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Kommunalpolitik:Jungen Tutzingern Gehör verschaffen

Tutzing Paul Friedrich

Gymnasiast Paul Friedrich, der sich in der FDP engagiert, wirbt mit Unterstützern für einen Jugendbeirat.

(Foto: privat/oh)

Der 17-jährige Paul Friedrich will einen Jugendbeirat und hat dafür schon 151 Unterschriften gesammelt

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Dass Jugendliche in der Kommunalpolitik durchaus was erreichen können, hat Paul Friedrich in Tutzing erlebt. Mit Gleichgesinnten der Jugendfeuerwehr setzte er eine bessere Busanbindung am Ort durch. Von besserer Mobilität profitieren alle, aber vor allem junge Leute, die sonst aufs Eltern-Taxi angewiesen sind. Der Erfolg im Rahmen des Demokratieführerscheins der Volkshochschule motiviert den Gymnasiasten, Jugendlichen in Tutzing mehr Gehör zu verschaffen. Ein Jugendbeirat soll her, nach dem Vorbild von Gauting und Krailling, wo gerade der erste Jugendbeirat gewählt wird. Er soll die Interessen Jugendlicher vertreten und zwischen Gemeinderat und Jugend vermitteln. So einem Beirat stimmen im Gemeinderat grundsätzlich alle zu.

Paul Friedrich ist politisch interessiert, engagiert sich als Mitglied der lokalen FDP und der Jungen Liberalen. Der 17-Jährige will mit den beiden FDP-Gemeinderäten Joachim Weber-Guskar und Georg Schuster eines der immer wieder zur Kommunalwahl propagierten Wahlversprechen der Liberalen einlösen. Der Schüler sammelte mit anderen Aktiven 151 Unterstützer-Unterschriften für einen Jugendbeirat bei jungen Tutzingern, davon sind zwei Drittel Gymnasiasten. Das Übergewicht erklärt er auf Nachfrage damit, dass man leider von Mittelschule und Realschule keine Antwort erhalten habe, ob man Unterschriften sammeln dürfe. Viele Unterstützer kamen auch vom politisch regen Freizeitclub JM.

Ein mögliches Betätigungsfeld für den Jugendbeirat sieht Friedrich darin, mehr öffentliche Freizeiteinrichtungen zu schaffen, etwa einen jederzeit zugängigen Freiluftparcours oder Grillplätze in Parks. Mit solchen Einrichtungen hat man in Tutzing jedoch eher nicht so gute Erfahrungen. Der von einer Jugendgeneration zuvor heiß begehrte Beachvolleyballplatz nahe dem Südbad, der 2015 eröffnet wurde, gammelt inzwischen vor sich hin. Weil kein Gremium die Verantwortung trage, ist Friedrichs Erklärung. Und: So etwas könne ja dann der neue Jugendbeirat übernehmen. "Es geht uns um Projekte, aber auch darum, reaktiv auf Anträge im Gemeinderat einzugehen, die auch Jugendliche betreffen. Wir wollen nicht übergangen werden."

Vorgesehen sind bis zu zehn Jugendvertreter, so ein Satzungsentwurf. Abgesandte von sechs Institutionen sollen festgeschrieben werden: Jugendfeuerwehr, JM, Gymnasium, Mittelschule und Realschule, ein Jugendlicher soll die Interessen der Jungen aus dem Ortsteil Traubing vertreten. Aktives und passives Wahlrecht soll allen 14- bis 25-Jährigen zustehen.

Im Gemeinderat erläuterte Weber-Guskar den Antrag. Paul Friedrich konnte dort coronabedingt nicht wie geplant auftreten. Aber genau darum geht es, wie der Schüler sagt. Man wolle selbst antragsberechtigt sein und Rederecht haben bei Jugendbelangen. Weber-Guskar sieht im gewünschten Beirat eine kostenneutrale Möglichkeit, die auch die Verwaltung nicht belaste.

Jugendreferent Claus Piesch (Freie Wähler) vertritt hingegen einen anderen Ansatz. Der Vorsitzende des Kreisjugendrings Starnberg (KJR) sieht aus seiner Erfahrung die Notwendigkeit, dass der Beirat über ein eigenes Budget verfügen und einen Ansprechpartner in der Gemeinde haben müsse. Eine Stelle für Jugendarbeit stehe seit 2010 im Haushalt. Unterstützen könnten sowohl der Bayerische Jugendring wie der KJR. Eine Projektgruppe mit Piesch, Ludwig Horn (CSU) und Jugendlichen soll das weitere Vorgehen besprechen.

© SZ vom 17.12.2020
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