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Jazz:Heimspiel

Seefeld: Sudhaus JAZZ: Daniel Scheffels Sextett

Ausgezeichnete Musiker am Werk: das Sextett bei seinem Auftritt.

(Foto: Nila Thiel)

Das "Daniel Scheffels Sextett" überzeugt im Seefelder Sudhaus

Ein Jazzsextett ist für das etwas überakustische Sudhaus des Schlosses Seefeld fast schon zu groß. Zumal wenn "Neue Bands am Start!" sind. Nicht etwa, weil sie ihr Handwerk nicht beherrschten. Nein, aber sie müssen erst Erfahrung darin sammeln, das Überflüssige wegzulassen. Das gilt auch noch für das Daniel Scheffels Sextett, das zu Gast bei Kultur im Schloss Seefeld vor gerammelt vollem Saal ein Heimspiel feierte. Neben Schlagzeuger Scheffels sind nämlich auch Gitarrist Tilman Brandl und Kontrabassist Lorenz Heigenhuber Seefelder. Sie spielen offenbar seit der Schulzeit zusammen.

Die Mitglieder des Sextetts sind aber alles andere als blutige Anfänger. Herausragend auch die drei Mitspieler, in deren Vita sich so manch prominenter Name findet. Ein vielseitiger Instrumentalist ist etwa der in München lebende russische Pianist Vitaly Burtsev, der Jazzklavier bei Christian Elsässer studiert hat, aber auch Saxophon bei Tom Reinbrecht und Jazzbass bei Henning Sieverts lernte. Sein ausgeprägtes Gespür für dramaturgische Entwicklungen machte sich deutlich bemerkbar. Der aus Augsburg stammende Saxophonist Moritz Stahl trat schon mit Größen wie Dusko Goykovich oder Richie Beirach auf und wurde wie Burtsev mit begehrten Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Im Sextett schien er sich irgendwie gehemmt zu fühlen und kam nur zögerlich aus sich heraus. Ganz anders Perkussionist Samuel Wootton, ein Grenzgänger zwischen Jazz, Pop und Klassik.

Allerdings war der Tausendsassa allzu ungezügelt und überflutete bisweilen das Ensemblespiel mit dominanter, teils recht wilder Geräuschkulisse. Im Laufe des Abends stellte sich die Balance freilich immer besser ein, etwa nach einer weiten Rücknahme in "Eleanor" mit schlanken, doch reizvoll platzierten Klangspielen. Wirkungsvoll auch der Kontrast zwischen unbeschwert leichter Melodik und schwerem, monoton drückenden Motiv in "Just wants to play". Die meisten Titel des Abends stammten von Scheffels. Bis auf "Mood Swing" von Mike Stern in der den Publikumsjubel belohnenden Zugabe.

© SZ vom 23.11.2019

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