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Guglmänner: Königstreuer Geheimbund:"Wir hatten eine Morddrohung"

Sie verhüllen ihre Gesichter mit Kapuzen und fordern, dass die Todesursache Ludwig II. endlich geklärt wird. Ein Guglmann gibt Einblicke in den Geheimbund.

Patrizia Steipe

Mit einem Gedenkgottesdienst feierten die Königstreuen in Berg den 124. Todestag von König Ludwig II. Auch die Guglmänner nutzten die Versammlung, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Ihr Ziel ist die Aufklärung der Todesursache des Bayernkönigs.

Auftritt der Gugelmänner nach der Gedenkfeier anläßlich des 124. Todestages von Ludwig II.: Ziel des Geheimbunds ist die Aufklärung der Todesursache des Bayernkönigs.

(Foto: STA)

SZ: Wie stehen Sie zu den alljährlich zelebrierten Gedenkfeiern?

Guglmann: Diese Gedenkfeiern sind wichtig, denn der Tod des Königs ist ja immer noch ungeklärt und so muss die Erinnerung an diesen einzigartigen König, der so viel für Bayern getan hat, wach gehalten werden. Es gäbe keinen Professor Pettenkofer und seine Hygienevorschriften, es gäbe keine Wagner-Musik, es gäbe keine Identifikationspunkte für alle Bayern, wenn wir die einzigartigen Königschlösser nicht hätten. Daher gebührt dem König dieser Gedenkgottesdienst. Dass sich um die Kultfigur des Königs ein Kult bildet, ist natürlich.

SZ: Was ist die Botschaft Ihrer diesjährigen Aktion, bei der Sie Gasballons mit Aufschrift im See versenkt haben?

Guglmann: Durch die Gasballons mit der Aufschrift "Es war Mord", die das Gedenkkreuz flankieren, wollen wir ein Signal setzten, dass sich hinter dem Schicksal des Königs ein eiskalter Mord - hochwahrscheinlich durch Scharfschützen des preußischen Geheimdienstes - verbirgt.

SZ: Sind Sie mit Ihrer Forderung. den Sarkophag öffnen zu lassen, um die Todesursache ermitteln zu können, beim Hause Wittelsbach weitergekommen?

Guglmann: Wir hoffen und sind überzeugt, dass das Haus Wittelsbach die Untersuchung des Sarkophags zulässt, sonst würde das Herrscherhaus sich ja dem Verdacht aussetzten, die Öffnung zu verhindern, um mutmaßlichen Mord zu vertuschen. Eine sehr eigenwillige Tatsache nach immerhin 125 Jahren. Selbst der Vatikan öffnet die Archive nach 100 Jahren.

SZ: Die traditionelle Verhüllung der Guglmänner macht vielen Angst.

Guglmann: Wir glauben nicht, dass unser Habit Angst verbreitet. Die Verhüllung des Angesichts vor der Majestät des Todes findet man in vielen Kulturen.

SZ: Warum treten Sie anonym auf?

Guglmann: Wir wollen keinen Personenkult. Uns geht es einzig und allein um die Botschaft, deshalb sind die Identitäten der Guglmänner geschützt. Außerdem hatten wir vor einiger Zeit sogar eine Morddrohung.

SZ: Wer kann Mitglied Ihrer Vereinigung werden?

Guglmann: Den Guglmännern kann man nicht beitreten, man wird erwählt. Wir beobachten die Ludwig-Szene und gehen gezielt auf Menschen zu, die sich um die Sache des Königs verdient gemacht haben.

SZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Guglmann: Möge die Gnadensonne Seiner Majestät stets über Ihrem Haupte leuchten.

© SZ vom 18.06.2010/hai
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