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Kommunalwahl:Ein Wahlprogramm zum Reinbeißen

Hofreiter beim Bio-Bäcker; Toni Hofreiter beim Bio-Bäcker

Bäcker Wigbert Cramer (links) mit den Grünen Martina Neubauer, Anne Franke, Anton Hofreiter und Hans Wilhelm Knape.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Bundestagsabgeordneter Anton Hofreiter schwärmt bei den Gautinger Grünen vom Sauerteigbrot

"Das Brot schmeckt genau so wie das von meinem Vater", sagt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, anerkennend, als er das Roggen-Dinkel-Sauerteigbrot von Bio-Bäcker Wigbert Cramer in Gauting probiert. Seine Familie habe immer versucht, so weit wie möglich autark zu wirtschaften, sagt der Politiker später. Er backe sein Brot auch gelegentlich noch selber, "so wie ich es von meinem Vater gelernt habe". Davor hatte Cramer durch seine Backstube an der Starnberger Straße geführt, die Arbeitsschritte, sein Handwerk erläutert und sein magenfreundliches Vollkornbrot angeboten.

Das war nur der Auftakt für die Programm-Vorstellung der Grünen. Bürgermeisterkandidat Hans Wilhelm Knape berichtete dabei, viele Gautinger befürchteten, dass Gauting so wie Germering werde. "Die Zeit ist reif für eine Trendwende. Wir müssen uns die Gestaltungshoheit wieder holen, uns für eine Ortsentwicklung mit Augenmaß und für einen Ausgleich zwischen finanziellen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Erfordernissen einsetzen", sagte er.

Die Art und Weise, wie im Rathaus derzeit Projekte angegangen werden, widerstrebe ihm. Er vermisst mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander und mit der Umwelt, eine ganzheitliche Planung sei notwendig. "Bezahlbarer Wohnraum in lebenswerten Wohnvierteln und zugleich eine ökologische, nachhaltige Bauweise, das muss möglich sein", findet Knape. Die Grünen wollen den Verkauf von gemeindeeigenen Flächen stoppen. "Das Tafelsilber pflegen statt verscherbeln", forderte Knape. Instrumente wie Erbpacht, Genossenschaftsmodelle oder soziale Bodennutzung sollten konsequent einsetzen.

Finanziell stehe Gauting gar nicht so schlecht da, sagte Knape. Die Einkommenssteuer sei enorm, bei der Gewerbesteuer müsse man zwar zulegen, jedoch "mit Augenmaß" planen. Um Firmen im Ort zu halten, forderte er neue Konzepte und eine intelligente Nutzung bestehender Flächen. Die Planungen für ein Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz sollten seiner Ansicht nach gestoppt werden. Knape befürchtet auch finanzielle Risiken. Die Grünen haben bereits einen Antrag vorgelegt, in dem sie unter anderen Auskunft über die bisherigen Ausgaben fordern.

Auch Gemeinderatskandidatin Michaela Reißfelder-Zessin ist gegen die Zerstörung wertvoller Naturflächen zugunsten von neuen Gewerbegebieten. Sie befürwortet aber den Handwerkerhof am westlichen Ortsrand, wo gerade Flächen an Unternehmen vergeben werden, und die Ansiedlung von Firmen auf Flächen, die zum Sonderflughafen Oberpfaffenhofen gehören. Außerdem befürwortet sie das von der Gemeinde geplante Gewerbegebiet westlich der Asklepios-Klinik. Das lokale Gewerbe zu fördern bedeute auch, den lokalen Einzelhandel zu erhalten. Vielfalt bei der Grundversorgung, kurze Wege und gute Verkehrsführung erhöhten die Lebensqualität, sagte sie. Sie plädiert zudem für die Koexistenz von Wohnen und Arbeiten sowie sozialem und kulturellem Leben.

Dem Klima helfe eine neue Mobilitätskultur, sagte Matthias Ilg. Er meint damit: mehr Radfahrer, mehr Fußgänger, weniger Autos. "Durch die Verkehrswende wird Gauting attraktiver", findet der Kandidat. Sein Ziel ist es, den Autoverkehr um 20 Prozent zu reduzieren. Er fordert Expressbuslinien, sogenannte shared spaces, Fahrradringe und mehr Tempo-30-Zonen. Nach Ansicht der Grünen sollte außerdem die Regionalbahn in Gauting halten. Und Gauting soll nach den Worten von Knape eine lebenswerte Gemeinde für alle sein: für Familien, Singles, Senioren und Geflüchtete.

© SZ vom 19.02.2020
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