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Kommunalwahlen im Landkreis Starnberg:Freundlicher Schlagabtausch

Bei der SZ-Podiumsdiskussion im Gautinger Bosco beziehen fünf Landratskandidaten Position: Es geht um Gewerbegebiete, um das Thema Wohnen, um Verkehr, um die Energiewende - und ums Geld. In vielen Punkten sind sich die Bewerber weitgehend einig

SZ-Podiumsdiskussion im bosco; SZ-Podiumsdiskussion im bosco

Die SZ-Redakteurinnen Karin Kampwerth (links) und Astrid Becker (rechts) diskutieren mit den Landratskandidatinnen und -kandidaten (von links): Stefan Frey (CSU), Martina Neubauer (Grüne), Cédric Muth (FDP), Christiane Kern (SPD) und Matthias Vilsmayer (FW).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Was Cédric Muth (FDP) von Christiane Kern (SPD) weiß? "Ich habe Frau Kern als sehr bodenständige, herzliche, geerdete und sympathische Mitbewerberin kennen gelernt." Die wiederum äußert sich über Stefan Frey (CSU) so: "Stefan Frey ist quasi ein Kollege von mir. Wir haben den gleichen Dienstherrn, sitzen sogar im gleichen Haus des Innenministeriums. Sonst sind wir total verschieden. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt immer schon in Starnberg. Ich bin a Zuagroaste, hab' keine Kinder und bin ledig." Frey ist an der Reihe und soll sich über Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) äußern: "Vilsmayer ist 47 Jahre alt, IT-Unternehmer aus Gilching, schon lange im Kreistag und ein starker kompetenter Mitbewerber." Vilsmayer darf sagen, was er von Martina Neubauer (Grüne) - beide sitzen im Kreistag - hält. "Liebe Martina, ich schätze dich sehr. Du bist sehr engagiert, gut vorbereitet, hast viele Wortbeiträge. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir tragen das immer sachlich aus. Manchmal finde ich dich aber zu parteipolitisch." Zu guter Letzt darf sich Neubauer über Muth äußern: "Wir kennen uns noch nicht so lange. Unsere erste Begegnung war bei der Verleihung des Wirtschaftspreises. Ich habe erst realisiert, dass du ein Mitbwerber bist, als wir alle gemeinsam auf der Couch saßen für ein Foto. Schön, dass du dabei bist."

SZ-Podiumsdiskussion im bosco; SZ-Podiumsdiskussion im bosco

Knapp 200 Zuhörer verfolgen die Podiumsdiskussion im Gautinger Bosco

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Freundlich, geradezu freundschaftlich präsentierten sich die fünf Landratskandidatinnen und -kandidaten bei der SZ-Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Gautinger Bosco. Knapp 200 Zuhörer waren gekommen, um sich ein Bild der Bewerber zu machen, die um die Nachfolge von Landrat Karl Roth (CSU) kämpfen. Überwiegend waren sich die Fünf einig. Nur manchmal klang ein bisschen Wahlkampf durch.

Gewerbe

Die geplante Ausweisung von großen Gewerbegebieten in Gauting und Schorn ist gerade ein heftig diskutiertes Thema. Ob sie sinnvoll seien, müsse man sich genau ansehen, sagte Neubauer. Im Landkreis herrsche Vollbeschäftigung, mit neuen Gewerbeflächen "ziehen wir uns nur die Probleme von außen an", sprich: Es müssten auch Wohnungen gebaut und die Infrastruktur ertüchtigt werden. Wichtiger sei, den eigenen Mittelstand zu stärken. Das wollen auch die Mitbewerber. Frey kann sowohl die Gautinger - die Steuereinnahmen brauchen - als auch die Gilchinger - die ihren Bannwald erhalten wollen - verstehen. Er hat jüngst einen Kompromissvorschlag gemacht, der nun in den Gemeinderäten behandelt werden soll. Vilsmayer sieht es als Notwendigkeit an, dass Gewerbe überall maßvoll entwickelt wird. Kern plädierte für eine landkreisweite Gewerbegebietsplanung gibt. Sie sei ein Fan von interkommunalen Gewerbegebieten.

Wohnen

Die freien Flächen im Landkreis sind knapp, die Preise hoch. Die Folge: Es fehlt an günstigem Wohnraum. Dieses Dilemma wollen die Kandidaten mit verschiedenen Modellen lösen: mehr Geld für den Verband Wohnen (Neubauer), Einheimischenmodell (Vilsmayer), sozialer Wohnungsbau (Frey), Tiny-Häuser (Muth), Sozial gerechte Bodennutzung (Kern und Neubauer). Übereinstimmung gab es darüber, dass in Geschosswohnungsbau und in Genossenschaften investiert werden müsse.

Finanzen

An der Rekordverschuldung des Landkreises in Höhe von bald 180 Millionen Euro wollte keiner der Kandidaten mäkeln. Das neue Gymnasium in Herrsching, der Kauf der Schindlbeck-Klinik und die Erweiterung des Landratsamtes seien Investitionen in die Zukunft, lautete die übereinstimmende Meinung. "Da haben alle was davon", sagte Kern. Die Kreisumlage werde steigen, daran ließ Frey keinen Zweifel. "Aber wer A sagt, muss auch B sagen."

Verkehr

Was den Landkreis lebenswert macht, sind seine Seen und die schöne Landschaft - die wiederum Segen und Fluch zugleich sind. Der große Ansturm von Ausflüglern vor allem in den westlichen Gemeinden beschäftigt auch die Landratskandidaten. Jeder habe das Recht, an die schönen Seen zu fahren, meinte Neubauer. Aber es brauche eine anderes Mobilitätskonzept, wie Badebusse, Radwege, Rad-Verleihsysteme an den S-Bahnhöfen und höhere Parkgebühren. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssten weiter ausgebaut werden, forderte Vilsmayer. Muth schlug ein Schiffstaxi am Starnberger See vor. Beim barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe müsse "Druck auf den Freistaat" gemacht werden, sagte Frey. Einen 20-minütigen Takt bei der S6, den zweigleisigen Ausbau der S8, ein Halt in Weichselbaum, Express-S-Bahnen und einen Regionalzughalt in Gauting, "darüber müssen wir massiv in die Verhandlungen reingehen", sagte Neubauer. Ohne zweite Stammstrecke gehe gar nichts, meinte Frey. Der Widerstand dagegen in München müsse endlich aufhören.

Windkraft

Eitel Sonnenschein herrscht offenbar über die vier Windräder in Berg. "Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe" (Vilsmayer, Muth, Neubauer). Die Konzentrationsflächen im Landkreis müssten weiterentwickelt werden, sagte Muth. Berg sei ein Erfolgsmodell. "Das Ding rechnet sich." Vilsmayer will Windräder nur als Bürgermodell. Nötig sei ein Energiemix, um das Ziel des Landkreises, die Energiewende bis 2035 zu schaffen, erreicht werden könne. Dafür plädierte auch Kern: Solar- und Windenergie, Erdwärme und Blockheizkraftwerke.

8000 Menschen

werden nach der jüngsten Prognose bis zum Jahr 2038 in den Landkreis ziehen. Sollten sich diese Hochrechnungen bewahrheiten, würde damit die Einwohnerzahl im Kreis Starnberg auf 144 000 anwachsen. Unter den 8000 Neubürgern werden voraussichtlich auch Menschen sein, die hier zwar einen Arbeitsplatz gefunden haben, aber dort nicht so viel verdienen, um sich die hohen Immobilienpreise leisten zu können. Bezahlbarer Wohnraum ist im Landkreis Starnberg schon lange Mangelware - auch wenn der Verband Wohnen große Anstrengungen unternimmt, um ihn zu schaffen. Vor zehn Jahren gehörten dem Verband etwa 2300 Wohnungen, seither ist die Zahl nur um 100 gestiegen. Weitere 300 Wohnungen sind in Planung, mehr als 100 Millionen Euro sollen dafür investiert werden. Derzeit hat der Verband nur zwei freie Wohnungen im Angebot.

© SZ vom 22.02.2020
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