Konzert:Beatles neu gedacht

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Seefeld: Schloss Sudhaus: The Rick Hollander Quartet

Mit ganz eigenem Klang: Das "Rick Hollander Quartet" beim Auftritt im Seefelder Sudhaus.

(Foto: Nila Thiel)

Das "Rick Hollander Quartet" mit Musik der Fab Four in Seefeld

Von Reinhard Palmer, Seefeld

Einen Tonträger als Vorlage aufzugreifen, der noch zwei Seiten hatte und daher zum Abspielen gewendet werden musste, ruft natürlich in erster Linie eine Generation auf den Plan, die schon für Nostalgie empfänglich ist. Obgleich auch die heutige Musik viel vom Vermächtnis dieser Zeit profitiert. Natürlich war 1967 das Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" der damals längst weltweit bekannten Beatles auf der Höhe der Zeit. Nicht zuletzt, weil es den damals gerade neu propagierten Psychedelic Rock aufgriff. Der Drummer Rick Hollander wagte das Experiment, die Musik des Erfolgsalbums, das bis heute gut 32 Millionen Mal über den Ladentisch ging, in zeitgemäßen Jazz zu übertragen. Allerdings erst nachdem sie im Sudhaus des Seefelder Schlosses jeweils immer zunächst in der ursprünglichen Fassung zu hören war.

Dieses Vorgehen hatte einen besonderen Reiz, denn das Rick Hollander Quartet mit Paul Brändle (Gitarre, Baritongitarre), Brian Levy (Saxophon, Flöte), Matt Adomeit (Kontrabass, Mandoline) und Hollander (Schlagzeug, Steel Drum) kreierte für die Vorstellung des jeweiligen Songs eigens einen besonderen Klang, der den ohnehin heiteren Charakter der Beatles-Songs noch ins Euphorisierende steigerte. Dazu trug in erster Linie die karibische Steel Drum bei. Das in Trinidad erfundene und ursprünglich aus alten Stahlölfässern gebaute Instrument basiert auf unterschiedlich getriebenen Blechbereichen, die sich dann beim Anschlagen in der Tonhöhe unterscheiden. Das Besondere des Schlaginstruments ist der sinnliche, gongartige und an Obertönen reiche Klang, der Songs wie "Lucy in the Sky", "When I'm Sixty-Four" oder "Penny Lane" mit karibischer Ausgelassenheit anreicherte. Oft ging es in der klanglichen Besonderheit noch weiter, wenn Adomeit Mandolinen-Tremolo beisteuerte, Brändle mit der Baritongitarre dunkler färbte und Levy zur Flöte griff. In Balladen wie "Strawberry Fields forever" sorgte bisweilen der gestrichene Kontrabass für mehr warme Substanz. Die von Hollander gesungenen Beatles-Songs erhielten jedenfalls damit eine eigene Klangwelt, die der Patina mit Frische begegnete.

In der Bearbeitung blieben die vier erstklassig ausgebildeten und längst in der ersten Liga mitspielenden Musiker nah am thematischen Material. Die balladesk erzählenden Passagen der Beatles-Songs gaben ihnen eine dichte, rhythmisierte Struktur an die Hand, während die Refrains meist überschwängliche Melodik beisteuerten. Kontrastierende Wirkungen also, die sich gut dramaturgisch verarbeiten ließen.

Für die eigenen Auslegungen dachte sich die Combo grob eine Vorgehensweise aus, um schlüssige Spannungsbögen aufbauen zu können, die am Schluss jeweils zum Ausgangsmaterial zurückkehrten, um wieder eine originelle Schlusswendung, eine Art Pointe zu kreieren. Meist übernahm die Führungsrolle entweder die Gitarre oder das Saxophon, aber auch der Kontrabass, soweit möglich auch schon mal das Schlagzeug, bekamen Hauptrollen zuerkannt. Brändle half dann harmonisch markierend nach, um die Orientierung im thematischen Material für die Zuhörer zu erhalten. Die zunehmende Verdichtung und Intensivierung bedeute ab einem Punkt dann freien Lauf fürs lustvolle Jazzen mit virtuosen Soli, nicht selten bis zur Wildheit gesteigert. Die Rückkehr zum Ausgangsmaterial ergab einen besonderen Effekt: eine selige Beruhigung in Schönharmonik und unbeschwerter Gelassenheit.

Diese straffe Dramaturgie verfehlte ihre Wirkung nicht, blieb aber allzu stereotyp. So tat es in der Zugabe besonders gut, dass das Quartett schon mal von der üblichen Konstellation abwich und die Zuhörer sich von überraschenden Wendungen wie experimenteller Spielweise überraschen lassen konnten. Aber der Reifungsprozess ist ja noch nicht abgeschlossen, bevor es ins Studio zu CD-Aufnahmen geht. Das Publikum in Seefeld war schon jetzt begeistert.

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