Martinsried:Leuchttürme für die Wissenschaft

Die Max-Planck-Gesellschaft will bis 2033 ihre Siebzigerjahre-Flachbauten auf dem Campus durch mehrstöckige Gebäude ersetzen. Der Umbau soll Flächen entsiegeln und kurze Wege zur U-Bahn ermöglichen

Von Rainer Rutz, Martinsried

Der Campus in Martinsried wird in den nächsten zehn Jahren komplett sein Gesicht verändern. Alle Gebäude der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) werden sukzessive abgerissen und durch neue ersetzt. Die Devise heißt: "U-Bahn-orientierte neue wissenschaftliche Ausrichtung internationaler Spitzenforschung: ein komplett erneuerter Campus", sagte Christoph Nagel-Hirschauer von der deutschen MPG-Generalverwaltung am Dienstag den Planegger Gemeinderäten. Finanziert wird das Mammutprojekt mit 500 Millionen Euro, die der Freistaat aus Sondermitteln ausschließlich für den Martinsrieder Campus zur Verfügung stellt.

Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie

In die Jahre gekommen sind die Gebäude der Max-Planck-Institute.

(Foto: Florian Peljak)

Seit mehr als einem halben Jahrhundert bilden die Institute der Max-Planck-Gesellschaft in Martinsried das Herz des weitläufigen Campus mit Universitäten, Bio-Zentrum und dem Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB). Die Bausubstanz der 50 Jahre alten flachen Gebäude zeige starke Abnutzungsspuren, sagte Nagel-Hirschauer im Gemeinderat. Der Bau der U-Bahn von Großhadern auf den Campus habe die Überlegungen der MPI-Verantwortlichen für eine Total-Lösung beschleunigt: "Wir wollen ökologisch orientierte, möglichst klimaneutrale neu ausgerichtete wissenschaftliche Einrichtungen schaffen, ein internationales Leuchtturmprojekt moderner Biowissenschaft." Die Devise heiße "hin zur U-Bahn", und damit verbunden sei auch ein Mobilitätskonzept, das sich "weg vom Pkw" bewege und kurze Wege anstrebe. Die MPG habe in der Vergangenheit das "vorhandene Baurecht nicht ausgenutzt", letztlich gehe es um die Neubebauung einer Fläche von 75 000 Quadratmetern. Und: "Wir wollen weniger Bodenfläche verbrauchen. Das heißt, wir werden etwas in die Höhe bauen, vier bis fünf Stockwerke." Die derzeitige Bauart mit flachen Gebäuden bedeute "mehr Versiegelung" und sei "nicht zukunftsorientiert".

Tag der offenen Tür an den Max-Planck-Instituten (MPI)

Tage der offenen Tür ziehen seit Jahren viele Besucher an.

(Foto: Johannes Simon)

Geplant sei von 2026 an - gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der U 6 - "ein abschnittsweiser Rückbau". Kleinere Gebäudeteile - etwa das Tierhaus - könnten weiter genutzt werden, auch an den vorübergehenden Einsatz von Containern sei gedacht. "Wir haben ja viel Platz", sagte Nagel-Hirschauer. Der Betrieb werde jedenfalls "weiterlaufen", auch wenn man mit Einschränkungen rechne. Zuerst werden in zwei Bauabschnitten die Neubauten errichtet, erst dann folgt der schrittweise Umzug. Man denke auch an Provisorien. Geplant ist zudem ein neues Boarding-Haus. Die Gemeinde spielt eine zentrale Rolle in der Planung. Für das Aufstellen des Bebauungsplans sind nur zwei Jahre vorgesehen - "ein sportliches Unterfangen", so Ursula Janson vom Bauamt. Wenn es nach den Wünschen von Nagel-Hirschauer geht, der auch Architekt ist, wird ein neues Rechenzentrum Vorrang haben. Dazu kommt ein "eigener Stromversorgungscampus", Verhandlungen mit den Stadtwerken laufen. Die Kindertagesstätten werden bald durch Provisorien ersetzt. Ob es ein europäisches Vergabeverfahren und Architektenwettbewerbe geben wird, konnte Nagel-Hirschauer noch nicht sagen.

Martinsried: Kinder sind ebenso begeistert vom Tag der offenen Tür.

Kinder sind ebenso begeistert vom Tag der offenen Tür.

(Foto: Stephan Rumpf)

Gemeinderäte aller Fraktionen und Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) zeigten sich angetan. Nafziger glaubt an eine "Win-win-Situation" für alle Beteiligten. Mehrere Redner und Rednerinnen lobten die Absicht, durch höhere Gebäude weniger Platz zu verbrauchen. Nagel-Hirschauer versicherte, es seien "keine Hochhäuser" geplant, ökologische Gesichtspunkte würden "sehr hoch" bewertet. Bis 2033 soll alles fertig sein.

© SZ vom 30.07.2021
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