Literaturpreis in Starnberg:Absurd, amüsant und spannend

Starnberg Undine Literaturpreis

Verleihung des Starnberger Literaturpreises "Undine" im historischen Bahnhof mit (v.li.): Skye Dixon, Wolfgang Bartelmann, Anna Funke, Tina Bartelmann, Leopold Hann, Alexander Scheuerer, Johanna Fischer, Susanne Schmidt, Charlotte Rosenbusch, Yannick Schoening, Katja Fischer und Tobias Hartmann.

(Foto: Georgine Treybal)

Beim Wettbewerb "Starnberger Undine" würdigt die Jury das hohe Niveau der Beiträge.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

"Vorher - Nachher" lautete dieses Jahr das Motto des Literaturpreises "Starnberger Undine", der am Sonntag im Kulturbahnhof vergeben wurde. Der 2014 ins Leben gerufene Preis wird alle zwei Jahre an erwachsene und jugendliche Autoren aus der Region vergeben, deren Werke noch nie veröffentlicht wurden. Die Preise gingen an Stefan Reuter (Starnberg), Susanne-Leontine Schmidt (Utting) und Alexandra Scheuerer (Wangen), der Jugendpreis ging an die zwölfjährige Anna Funke. Den Preis für die neue Kategorie "Schreibwerkstatt Klasse" gewann die Klasse 5b des Gymnasiums Tutzing. Die Veranstaltung, zu der neben Angehörigen der Preisträger auch Kommunalpolitiker und Sponsoren eingeladen waren, wurde musikalisch untermalt von Katharina Schuller an der Geige und Felicitas Balzer am Klavier.

Der Literaturpreis ist von Wolfgang Bartelmann (Buchhandlung "Bücherjolle") zusammen mit Ernst Quester, Herausgeber der "Starnberger Hefte", initiiert worden, um Interesse an Literatur zu wecken und Nachwuchstalente zu fördern. Die vierköpfige Jury hatte viel zu lesen: Mehr als 70 Texte wurden eingereicht, darunter 61 Einzel- und 13 Gruppenbeiträge - eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber 2016. Das Niveau war laut Quester sehr hoch: Es habe viele gute Geschichten gegeben, die Auswahl sei schwer gefallen. Das Preisgeld war mit 100 bis 500 Euro dotiert. Nach Angaben der Herrschinger Autorin und Jury-Vorsitzenden Karin Schreiber hatten manche Themen betroffen gemacht: Erzählungen vom Verlust eines Menschen, von Arbeitssuche oder schwerer Krankheit. Andere Texte, insbesondere von Kindern, seien voll unbeschwerter Lebensfreude gewesen. Schreiber weiß, dass das geschriebene Wort unterhalten, heilen oder provozieren kann. Immer jedoch brauche es Erfahrung, Vertrauen und Geduld sein eigenes Wort zu finden, sagte sie. "Nichts kann die Welt so verändern wie Worte, die Herz und Verstand ansprechen", sagte Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig.

Viel Beifall bekamen die absurden, überaus amüsanten und spannenden Geschichten der beiden ersten Preisträger. Stefan Reuter selbst war verhindert, für ihn las Theaterwissenschaftsstudent Alexander Granzer den Beitrag "Im Kaufhaus" vor, der mit der abstrusen Frage "können Socken regnen lassen" beginnt. Ebenso kurios: "Das letzte Hemd" von Kinderbuchillustratorin Susanne Leontine Schmidt. Hier tauscht die Protagonistin ihr menschliches Dasein mit dem einer Kuh. In "Duft der Erinnerung" beschreibt Alexandra Scheuerer die Werkstatt des Großvaters, die für einen Manager zur Oase des Friedens wird. Anna Funke (Landschulheim Kempfenhausen) beschrieb Nöte eines Borstenpinsels, der sich nicht entscheiden kann, in welcher Farbe er malen soll. Quester betonte, die beeindruckte Jury habe sich gefragt, ob die "artistische" Schilderung tatsächlich von der Zwölfjährigen geschrieben worden sei. Ein fantastisches Märchen ersann die 5d des Tutzinger Gymnasiums, vorgetragen von Charlotte Rosenbusch und Leopold Hann. Die Schüler heimsten einen Geldpreis und Buchgutscheine ein; zudem dürfen sie den Landtag besuchen.

Die Undine-Beiträge werden in einem "Book on Demand" veröffentlicht, die Autoren zur "Blind-Date-Lesung" (7. September; Bücherjolle) eingeladen.

© SZ vom 24.07.2018
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