen, Rehlein und ein Hirsch ist auch dabei. Eine Tischdecke wird's. Für meine Nepomuka. Die mag so was. Aber sagt es ihr bloß nicht. Ist ja eine Überraschung.

Wie Weihnachten jedes Jahr. Und jedes Jahr kommt die Vorfreude darauf früher. Nein, diesmal liegt es nicht an Nikoläusen, die sich schon in den Lagern der Supermärkte stapeln, nicht an Dominosteinen und schon gar nicht an Spekulanten. Oder wie man diese komischen Mandelkekse sonst nennt.

Nein, das vorweihnachtliche Gefühl ist bei mir ausgebrochen wegen dieses speziellen Glanzes in ein paar Augen. Also in einem Paar braunen, um genau zu sein. Diese Augen gehören meinem Freund, dem Hias. Also dem Matthias Vilsmayer. Oh je, der weiß ja noch gar nicht, dass ich ihn Hias nenn'. Na ja, egal. Jedenfalls hab' ich den Hias in den vergangenen zwei Wochen ganz oft gesehen. In Gilching sowieso, da ist er ja daheim. Deshalb hatte er es nicht weit bis zur neuen Corona-Teststation, die er gleich selbst ausprobiert hat. Übrigens als Vertreter vom Landrat. Der Stefan Frey war nämlich im Urlaub. In Italien, heißt es. Und deshalb musste der Hias ran - auch beim Taiwan-Empfang des Fünfseen-Filmfestivals. Eine gute Wahl. Der Stefan kennt den ostasiatischen Inselstaat ja noch gar nicht. Und so schnell wird er da jetzt auch nicht hinkommen.

Dass er so schnell als Vize ins Landratsamt kommen würde, das hätt' wiederum der Hias mit seinen gerade mal 13 Prozent Stimmen bei der Wahl nicht gedacht. Aber dem Stefan hat er trotzdem was voraus: Er war nämlich schon mal in Taiwan. 2018 mit meinem Spezl Carlo Roth als Landrat und einer Delegation. Kein Mensch hätte sich damals vorgestellt, dass der Hias zwei Jahre später beim Empfang den Roth gibt, äh, nein, den Frey natürlich. Ich komm' schon ganz durcheinander.

Gefreut hat er sich jedenfalls riesig, der Hias. Dass er Landrat spielen darf, jedem hat er das erzählt und ganz glänzende Augen hat er dabei gehabt. Wie ein kleiner Bub unterm Christbaum. Das hat mich echt gerührt - und inspiriert. Und deshalb muss ich jetzt ganz schnell weiter sticken. Sonst schaff' ich das nie bis Weihnachten, glaubt.

© SZ vom 05.09.2020

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