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Nazi-Geschichte:Viele Jahre recherchiert

Friedrike Hellerer: "Ich bin ein furchtbar neugieriger Mensch."

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Autorin Friedrike Hellerer ist Archivarin und promovierte Historikerin.

Friedrike Hellerer interessiert sich von Jugend an für Geschichte. So liegt es nahe, nach dem Abitur auch Geschichte zu studieren. Nach drei Semestern bricht sie jedoch ab und beginnt eine Schreinerlehre, später wird sie Restauratorin und hat eine eigene Werkstatt in München. 1980 ziehen sie und ihr Mann nach Herrsching. Dort lebt die Familie mit drei Kindern sozusagen im Schatten der ehemaligen Reichsfinanzschule, heute Fachhochschule für Finanzen. Im Alter von 52 Jahren entscheidet sie sich dazu, das Studium der Bayerischen Geschichte mit Schwerpunkt Neuzeit an der LMU München fortzusetzen. "Meine Neugierde brachte mich zu meinem Magisterthema", erzählt sie, denn über die ehemalige Reichsschule im Ort war kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Seither hat sie der Nationalsozialismus auf lokaler und regionaler Ebene nicht mehr ausgelassen. Seit 2004 ist Hellerer Archivarin der Gemeinde Herrsching.

In dieser Zeit beginnt sie sich auch mit ihrer Dissertation über die NSDAP im Landkreis Starnberg, die sie ganze sieben Jahre lang beschäftigen wird. Wer jetzt glaubt, sie habe ein wenig getrödelt, der irrt gewaltig. Denn die Recherchearbeit bei diesem Thema war enorm. Allein die Sichtung der Spruchkammerakten dauert zwei Jahre, mehrmals muss Hellerer nach Berlin reisen, um im Bundesarchiv zu recherchieren. "Man entwickelt beim Studium der alten Akten ein Gespür dafür, wenn jemand beginnt, zu lügen. Nach fünf Stunden hatte man das Gefühl, man müsse dringend duschen", sagte sie bezogen auf die Spruchkammerakten, die sie wälzen musste. Natürlich musste Hellerer auch viele Zeitzeugen befragen. Manche von ihnen reagierten abweisend, einige lenkten von sich ab und sprachen über andere. Dennoch hofft die Autorin, dass "die Enkelgeneration der Täter damit umgehen kann".

Und weil sich die heute 63-Jährige so gut mit Archivarbeit auskennt und die Vernetzung der gemeindlichen Archivare vorantreibt, wird sie von kommendem Jahr an neue Archivarin des Landkreises Starnberg. Das Amt hat bislang Gerhard Hertlein inne, der zum Jahresende in Ruhestand geht.