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Kultur:Raumgestalten und Magnolien

Angela Sommerhoff bestreitet mit ihren Bildern die Ausstellung beim Kleinen Sommerfestival in der Gautinger Remise. Bildhauerische Arbeiten von Felix Flesche und Ulrich Schweiger ergänzen die Schau in dem charmant-morbiden Gebäude

Gauting: Remise Ausstellung von Angela Sommerhof, Felix Flesche und Ulrich Schweiger

Sie scheinen zu tanzen und zu springen, die "Raumgestalten" von Ulrich Schweiger.

(Foto: Nila Thiel)

Seit langem wird das "Kleine Sommerfestival" in der Remise von Schloss Fußberg, für dessen musikalische Ausgestaltung Florian Prey verantwortlich zeichnet, alljährlich auch von einer Kunstausstellung begleitet. In diesem Jahr wurde sie erstmals von Marianne Burkhardt und Helmut Pütz organisiert. Sie haben die Malerin Angela Sommerhoff eingeladen, zusammen mit den beiden Bildhauern Felix Flesche und Ulrich Schweiger das charmant-morbide Gebäude mit Kunst zu bespielen. Entstanden ist ein sommerlich luftiges, aber keineswegs belangloses Arrangement aus ungegenständlicher Farbmalerei und figürlichen wie auch abstrakten bildhauerischen Arbeiten. Bedauerlich ist dabei allenfalls, dass Felix Flesche seine wenigen Exponate in einer Ecke des Raums versammelt hat und sich nicht mehr "Bewegende Begegnungen - zwischen Form & Farbe", so der Ausstellungstitel, ergeben haben.

Flesche, geboren 1969, widmet sich seit vielen Jahren neben seiner Arbeit als Architekt der Bildhauerei. Seine plastischen Arbeiten setzen sich aus minimalistischen kubischen Formen zusammen. Bestimmendes Thema ist das Verhältnis von Volumen und "leerem" Raum, von Zwischenraum und Außenraum. Alle Arbeiten sind zunächst abstrakt gedacht, sie spielen mit Proportionen, mit ihrer Umgebung und mit den Gesetzen der Statik. Sie sind aber auch dem Menschen verpflichtet. Man könnte beinahe sagen, sie stehen für den Menschen und die Fragen des Menschseins, vor allem, aber nicht nur, wenn sie als Gruppen präsentiert werden. So bilden die beiden aus jeweils zwei rostigen Quadern bestehenden "Figuren" im Garten vor der Remise ein einander zugeneigtes Paar - und eines der anrührendsten Exponate in dieser Ausstellung.

Gauting: Remise Ausstellung von Angela Sommerhof, Felix Flesche und Ulrich Schweiger

Angela Sommerhof und Ulrich Schweiger stellen gemeinsam mit Felix Flesche(nicht im Bild) in der Gautinger Remise aus.

(Foto: Nila Thiel)

Auch Ulrich Schweiger, Jahrgang 1970, beschäftigt sich in seiner bildhauerischen Arbeit ausschließlich mit dem Thema Mensch, nicht mit dem anatomischen Menschen, sondern "mit dem Wesen Mensch", wie er sagt. Seine aus dünnen Metallplatten geschnittenen, gebogenen und geknickten, in verschiedenen Farben lackierten oder mit feiner Rostschicht überzogenen Figuren sind Bewegungsskizzen im Raum: Es geht ihm nicht um die Darstellung von Körpern, sondern um die Darstellung ihrer Bewegungen - und zwar durchaus auch im übertragenen Sinn. "Raumgestalten" nennt er seine schreitenden, springenden, sich drehenden oder sich reckenden Menschlein. In der Remise haben manche von ihnen in Erwartung der noch anstehenden Konzerte Musikinstrumente dabei oder sie üben bereits Tanzschritte. Mit diesen gleichsam körperlosen "Raumgestalten" bringt Schweiger das grundsätzliche Problem aller plastischen Kunst auf den Punkt, nämlich die Beziehung zwischen Objekt und Raum: Durchblicke und umschlossene Leerräume bestimmen die Aussage einer solchen Minimalfigur wesentlich. Der Betrachter, der sie umrundet, kann ganze Bewegungsabläufe wahrnehmen - sozusagen "gleichzeitig".

Besonders reizvoll wirken die Choreografien der "Raumgestalten" nun vor den Bildern von Angela Sommerhoff, mit denen sie auch farblich korrespondieren. Die 1970 geborene Künstlerin studierte in Wien Malerei und Bildhauerei. Musik und Gedichte seien ihre Inspirationsquelle, erklärt Sommerhoff. Hinter einigen der in Gauting gezeigten Bildern steht aber ein konkreter literarischer Text: Ein Aphorismus von Jochen Mariss etwa gab Anlass zu einem Bild, das sich mit dem Wachsen beschäftigt. Ein blühender Magnolienbaum diente als Inspiration für ein Bild in leuchtenden Pink- und Rosatönen. In dieser Ausstellung überzeugt sie vor allem mit einer dreiteiligen Bildserie, die zu Peter Handkes Gedicht an die Dauer entstand: Jedes der drei Hochformate besteht aus nichts als quer verlaufenden luziden, aber trotzdem ungemein vielschichtigen Farbstreifen, deren Klänge spannungs- und zugleich ruhevoll anmuten.

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