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Leben um Jahre verlängert

Zu "Neue Klinik löst riesigen Streit aus" vom 16. April und "Bürger entscheiden über Klinik" vom 22. April:

Naturschutz ist ohne Zweifel wichtig und bei solchen umfassenden Entscheidungen zu berücksichtigen. Aber es gibt auch noch den Menschen und eine lebensnotwendige gesundheitliche Versorgung. Anscheinend sind die Familien des Bund Naturschutz und der Bürgerinitiative Eichenallee in Watte gepackt und haben die Vorzüge der ortsnahen medizinischen Versorgung noch nicht in Anspruch nehmen müssen. Wir durchaus und zwar in allen Bereichen.

Blinddarm, Schilddrüsen-OP, Motorradunfall, gebrochener Arm konnten alle in Seefeld versorgt werden. Meine Mutter hätte die letzten Jahre ihres Lebens nicht mehr genießen können, wenn Sie nach einem Schlaganfall und Herzstillstand nicht sofort in der Schindlbeck-Klinik behandelt worden wäre. Sie ist mehrfach mit dem Sanka den kurzen Weg von ihrer Herrschinger Wohnung in die Schindlbeck-Klinik gefahren und bestens versorgt worden. Diese Ortsnähe hat ihr Leben um einige Jahre verlängert. Für uns Seefelder waren es kurze Wege, um schnell für unsere Familie zur Stelle zu sein.

Wir könnten uns glücklich schätzen, auch weiterhin und noch dazu mit dem neuesten Standard vor Ort medizinisch versorgt zu werden. Anhand der aufgeführten Notfalleinsätze von allein 8000 jährlich in Seefeld kann man wohl kaum eine Überversorgung behaupten. Die Gesundheit und bestmögliche Versorgung für unseren Landkreis stelle ich weit höher, als 25 000 Quadratmeter Fläche aus dem Landschaftsschutz zu nehmen. Weiterentwicklung ist in diesem Fall ein deutlicher Gewinn für uns alle.

Imke Friedrich, Seefeld

Hoher Stellenwert für Gesundheit

Als Gilchinger musste ich vor einiger Zeit selbst den Rettungsdienst und die Dienstleistungen des Seefelder Krankenhauses in Anspruch nehmen. Deshalb ärgere ich mich, wenn in der Diskussion um den geplanten Standort eines neuen Krankenhauses das Schlagwort vom "Flächenfraß" auftaucht. Wer so argumentiert, vergisst, dass jede gemeinwohlorientierte Entscheidung nur dann möglich ist, wenn vorher eine sorgfältige Gewichtung der Argumente stattgefunden hat. Gerade in der jetzigen Zeit einer Pandemie dürfte uns doch allen bewusst sein, welchen Stellenwert unsere Gesundheit und Einrichtungen unserer Gesundheitsvorsorge für unseren Landkreis haben.

Ulrich Ellwanger, Gilching

Politik muss umdenken

Vor erst vier Jahren haben sich sowohl die Bürger der Gemeinde Seefeld als auch die Regierung von Oberbayern gegen den Bau eines neuen Krankenhauses im Landschaftsschutzgebiet Aubachtal ausgesprochen. Jetzt tritt zu Tage, dass die Gemeinde nun wieder den Anlauf unternimmt. Jetzt aber nicht mehr unter Einbeziehung der Bürger, jetzt aber nicht mehr nur 120, sondern gleich 200 Betten. Was aber gleich geblieben ist: ein Neubau in einem Landschaftsschutzgebiet.

Offensichtlich interessiert das seinerzeitige Votum der Bürger und der Regierung von Oberbayern nicht mehr. Dass sich nun aber der Seefelder Bürgermeister Klaus Kögel und der Klinikchef Thomas Weiler hinstellen und die initiierte Petition derart verteufeln, von einer "präventiven Eskalation" und "totalem Wahnsinn und schlimmster Demagogie" sprechen, zeigt eine offensichtliche Dünnhäutigkeit und erscheint maßlos übertrieben.

Das Vorgehen und die Reaktionen zeugen von der mangelhaften Empathie der Politik gegenüber den Sorgen und Ängsten der Bürger. Ein weiteres Mal wird das demokratische Verständnis der Bürger missachtet und es ist nicht erkennbar, dass die Politik gerade aus den letzten Monaten der Pandemie etwas gelernt hat - die Achtung unserer Natur, unseres Lebensraums und die Achtung des Anspruchs der betroffenen Bevölkerung, in weitreichende Entscheidungen im Vorfeld einbezogen zu werden. Aber Bürgermeister anderer Gemeinden werden einbezogen. Und die sind dafür! Klar, das neue Krankenhaus soll ja auch nicht in ihrer Gemeinde stehen und dort die Natur zerstören...

Bevor also über Steuergelder mit dem Ankauf von Grundstücken Tatsachen geschaffen werden, die sich gegebenenfalls nicht durchsetzen lassen, frei nach dem Andi-Scheuer-Maut-Prinzip, sollten alle Fakten auf den Tisch: Was ist an den bestehenden Standorten in Seefeld und Herrsching konkret möglich, was nicht? Was kosten diese Maßnahmen? Was ist der ökologische Preis eines Neubaus, wie wirkt sich ein Neubau auf den Verkehr auf etc.? Viele Fragen, die es zuerst zu beantworten und den Bürger vorzustellen gilt. Partikularinteressen dürfen keinen Platz haben. Es wird Zeit, dass ein Umdenken in der Politik stattfindet.

Oliver Frank, Seefeld

© SZ vom 23.04.2021
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