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Mitten in Herrsching:Christkindlmarkt statt Lebkuchen

Ja, die Tage werden kürzer, aber Lebkuchen stehen gottlob noch keine in den Regalen. Doch dann traut man seinen Augen kaum: Wer beim Christkindlmarkt dabei sein will, muss sich jetzt schon anmelden. Es ist August!

Woran erkennt man den August? Nein, nicht an den leeren Straßen. Auch nicht an den bereits kürzeren Tagen. Nicht am Nebel, der frühmorgens über den Wiesen zu schweben scheint. Und schon gar nicht an der Daunenjacke, die man sich überzieht, will man abends noch auf der Terrasse sitzen. Vom Kamin, der bereits bisweilen brennt, der dickeren Bettdecke, die man vorsorglich schon mal rausgekramt hat und vom Wollschal, den man sich nachts um den Hals wickelt, weil sich eine Erkältung ankündigt, mal ganz zu schweigen.

Trübsinnig könnte man da werden. Das alles hat doch im August, mitten in den Sommerferien, nichts verloren. Schon gar nicht mitten im Kampf gegen die Pfunde des vergangenen Winters, den man noch immer nicht gewonnen hat. Deshalb steuert man auch seit Tagen schon beim Einkaufen im Supermarkt nur mehr die Obst- und Gemüseabteilung an, rast dann direkt, ohne nach links oder rechts zu blicken, an die Kasse, um den Ort so schnell wie möglich zu verlassen, an dem, typisch für August, ernsthafte Gefahr droht - in Form von Lebkuchen und Dominosteinen. Doch oh Wunder! Denn irgendwann trifft man auf die Nachbarin, und während eines kleinen Plausches mit ihr hebt man den Kopf, die Augen wandern und sehen: Nichts. Gar nichts. Zumindest keine Plätzchen oder sonstigen weihnachtlichen Süßkram. Endlich, denkt man, ist der Einzelhandel schlauer geworden, hat den Irrsinn, im Hochsommer Weihnachtsgefühle verbreiten zu wollen, aufgegeben.

Entsprechend froh gestimmt steigt man ins Auto, dreht das Radio an - und was hört man? Die Nachricht, die Stadt Erding suche dringend einen Christbaum für ihren Schrannenplatz. Man beschließt, nie mehr Radio zu hören und reißt das Gerät kurzerhand aus der Konsole. Zur Beruhigung der angeschlagenen Nerven schlägt man zuhause die Tutzinger Nachrichten auf. Und was ist dort zu lesen? Die evangelische Kirchengemeinde fordert Bürger auf, beim Weihnachtsspiel mitzuspielen, Probenbeginn sei der 18. September. Das Ding wird sofort zerrissen und im Kamin verheizt. Um sich abzulenken, setzt man sich vor den PC. Was erscheint im Mailprogramm? Eine Meldung der Gemeinde Herrsching des Inhalts, dass sich doch bitte diejenigen, die für den Christkindlmarkt am dritten Adventswochenende einen Stand ergattern wollen, jetzt bewerben sollten.

Wäre nicht der Gedanke in den Kopf geschossen, mal nachzusehen, ob es bald schneit, wäre das Ding gleich postwendend aus dem Fenster geflogen. Doch der Wetterbericht verheißt Badewetter, sogar Sonnenschein. Es ist also doch noch Sommer. Sogar im August.