Kommunalwahl in Krailling:"Das geht ganz schnell"

Lesezeit: 5 min

Die eine hört mit 85 auf, die andere kommt mit 19: Ein Gespräch mit den Kraillinger Gemeinderätinnen Eleonore Zwißler und Cosima Schmid-Zeller über kalte Winter, Waldohreulen und das Betreute Wohnen

Interview von Carolin Fries, Krailling

Es ist ein Generationenwechsel: Eleonore Zwißler scheidet mit der Wahl des neuen Kraillinger Gemeinderates nach 30 Jahren aus dem Gremium aus. Die 85-Jährige hatte nicht mehr auf der CSU-Liste kandidiert. Neu im Gremium ist Cosima Schmid-Zeller. Die 19-Jährige kandidierte für die Grünen auf Listenplatz drei und erhielt 1391 Stimmen. Sie bereitet sich gerade zuhause auf den Medizinertest im Mai vor. Auch Eleonore Zwißler verlässt das Haus aktuell nur noch, wenn es unbedingt sein muss. Das Doppelinterview findet deshalb über zwei laut gestellte Telefone statt, die nebeneinander liegen.

Frau Zwißler, wie war das vor dreißig Jahren, als Sie in die Politik gingen - was hat die Menschen in Krailling beschäftigt?

Eleonore Zwißler: Der CSU bin ich ja schon 1975 beigetreten, weil ich es toll fand, dass Politiker wie Alfons Goppel und Franz Josef Strauß damals aus einem Nehmerland ein Geberland gemacht haben. Bayern ist wie Phoenix aus der Asche wirtschaftlich erstarkt. In Krailling war ein Kampf um den Bau des Altenheims Maria Eich entbrannt - ungefähr genauso wie heute im Ort um das Betreute Wohnen gestritten wird, das als Erweiterung geplant ist. Ich war damals sehr dafür, dass das Altenheim zustande kommt.

Das Betreute Wohnen beziehungsweise der Schutz des Waldes, wo es entstehen soll, ist ein Grund, warum Sie sich engagieren, Frau Schmid-Zeller. Sie hörten die Waldohreulen dort in den Bäumen rufen, als Sie fürs Abi gelernt haben.

Cosima Schmid-Zeller: Ja genau. Es geht gar nicht um das Betreute Wohnen selbst, sondern darum, ob es wirklich notwendig ist, dafür in dieses Landschaftsschutzgebiet reinzubetonieren. Da haben wir zuhause viel diskutiert.

Mit dem Ergebnis, dass eine Kandidatur für den Gemeinderat das Problem lösen könnte?

Cosima Schmid-Zeller: Als ich bei der Bürgerversammlung im vergangenen Jahr aufgestanden bin und von den Waldohreulen erzählt habe, hatte ich nicht vor, mich politisch zu engagieren. Zuerst einmal war es mir wichtig, zu sensibilisieren, auf die Eulen aufmerksam zu machen. Erst danach hat mich die Ortsvorsitzende der Grünen angesprochen. Das hat mich dann motiviert.

Haben Sie sofort zugesagt oder gezögert?

Cosima Schmid-Zeller: Ich war anfangs eher zurückhaltend. Mit 19 Jahren will ich studieren und weiß nicht, wohin es mich treibt. Höchstwahrscheinlich aber werde ich in München bleiben können.

Frau Zwißler, haben Sie damals gezögert?

Eleonore Zwißler: Gar nicht, ich habe gesagt, ich mache das jetzt ,und war von der Notwendigkeit des Altenheims überzeugt. Es war mein eigener Entschluss, da mitzumachen. Und wenn sich jemand sichtbar engagiert, dann wird das auch angenommen. Und man wird gewählt. Übrigens ganz unabhängig davon, ob man eine Frau oder ein Mann ist.

Cosima Schmid-Zeller

Cosima Schmid-Zeller will den Bannwald schützen und plädiert für ein zentraleres Betreutes Wohnen.

(Foto: Privat)

Sie mussten als Frau in der CSU nie besonders kämpfen?

Eleonore Zwißler: Überhaupt nicht. In der Kraillinger CSU herrschte eine gute, angenehm freundschaftliche Atmosphäre. Es spielte eine Rolle, dass gerne und gut gearbeitet wurde. Was mich in den Anfangsjahren im Gemeinderat sehr gefordert hat, war die Kinderbetreuung. Es war mir ein Riesenanliegen, immer genügend Betreuungsplätze anbieten zu können. Und das haben wir auch bis heute geschafft.

Sie haben sich also um die sogenannten Frauenthemen gekümmert. Sehen Sie das auch als ihre Aufgabe, Frau Schmid- Zeller?

Cosima Schmid-Zeller: Ja natürlich. Als Frau möchte ich die Akzeptanz fördern, mich für Emanzipation einsetzen und zeigen, dass ich mit 19 Jahren genauso mitreden kann wie die alten Hasen im Gemeinderat. Vielmehr aber noch sehe ich mich als Vertreterin der jungen Leute, die einen Jugendbeirat wollen und wieder einen Jugendtreff. Das Hubertus ist geschlossen, der Jugendpfleger ist weg. Es gibt keinen Platz mehr für Partys oder um sich zu treffen.

Haben Sie auch ein bisschen Bammel? Mit Bauordnungen oder Planfeststellungsverfahren werden Sie sich wahrscheinlich noch nicht auskennen.

Cosima Schmid-Zeller: Ich habe Respekt, keine Angst. Ja, ich habe nicht die Erfahrung, wie Sie Frau Zwißler sammeln konnte, aber ich kann zuhören, mir eine Meinung bilden und diese vertreten. Meine Fraktionskollegen der Grünen haben mir Hilfe zugesagt, und sollte ich mal einen Fehler machen, dann hoffe ich, dass ihn mir die anderen Gemeinderatsmitglieder verzeihen.

Wie war das mit dem Einstieg bei Ihnen, Frau Zwißler?

Eleonore Zwißler: Das geht ganz schnell. Man wird ja ständig mit den Themen konfrontiert, außerdem hilft die Rathausverwaltung bei Fragen. Ich habe anfangs eher physisch gelitten: Wir haben uns für die Entwicklung der KIM auf dem Pioniergelände eingesetzt. Damals wurde das Bürgerbegehren eingeführt, also haben wir in der Kälte Unterschriften gesammelt. Die waren dann wegen eines Formfehlers ungültig, weshalb wir nochmal raus mussten. Das war ein harter Winter.

Wurde damals noch härter gestritten im Gemeinderat?

Eleonore Zwißler: Das Gefühlt sagt Ja, aber das täuscht. Ich habe mir einmal alle Protokolle der Gemeinderatssitzungen aus dem Jahr 2012 rausgesucht und die Abstimmungsergebnisse aufgelistet. 80,7 Prozent aller Abstimmungen waren einstimmig, 12,8 Prozent mit deutlicher Mehrheit. Und das, obwohl wir mitunter heftig streiten! Nur 6,4 Prozent der Abstimmungen sind mit einer knappen Mehrheit erfolgt.

Krailling: Sizungssaalstuhl

Eleonore Zweißler findet, die Bäume dort seien nicht für die Ewigkeit bestimmt, und der Standort in der Nähe des Altenheims habe seine Berechtigung.

(Foto: Nila Thiel)

Wollen Sie sich streiten, Frau Schmid- Zeller?

Cosima Schmid-Zeller: Ich hoffe, dass nicht gestritten wird, dafür angeregt diskutiert. Die persönliche Meinung ist wichtig.

Mit dem Schutz des Bannwalds beim Altenheim, einem Jugendtreff und einem Jugendbeirat haben Sie ganz konkrete Ziele? Ist das wichtig für den Start?

Eleonore Zwißler: Ein Jugendtreff ist seit Jahrzehnten auch der Traum der CSU, bloß ist es leider ziemlich schwierig, dafür zentral Räume zu finden, ohne dass Nachbarn gestört werden. Beim Hubertus war der Zulauf außerdem nicht sehr groß, obwohl das Angebot des Jugendpflegers toll war. Woran das liegt? Vielleicht weil es in Krailling keine weiterführende Schule gibt? Ich weiß es nicht. Bei einem Jugendbeirat wäre ich dabei. Und was das Betreute Wohnen betrifft: 2015 gab es einen ersten, einstimmigen Beschluss im Gemeinderat, diesen Plan zu verfolgen. Seither wurden zig Gutachten angefertigt, was die Käfer, Vögel und Fledermäuse betrifft. Die Untere Naturschutzbehörde hat alles geprüft. Aus artenschutzrechtlicher Sicht spricht nichts dagegen.

Cosima Schmid-Zeller: Ich finde immer noch, dass der Bannwald schützenwert ist. Zudem läge das Betreute Wohnen beim Altenheim sehr weit abgelegen von der Ortsmitte, eine zentrale Lösung fände ich besser.

Eleonore Zwißler: Leider gibt es in der Ortsmitte keine Grundstücke. Es ist einfach nichts da. Außerdem ist die Ansiedlung des Betreuten Wohnens in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Alten- und Pflegeheim ein sinnvolles und bewährtes Konzept. Und was den Wald betrifft: Es ist ein Wirtschaftswald, den der Eigentümer - hielte er das für nötig - jederzeit abholzen könnte. Grundsätzlich sind die Bäume dort nicht für die Ewigkeit bestimmt.

Sie würden sich gerne weiter dafür im Gemeinderat einsetzen, oder?

Eleonore Zwißler: Da haben Sie Recht. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so langsam vorankommen. Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich mich nicht mehr habe aufstellen lassen.

Frau Schmid-Zeller, mit Frau Zwißler geht eine starke politische Gegnerin. Gut für Sie?

Cosima Schmid-Zeller: Nein, Gegenstimmen sind schon wichtig. Aber ich bin den Grünen dankbar, dass sie das Projekt solange aufhalten konnten.

Welchen Tipp geben Sie Frau Schmid-Zeller für die kommenden Jahre?

Eleonore Zwißler: Es ist das Privileg der Jugend, zu fordern und den Idealen freien Lauf zu lassen. Aber sie sollte auch auf die Erfahrung der anderen bauen. Nicht alles, was wünschenswert ist, ist machbar.

Was sagen eigentlich Ihre gleichaltrigen Freunde zu Ihrem politischen Mandat, Frau Schmid-Zeller?

Cosima Schmid-Zeller: Anfangs waren sie überrascht, viele konnten das auch nicht einordnen. Jetzt sind alle ziemlich stolz, dass ich gewählt wurde, geben mir Anregungen und machen Vorschläge. Viele wünschen sich, dass ich ein bisschen frischen Wind in den Gemeinderat bringe.

Eleonore Zwißler: Die Idee mit jungen Leuten hatten ja mehrere Parteien, und auch die CSU hat neuerdings einen 19 Jahre alten Gemeinderat in ihren Reihen. Sie werden ihre Erfahrungen sammeln müssen. Es sagt sich zum Beispiel leicht, man wolle bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wenn man es dann machen soll, zeigt sich: Das ist gar nicht so leicht.

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