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Nach massiven Protesten:Waldesruh' statt Steinbrecher

Protest gegen weiteren Kiesabbau im Würmtal, 2019

Die Kritik auf ein Plakat gebracht: Der Kiesabbau im Wald bei Neuried hatte schon immer viele Gegner.

(Foto: Robert Haas)

Auf Initiative von Oberbürgermeister Dieter Reiter soll auf weiteren Kiesabbau im Forst Kasten auf dem Grund der städtischen Heiliggeistspital-Stiftung verzichtet werden. Die Bürgerinitiative reagiert mit Erleichterung

Es wird womöglich keinen zusätzlichen Kiesabbau im Forst Kasten geben. Zumindest nicht auf dem Grund der Heiliggeistspital-Stiftung. Das geht aus einem Brief des Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) und einer rechtlichen Einschätzung der Regierung von Oberbayern hervor. "Das wäre der Wahnsinn", sagt Katrin Koller von der Bürgerinitiative "Wald Neuried erhalten". In den vergangenen Monaten hatten die Gegner des Kiesabbaus mit Demonstrationen ihren Standpunkt wiederholt deutlich gemacht. Bereits laufende Ausschreibungen könnten allerdings nicht zurückgezogen werden, da dies "rechtlich nicht mehr ohne Risiko hinsichtlich etwaiger Schadensersatzansprüche" möglich sei, erklärt Reiter.

Ausgangspunkt für den Protest im Würmtal war eine Ausschreibung der Heiliggeistspital-Stiftung zur Auskiesung von etwa 9,5 Hektar im Forst Kasten. Die Fläche liegt in einem sogenannten Vorranggebiet für Kiesabbau, in dem die Auskiesung bevorzugt genehmigt werden muss. Anschließend sollen die Flächen wieder aufgeforstet werden. Die Befürchtung im Würmtal: Abbau- und Transportlärm, Schadstoffe in der Luft und immer weniger Wald. Außerdem hingen weitere Abbauflächen wie ein Damoklesschwert über dem Forst Kasten. Denn die Stiftung muss ihr Eigentum bewirtschaften, um ihren Stiftungszweck zu finanzieren: den Betrieb des Altenheims Heilig Geist Altenheims in Neuhausen. Insgesamt stünden ihr im Würmtal 45 Hektar zur Verfügung, bei denen der Kiesabbau Vorrang genießt

Die Heiliggeistspital-Stiftung wird von der Stadt München verwaltet. Die derzeit laufende Ausschreibung gründet auf Beschlüssen des Stadtrats. Und da kommt Oberbürgermeister Reiter ins Spiel. Er schrieb der Bürgerinitiative um Koller, dass er die Verwaltung beauftragt habe, zu prüfen, ob es rechtlich möglich sei, "in Gänze auf den Kiesabbau im Forst Kasten als Einnahmequelle für die Stiftung zu verzichten". Dem müsse allerdings die Regierung von Oberbayern zustimmen, die als Behörde für die Stiftungsaufsicht zuständig ist. Wenn zudem das Altenheim durch die fehlenden Einnahmen nicht gefährdet sei, "wird es in Zukunft keine weiteren Eingriffe im Forst Kasten durch den Kiesabbau geben", sichert Reiter zu. "Ich habe große Sympathie dafür, die Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks künftig in anderer Form zu erwirtschaften."

Nach eben dieser Prüfung gibt die Regierung von Oberbayern dafür nun grünes Licht. Wenn sich die Stiftung dazu entschließt, "keine weiteren Kiesabbauplanungen zu verfolgen, ist dies stiftungsaufsichtlich nicht zu beanstanden", ordnet Verena Gros, Pressesprecherin der Regierung, ein. Viel eher entspreche das dem Gebot einer sicheren und wirtschaftlichen Verwaltung. Außerdem ist die Stiftung "rechtlich nicht verpflichtet, maximal mögliche Einnahmen aus ihren Grundstücken zu erzielen". Auch der Betrieb des Neuhauser Altenheims stehe einem Ende des Kiesabbaus im Forst Kasten nicht im Weg. Denn der "ist derzeit und, soweit sich dies prognostizieren lässt, auf absehbare Zeit auch gewährleistet, wenn die Heiliggeistspital-Stiftung ihre Grundstücke im Forst Kasten forstwirtschaftlich beziehungsweise durch Verpachtung der im Forst gelegenen Gaststätte nutzt", sagt Gros. Katrin Koller von der Bürgerinitiative ist über diese Entwicklung sichtlich erfreut: "Der Verzicht auf die Rodung von Forst Kasten wäre aus unserer Sicht der einzig richtige Weg." Sie wertet das angekündigte Ende des Kiesabbaus auch als politische Richtungsentscheidung. "Die Entscheidungsträger haben offenbar erkannt, dass in Zeiten von Waldsterben, Klimaerwärmung und Luftverschmutzung die Erhaltung der Wälder oberste Priorität haben muss."

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