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Kultur:Bayer trifft Bäsle

Das Carl Orff Fest wirft seine Schatten voraus; Carl Orff Fest 2019

Das Hotel Kaiserin Elisabeth in Feldafing zählt heuer zu den Fest-Spielstätten. Das freut (v.li.) Veranstalter Florian Zwipf-Zacharia, Pianistin Margarita Oganesian, Hoteldirektorin Erika Borchert und Komponist Wilfried Hiller.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Beim zweiten Orff-Fest steht neben Werken des Münchners Musik von Mozart im Zentrum. Von diesem Wochenende an sind 14 Veranstaltungen geboten

"Für mich kommt nur Mozart in Frage": Mit diesen Worten habe Carl Orff auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks zur Sendereihe "Komponisten machen Programm" reagiert, sagt Wilfried Hiller. Und zum Gedenkgottesdienst nach seinem Tod 1982 hatte sich der Komponist der weltberühmten "Carmina Burana" ausdrücklich Mozarts Requiem gewünscht, ergänzt Florian Zwipf-Zaharia. Für den Veranstalter und den ehemaligen Orff-Schüler, BR-Redakteur sowie jetzigen Vorsitzenden der Carl Orff-Stiftung, Hiller, lag es also auf der Hand, das diesjährige Carl-Orff-Fest unter das Thema "Exsultate - Carl Orff und Wolfgang Amadeus Mozart" zu stellen. Von 27. Juli bis 11. August sind 13 Veranstaltungen vorgesehen.

"Wir wollen in die Region gehen - auch wenn wir so dem Ammersee ein bisschen abtrünnig werden", sagte Zwipf-Zaharia bei der Vorstellung des Programms. So könne man "nicht nur hohe Kunst, sondern auch sehenswertes Ambiente" bieten: Etwa im Feldafinger Hotel "Kaiserin Elisabeth", wo am 2. August nach einem Drei-Gänge-Menü eine musikalische Lesung serviert wird. Die Schauspieler Michael Grimm und Max Pfnür rezitieren aus Orff-Texten und Mozarts deftigen Bäsle-Briefen, Rebekka Hartmann (Violine) und Hiyoli Togawa (Viola) spielen Werke der beiden Komponisten. Die Höhepunkte des Programms werden allerdings wieder im Florianstadel des Andechser Klosters geboten. Dort wird an drei Terminen Orffs kaum bekannter Bühnen-Erstling "Gisei - Das Opfer" gezeigt: Das Jugendwerk aus dem Jahr 1913 ist erst nach seinem Tod freigegeben und 2010 in Darmstadt uraufgeführt worden. Auf der Grundlage eines altjapanischen Puppenspiels hat Orff im Alter von 18 Jahren eine spätromantische Oper geschaffen, um sich "als Anti-Wagnerianer Debussy und exotischen Stoffen zuzuwenden", wie Zwipf-Taharia erläuterte. "Gisei" sei in der Grundtonart d-Moll gehalten, in der auch die "Carmina" beginnen. In der gleichen Tonart ist auch Mozarts 20. Klavierkonzert in d-moll, KV 466 verfasst, das zu "Gisei" erklingen wird. Solistin Margarita Oganesjan freut sich sehr, das musikhistorisch bedeutende, erste sinfonische Klavierkonzert Mozarts spielen zu dürfen, wie sie sagte. Unter der Regie von Zwipf-Zaharia treten mit ihr am 8., 10. und 11. August unter anderem Tänzer des Gärtnerplatztheaters, der Münchener Bach-Chor und die Münchner Symphoniker auf.

"Ursprünglich wollten wir diesmal nicht die Carmina Burana spielen", sagte Zwipf-Zaharia. Doch dann seien so viele Anfragen eingegangen, dass Orffs populärstes Werk nun doch zum Festauftakt als Jugendprojekt aufgeführt wird. Auf der Suche nach Mitwirkenden habe man alle Gymnasien und Realschulen in Bayern angeschrieben. Nun erhalten 150 Sänger und Sängerinnen aus sechs Schulen sowie 75 Mitglieder der Jungen Philharmonie Oberschwaben Gelegenheit im Florian-Stadel aufzutreten - mit Solisten wie dem Bariton Thomas E. Bauer, der schon an der Mailänder Scala gesungen hat. Im Konzert am 27. Juli wird auch Mozarts Motette Exsultate zu hören sein, die Veranstaltung ist allerdings - als einzige bislang - ausverkauft.

Am Tag darauf spielt in Andechs der junge Ausnahme-Pianist Kit Armstrong, der gerade erst bei den Feldafinger Musiktagen gastierte. Er wird vier Klaviersonaten und eine Fantasie von Mozart sowie Orffs "Gassenhauer" interpretieren. Zum "Tag der Kirchen" am Samstag, 3. August, werden unter anderem Orffs "Concento di Voci" mit Chören aus dem Fünfseenland ertönen: In Sankt Johann in Inning und in der Wallfahrtskirche singen unter Leitung von Anton Ludwig Pfell der Chor der Pfarreiengemeinschaft Ammersee Ost sowie das Andechser Ensemble mit seiner scheidenden Dirigentin Sul bi Yi. Außerdem werden Solisten des Salzburger Mozarteums erwartet. Das Finale zum Orff-Kompositionswettbewerb findet am Dienstag, 6. August, mit den Organistinnen Angela Metzger und Sul Bi Yi in der Uttinger Kirche Mariä Heimsuchung statt.

Die Grenzregionen zwischen E- und U-Musik erkunden die Münchner Symphoniker und Mulo Francels Quadro Nuevo am 7. August: Der Abend im Florianstadl ist mit "Die Gedanken sind frei - Volkslied reloaded" überschrieben. Weiter stehen zwei Liederabende im Andechser Bibliothekssaal an: Am 9. August heißt das Motto "Eiland und Luise", am 4. August singen Josephine Renelt und Ogulcan Yilmaz begleitet von Margarita Oganesjan Arien und Opernszenen von Mozart und aus Orffs "Die Kluge". Zur Matinee am selben Tag bestreitet dieses Trio ein Familienkonzert.

Anders als 2018, als zu elf Veranstaltungen 2400 Besucher gezählt wurden, sind nun "fast in jedem Konzert Stimmen zu hören", sagt Hiller. Aber auch heuer runden Dokumentarfilme über Orff, eine Führung durch sein Schaffensreich im Ziegelstadel und ein Vortrag über "Gisei" in Dießen das Festival ab.

Karten gibt es bei München Ticket unter Telefon 089/5481 8181. Das übertragbare Festival-Ticket für alle Vorstellungen kostet 150 Euro.