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Kommunalwahl in Tutzing:Rangeln um die Stellvertreter

CSU, Grüne und UWG Traubing reklamieren die Posten der Vize-Bürgermeister für sich. Die Vereidigung der Gemeinderäte wird ins Roncallihaus verlegt

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Wer wird Vize-Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre in Tutzing? Werden CSU und erstmals die Grünen als jetzt stärkste Fraktionen je einen Vertreter reklamieren, wie sie ankündigen? Oder lassen es die Traubinger mit ihrer Ortsgruppierung UWG auf eine Kampfabstimmung ankommen, um wieder einen Stellvertreterposten zu erhalten? Welcher Gemeinderat übernimmt zusätzlich zu seinem Mandat ein Referentenamt? Und welche Ausschüsse soll es überhaupt in dieser Legislatur geben?

Diese und weitere relevante Fragen für ihre Arbeit müssen die 20 Tutzinger Gemeinderäte und -rätinnen bei ihrer konstituierenden Sitzung an diesem Dienstag, 5. Mai, beantworten. Eine Konstante ist Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler). Sie war 2018 nach dem Tod von Bürgermeister Rudi Krug gewählt worden und stellt sich erst 2024 zu einer etwaigen Wiederwahl.

Die Vereidigung eines Gemeinderates, die Corona-bedingt nicht im Rathaus stattfindet, sondern in den großen Saal des Roncallihauses verlegt wird, ist freilich auch für Greinwald ein Novum. Elf Räte kennen das Procedere schon: Wiedergewählt wurden Elisabeth Dörrenberg, Ernst Lindl, Thomas von Mitschke-Collande und Thomas Parstorfer (alle CSU), Stefan Feldhütter und Verena von Jordan-Marstrander (FW), Christine Nimbach und Bernd Pfitzner (Grüne), Georg Schuster (FDP), Franz Matheis (UWG) und Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste).

Für neun wird es an diesem Abend die erste Sitzung überhaupt sein - sie sind komplett neue Vertreter: Ludwig Horn und Florian Schotter (CSU), Michael Ehgartner und Flora Weichmann (Grüne), Claus Piesch (FW), Joachim Weber-Guskar (FDP), Barbara Doll (UWG), Caroline Krug (ÖDP) und Stefanie Knittl (SPD).

Die Neuen haben auch die Sitzverteilung in Tutzing gehörig durcheinander gewirbelt. Die CSU verlor einen Sitz, ist mit sechs Mandaten aber immer noch stärkste Fraktion. Sie stellte mit Elisabeth Dörrenberg, der früheren Kreis- und Ortsvorsitzenden, bisher die Zweite Bürgermeisterin. In der Zeit, als Dörrenberg mit Greinwald den erkrankten Krug vertrat, machte sie einen guten Job und erwarb sich allseits Ansehen. Ob sie wieder antritt, konnte der CSU-Ortsvorsitzende Thomas Parstorfer noch nicht sagen. Treffen und Absprachen seien derzeit schwierig.

Die Grünen haben ihre Präsenz auf vier Sitze verdoppelt. Bernd Pfitzner, der auch Kreisrat und Kreissprecher der Grünen ist, findet, dass den Grünen damit der Dritte Bürgermeister zusteht. Das würde wohl auf den 51-jährigen Wirtschaftsmathematiker selbst zulaufen, auch wenn er seine Kandidatur für das zeitaufwendige Zusatzamt erst noch mit Familie und Arbeitgeber besprechen wollte.

Als zeitgemäße Neuerung und Zeichen für mehr Transparenz würde Pfitzner es begrüßen, wenn der Gemeinderat seine Sitzungen künftig im Internet übertragen würde. Ob darüber gleich am an diesem Dienstag entschieden wird, ist allerdings fraglich.

Für den Dritten Bürgermeister würde auch der Traubinger Franz Matheis (UWG) wieder den Hut in den Ring werfen, wie er sagt. Der Tierarzt hatte das Amt seit 2018 inne. Auch die UWG hat ihre Mandate verdoppelt: von eins auf zwei. Sollte Matheis verlieren, kann er sich vorstellen, dass es wieder, wie unter Bürgermeister Stefan Wanner bis zum Jahr 2014, einen Referenten für die selbstbewussten Tutzinger Ortsteile gibt.

Bürgermeisterin Greinwald spricht sich offen für ihre bisherigen Stellvertreter Dörrenberg und Matheis aus. "Mein Wunsch sind die beiden. Ich habe gut mit ihnen zusammen gearbeitet. Die Stellvertreter müssen Zeit haben und schnell mal einspringen können bei Terminen", wie sie der SZ sagt. Sie äußerte auch Verständnis für die Grünen. Die könnten ihre erstarkte Position aber auch über Referenten zur Geltung bringen.

Denkbar wäre auch, dass der Gemeinderat gleich drei Vizebürgermeister festsetzt. Das, gibt Rathauschefin Greinwald zu bedenken, käme Tutzing aber teurer - jeder erhält eine Aufwandsentschädigung. Über die Posten wird in geheimer Wahl abgestimmt.

Spannend dürfte die Festlegung und Besetzung von Referentenposten werden. Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) hatte viele Jahre wortmächtig als Ortsplanungs- und Trinkwasserreferent gewirkt. Der Senior ist nun nicht mehr zur Wahl im März angetreten. Völlig überraschend hingegen wurde der Posten der Kulturreferentin vakant. Brigitte Grande (CSU) leistete sechs Jahre ehrenamtlich mit Verve Erstaunliches auf diesem Gebiet - der Wähler hat das zu ihrer großen Enttäuschung nicht honoriert. Grande bekam kein Mandat mehr.

"Sie hat sich intensiv gekümmert und Strukturen geschaffen, die uns erhalten bleiben", zeigt sich Greinwald dankbar. Eine gute Neubesetzung hält sie für "wünschenswert". Man wird sehen, ob Verena von Jordan-Marstrander (FW) als Schulreferentin weitermacht. Und ob es wieder einen Liegenschaftsreferenten geben wird - Georg Schuster war zwischenzeitlich zurückgetreten.

Bislang leisteten die Gemeinderäte in vier Ausschüssen die Hauptarbeit: Bau- und Ortsplanungsausschuss, Umwelt-, Verkehrs- und Energieausschuss, Haupt- und Finanzausschuss, Rechnungsprüfungsausschuss. Um in möglichst vielen Ausschüssen vertreten zu sein, wollen Caroline Krug (ÖDP), Stefanie Knittl (SPD) und Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) eine Ausschussgemeinschaft bilden.

Zur öffentlichen Sitzung im Roncallihaus an der Kirchenstraße 10 ist nur eine begrenzte Anzahl an Zuhörern zugelassen. "Wir werden nur so viele Besucher einlassen, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann", heißt es aus dem Tutzinger Rathaus. Es wird außerdem darum gebeten, einen Mundschutz zu tragen.

© SZ vom 05.05.2020

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