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Landkreis Starnberg:Plädoyer fürs 365-Euro-Ticket

Schülersprecher, Grüne und FDP bestürzt über geplante Vertagung

Von Sabine Bader, Starnberg

Der jüngste Beschluss des Starnberger Kreistags, die Einführung des 365-Euro-Jahrestickets im MVV zu vertagen, hat parteiübergreifend Entrüstung ausgelöst. Das Ticket wäre vor allem für Schüler und Auszubildende attraktiv. Jusos, Grüne und Liberale appellierten an CSU-Landrat Karl Roth, trotz finanzieller Auswirkungen der Coronakrise im Landkreis am bisherigen Einführungstermin des Tickets zum 1. August festzuhalten.

Für Landesschülersprecher Joshua Grasmüller vom Gymnasium Kempfenhausen wäre es "definitiv die falsche Stelle, um Geld zu sparen". Schließlich würde die finanzielle Lage vieler Familien, die monatlich hohe Schulwegkosten auf sich nehmen müssten, durch die Coronakrise noch verschärfen.

Kreisrätin Anne Franke appelliert ebenfalls an Roth, am 365-Euro-Ticket festzuhalten. Bei allem Verständnis für die wirtschaftlichen Sorgen sollte man "das Vertrauen der jungen Generation in unsere politischen Entscheidungen nicht aufs Spiel setzen", findet sie. Ebenso sieht es die FDP-Fraktion im Kreistag. Oswald Gasser stellt darum "trotz wirtschaftlicher und sozialer Bedenken" den Antrag, das 365-Euro-Ticket wie geplant einzuführen. Das Ticket sei ein "wichtiger Beitrag zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs" und des Klimaschutzes. Sorge bereitet den Liberalen, dass die von der Schulwegkostenfreiheit erfassten Schüler das Ticket gratis erhalten, während andere Schüler voll bezahlen müssten. Darüber hinaus regt die FDP an, den zirka 1200 Auszubildenden das Ticket kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Gut möglich, dass die Kritiker bei Roths Nachfolger Landrat Stefan Frey in dieser Sache offene Türen einlaufen. Schließlich hatte der kürzlich im Interview mit der SZ erklärt, dass der Landkreis auch nach seiner Ansicht an der Einführung des Tickets festhalten und seinen Beitrag leisten sollte. "Wir sollten da nicht außen vor bleiben", sagte Frey.

© SZ vom 17.04.2020

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