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Gilching:Neues Zuhause für die Musikschule

Fast 50 Jahre lang haben Instrumentallehrer und ihre 1000 Schüler auf eigene Räumlichkeiten gewartet - jetzt sind sie in ein ehemaliges Pflegeheim eingezogen.

Von Christian Deussing

Das orange-rote Gebäude an der Rosenstraße ist mit Luftballons geschmückt, und die Eingangstafel ziert das Motto: "Musik gemeinsam erleben." Nach fast einem halben Jahrhundert hat jetzt die Musikschule Gilching eine Heimat mit eigenen Räumen gefunden - in einem umgebauten und komplett sanierten früheren Pflegeheim. Am Dienstag startete pünktlich der Musikbetrieb zum neuen Schuljahr: Fast tausend Schüler werden in 22 Instrument- und Vokalfächern sowie im Ballett von 36 Lehrkräften mit 1160 Belegungen unterrichtet. Die Musikschule - als gemeinnütziger Verein organisiert - ist für die Gemeinden Gilching, Weßling, Seefeld und Wörthsee zuständig und war bisher auf Räume in Schulen oder Kindergärten angewiesen. Zudem befand sich das Büro neben dem Bauhof in einem Gewerbegebiet.

Gilching Musikschule

Musikschulleiter Roland Siegel und die Zweite Vorsitzende des Gilchinger Vereins, Petra Tratberger-Zenker.

(Foto: Georgine Treybal)

Diese Misslichkeiten sind vorbei, nachdem jetzt das Haus in zentraler Lage mit bester Akustik und modernen Unterrichtsräumen bezogen wurde - wenngleich noch zum Beispiel die schweren Vorhänge für den Lärmschutz fehlen. Im zweigeschossigen Gebäude gibt es 23 Unterrichtsräume, zwei Probesäle und im Keller zwei schalldichte Schlagzeug-Übungsräume. Der ehemalige Speiseraum der Heimbewohner wurde in ein Konzertraum umgewandelt. Es seien aber wegen der Corona-Auflagen derzeit nur Einzel- und Kleingruppenunterricht mit Abstandsgebot möglich, sagt Musikschulleiter Roland Siegel. So würde neben einem Schülerklavier auch ein weiteres Klavier stehen, damit der Lehrer an den eigenen Tasten die Töne und das Spiel erklären könne, erläutert er die Vorgaben.

Gilching Musikschule

Bunt geschmückt: Die Freude über den Einzug in das ehemalige Pflegeheim an der Rosenstraße ist groß.

(Foto: Georgine Treybal)

Der 64-Jährige ist glücklich, dass sich Verwaltung und Lehrer in einem Gebäude befinden - was auch Ewald Brückner sehr begrüßt, der unter anderem dem achtjährigen Lukas das Trompetenspiel beibringt. Erfreut sind auch Josephine, die im ersten Stock zum Querflöten-Unterricht erwartet wird, während der elfjährige Christian mit seiner Konzertgitarre zum Unterricht in die Musikschule geht. Seine Mutter freut sich über den neuen Standort, der mit dem Fahrrad oder der S-Bahn jetzt besser zu erreichen sei.

"Wir sind erschöpft, aber glücklich", betont Petra Tatberger-Zenker, Zweite Vorsitzende der Musikschule. Aber noch werden einige Putzeimer und Wischtücher für den letzten Schliff benötigt. Doch es sei schön, nun "Herr im eigenen Hause zu sein" und nicht mehr alle Instrumente verstauen und wegtransportieren zu müssen, ergänzt Siegel. Er wirkt zufrieden.

Denn das jahrelange Projekt der Gemeinde hatte auch einige Molltöne und Stolpersteine begleitet, weil sich die Gesamtkosten von knapp zwei Millionen Euro nahezu verdoppelt hatten. Nach dem Auszug der Bewohner vor einigen Jahren hatte nämlich der beauftragte Architekt Clemens Pollok erhebliche Mängel im Brandschutz und in der Bausubstanz des früheren Seniorenheims entdeckt. Es kam deswegen - und aufgrund der galoppierenden Kosten - zu einem Baustopp, weiteren Verzögerungen und behördlichen Auflagen. Doch danach trieb die Gemeinde das Vorhaben voran, um das musikalisch-kulturelle Angebot in der Region attraktiver zu machen.

© SZ vom 09.09.2020

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