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Kunst:Türchen öffnen und staunen

Der Starnberger Verein "Die Roseninsel" präsentiert als Ersatz für die gestrichene Jahresausstellung einen Online-Adventskalender mit 31 Werken seiner Mitglieder. Los geht's an diesem Dienstag

Von Katja Sebald, Starnberg

"Corona ist für uns Fluch und Segen zugleich", sagt Vivien Rathjen, die Vorsitzende des Kunstvereins "Die Roseninsel". Geflucht haben die Vereinsmitglieder vermutlich, als ihre Jahresausstellung Anfang November ersatzlos gestrichen wurde. Als Segen aber hat sich das kreative Potential erwiesen, das durch diese Absage freigesetzt worden ist: Erstmals präsentiert sich die Starnberger Künstlervereinigung in diesem Jahr mit einem "Online-Adventskalender XXL".

Die traditionelle Mitgliederausstellung ist seit vielen Jahren das Highlight im Vereinsleben und für viele der Hobbykünstler die einzige Möglichkeit, sich mit ihren Werken einem größeren Publikum zu präsentieren. Workshops, Filmabende, Vorträge und ein Künstlergespräch gehören ebenfalls zu diesem von langer Hand geplanten Event, das jedoch dieses Jahr dem "Lockdown light" zum Opfer gefallen ist. "Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und den Verein in der Öffentlichkeit präsent zu halten", sagt Rathjen.

Das "Beste" ist nun nicht mehr und nicht weniger ein Online-Adventskalender in Größe XXL, den Rathjen in der kurzen Zeit seit der Absage der Ausstellung selbst programmiert und befüllt hat. Um möglichst vielen Vereinsmitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich mit einem Kunstwerk zu präsentieren, beginnt der "Countdown" bis Weihnachten anders als üblich schon am 24. November. Es gibt also insgesamt 31 virtuelle "Türchen" zum Öffnen - natürlich jeden Tag nur eins.

Dahinter erwartet die Besucher der Vereins-Website das Foto eines Kunstobjekts und dazu ein passender "Spruch des Tages", verrät Rathjen. Hinter manchen Türen verbergen sich zusätzlich Quizfragen zu Themen rund um Starnberg und den Starnberger See. Wer nicht nur Türchen öffnen und staunen, sondern auch am Gewinnspiel teilnehmen will, muss natürlich seine Kontaktdaten hinterlegen. Am 24. Dezember ist es dann so weit: Zur Bescherung werden ein Büchergutschein und verschiedene kleine künstlerische Unikate verlost. Es sind laut Rathjen "hübsche Nettigkeiten, natürlich nichts Großes".

Für die Kunsthistorikerin war die Herstellung des Kalenders eine spannende Erfahrung. Auch wenn sie dabei auf vorgefertigte Templates zurückgreifen konnte, musste sie sich doch erst einmal in das Thema "reinfuchsen". Aber sie sieht das durchweg positiv: "Zunächst wollte ich dem Verein und natürlich auch den Betrachtern damit ein kleines Geschenk machen, sozusagen eine Jahresausstellung in anderer Form."

Daraus hätten sich positive Nebeneffekte ergeben: Die Mitglieder haben sich zu kleinen Teams zusammengetan und sich gegenseitig geholfen, die Kunstwerke zu fotografieren. Manche der weniger versierten Älteren brauchten auch Unterstützung, um die Bilddateien zu verschicken. "Ich habe das Gefühl, wir sind durch die veränderte Situation als Gemeinschaft noch enger zusammengewachsen", sagt Rathjen. Der 1983 gegründete Kunstverein hat sich dem Austausch zwischen Autodidakten, Kunsthandwerkern, künstlerischen Profis und Kunstinteressierten verschrieben, er versteht sich explizit auch als Bildungsplattform. "Corona hat uns gezwungen, Berührungsängste zu überwinden und neue Wege zu gehen", so Rathjens Fazit. Aber alles kann man natürlich nicht ersetzen: In der Jahresausstellung hätten rund sechzig Mitglieder ihre Arbeiten gezeigt, nur die Hälfte von ihnen ist nun auch im Kalender vertreten. "Aber vielleicht lässt sich ja noch etwas nachholen, zumindest die Workshops und Vorträge", sagt die optimistische Vorsitzende.

Der Adventskalender und alle Informationen zu den Teilnahmebedingungen finden sich unter www.dieroseninsel.de.

© SZ vom 24.11.2020
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